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Hat Rothenburgs Flugplatz eine Zukunft?

Noch in diesem Jahr will der Landkreis entscheiden. Es geht um die Landebahn, Investoren und Arbeitsplätze.

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Von Frank Thümmler

Die Verwirrung um die Zukunft des Rothenburger Flugplatzes könnte kaum größer sein: Rolf Zimmermann, Geschäftsführer der Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH, hatte in einem SZ-Interview im Dezember noch davon gesprochen, dass 2013 der gesamte Flugbetrieb sowie der Erhalt des Flugplatzes ohne kommunale Zuschüsse sichergestellt wurden und dies die Grundlage für den weiteren Betrieb über die nächsten Jahre hinaus sei.

Landrat Bernd Lange hatte wenig später gegenüber Radio Lausitz gesagt, dass infrage steht, ob die Start- und Landebahn weiterbestehen bleibt – und, dass sie auf jeden Fall verkürzt wird. Die SZ hat die wichtigsten Fragen zur Zukunft der Flugplätze in Rothenburg und Görlitz beantwortet – mit Landrat Bernd Lange, der dafür letztlich zuständig ist. Grundsätzlich zeichnet sich ab, dass die finanzielle Ist-Situation gut, oder zumindest hoffnungsvoll ist. Aber es gibt durchaus Sorgen – vor allem, was die langfristige Planung angeht.

Kommt der Rothenburger Flugplatz ohne öffentliche Zuschüsse aus?

Die Frage ist nicht ganz korrekt gestellt. Es geht immer um die Flugplätze in Rothenburg und Görlitz, die beide von der Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH betrieben werden. Deren 100-prozentiger Gesellschafter und gleichzeitig Eigentümer der Flächen ist der Zweckverband „Flugplatzverwaltung Rothenburg Oberlausitz-Niederschlesien“. In dem sind der Landkreis Görlitz (82 %), die Stadt Görlitz (16 %) und die Stadt Rothenburg (2 %) Mitglieder.

Sie haben bislang mit Umlagen den Erwerb des Geländes finanziert – und bis 2008 den Betrieb der Flugplätze bezuschusst. Vor allem durch den Bau der riesigen Solaranlagen hat sich die finanzielle Situation verbessert. Die erzielten Pachteinnahmen deckten immer mehr die Aufwendungen für den Kredit. Die Flugplatz GmbH profitiert von Pflegeleistungen auf dem Solargelände. Die Einnahmen daraus helfen, Spielraum für kleine Investitionen zu eröffnen. Ab 2014, so ist es Ziel des Zweckverbandes, sollen keine Umlagen der drei Mitglieder notwendig werden.

Warum steht der Flugplatz trotzdem auf dem Prüfstand?

Aus drei Gründen: Erstens: Wenn die Einnahmen durch die Gewinnung von Solarenergie so groß sind, weckt das Begehrlichkeiten. „Alle wissen, dass die Haushaltslage unseres Landkreises sehr angespannt ist. Und da ist es berechtigt zu fragen, ob man nicht Einnahmen für den Haushalt nutzen sollte statt für die Weiterbetreibung des Flugplatzes. Wir könnten dann ja sogar noch größere Flächen für die Gewinnung von Solarenergie zur Verfügung stellen“, sagt Landrat Bernd Lange.

Zweitens: Schon 2006, nach vielen Jahren Zuschussgeschäft, war die Frage gestellt worden, ob die Effekte, die man sich in den 90er Jahren versprochen hatte, eingetreten sind – und es sinnvoll ist, den Flugplatz weiterzubetreiben. Damals hatte der Kreistag eine Studie in Auftrag gegeben, genau das zu untersuchen. Ergebnis: Es macht nur dann Sinn, wenn „luftfahrtaffines Gewerbe“ auf dem Flugplatzgelände angesiedelt wird. Das bedeutet: Firmen, die für ihr Geschäft einen Flugplatz brauchen und ihn dauerhaft nutzen, sind nötig. Ergebnisse sollten dem Kreistag 2010 vorgelegt werden. Diese Frist wurde bis 2013 verlängert. Jetzt gibt es einen letzten Aufschub bis in die zweite Jahreshälfte 2014.

Drittens: Die Start- und Landebahn muss dringend saniert werden. Das würde bis zu zwei Millionen Euro kosten. Das wirft mindestens die Frage auf, ob man tatsächlich eine 45 Meter breite und gut 2 500 Meter lange Landebahn braucht.

Wie stehen die Chancen auf Firmen, die einen Flugplatz brauchen?

„Wir sind mit vielen im Gespräch. Aber es gibt nichts Verbindliches. Und das ist schon seit einigen Jahren so“, sagt Landrat Lange. Dazu gehört auch jener Unternehmer, der mit dem Flugzeugausstatter Global Aviation Services GmbH am Flugplatz in Insolvenz gegangen war und jetzt in kleinerem Maßstab neu starten will.

Eine andere Idee ist die Verschrottung und Verwertung ausrangierter Flugzeuge. „Dafür besteht in Deutschland Bedarf, aber auch hier haben die Gespräche der letzten Jahre noch keine konkreten Ergebnisse gebracht“, erklärt Lange, der bei der Ansiedlung einer solchen Firma auf Sicherheiten besteht. Keinesfalls dürfe das Flugplatzgelände nur mit Schrottmaschinen vollgestellt werden, sie müssen zeitnah auch demontiert werden. Der Flugplatz Rothenburg hatte zu der Zeit, als Bernd Lange Bürgermeister der Stadt war, bittere Erfahrungen diesbezüglich mit einer Firma gemacht, die Holz zwischenlagern wollte, um es später zu vergasen. Die Entsorgung des kontaminierten Holzes ist teuer gewesen. Und auch andere Projekte, wie etwa die Rosenzucht, sind im Sande verlaufen.

Wie steht der Landrat – selbst

ein Rothenburger – zum Flugplatz?

„Ich habe für den Fall, dass wir jetzt kein solches Gewerbe finden, für mich selbst noch keine Entscheidung getroffen“, sagt er. Auf der einen Seite stehe der Haushalt des Landkreises mit all seinen Problemen. Andererseits hätte eine Schließung der befestigten Start- und Landebahn weitreichende Folgen: Es ginge eine Infrastruktur unwiederbringlich verloren. „Wenn man einen Flugplatz neu bauen möchte, muss man heute mit über 30 Jahren rechnen“, sagt Lange. Außerdem würden fünf Arbeitsplätze wegfallen. Lange: „Wenn ich einbeziehe, dass diese Leute vielleicht im Hartz IV landen und dadurch den Sozialetat des Landkreises wieder belasten, sieht die ganze Rechnung schon wieder anders aus.“ Darüber hinaus macht der Flugplatz den Truppenübungsplatz Oberlausitz attraktiver, weil dort bestimmte Übungen möglich sind. Und auch das ist ein wichtiger Arbeitgeber – mit wesentlich mehr Jobs als direkt auf dem Platz. Und schließlich wird der Flugplatz von Geschäftsleuten, auch polnischen, genutzt. Denn schneller kann man nicht in die Oberlausitz reisen – und wieder weg.

Wird die Start- und Landebahn definitiv gekürzt?

Ja, unabhängig davon, ob sie stillgelegt wird. Der Zweckverband hat entschieden, unter Berücksichtigung laufender Ansiedlungsgespräche die befestigte Start- und Landebahn um 500 Meter zu kürzen und 15 Meter zu verschmälern – auf dann 2 000 mal 30 Meter. Das hat lediglich zur Folge, dass die ganz großen Flieger wie der A380 zu groß für Rothenburg wären. Aber es können Kosten für die Unterhaltung und eine eventuelle Sanierung dieser Fläche gespart werden. Zurzeit läuft das Änderungsverfahren dafür.

Könnten Flugschule und Verein ohne befestigte Landebahn überleben?

Die Flugschule Storch nutzt bereits jetzt eine Gras-Start- und Landebahn und soll laut Lange in ihrem Weiterbetrieb auf keinen Fall gefährdet werden. Gleiches trifft auf den Luftsportverein zu, der mit seiner 3 000 Meter langen Seilwinde einzigartige Bedingungen vorweisen kann und Segelflugsportler aus ganz Deutschland anlockt. Beide benötigen die befestigte Start- und Landebahn nicht.

Wie wirkt sich die Rothenburger Entscheidung auf Görlitz aus?

„Sollte die Entscheidung fallen, die Landebahn in Rothenburg stillzulegen, wird in Görlitz eine 700 Meter lange, asphaltierte Landebahn gebaut“, sagt Lange. Dazu müsste die bisherige Landebahn um 20 bis 30 Grad gedreht werden. Aber selbst, wenn sich ein luftfahrtaffines Unternehmen für den Rothenburger Flugplatz findet, stehen die Chancen für eine neue Landebahn in Görlitz gut. „Wenn ein solches Unternehmen einen jährlichen Sockelbeitrag zur Finanzierung der Landebahn in Rothenburg leistet, könnten wir in Görlitz auch bauen“, erklärt Lange. Außerdem soll in Görlitz sichergestellt werden, dass dort Flugzeuge wieder betankt werden können. Der Landrat will vermeiden, dass es zeitweise gar keine befestigte Landebahn im Landkreis gibt, die Rothenburger frühestens dann abreißen, wenn die neue Görlitzer fertig ist.

Gibt es eine Gnadenfrist für

die Rothenburger Landebahn?

Ja, bis die asphaltierte Landebahn in Görlitz fertig ist. Sollte es bis dahin und nach einer Entscheidung für die Stilllegung der Rothenburger Start- und Landebahn gelingen, ein Unternehmen zu finden, das sich in Rothenburg ansiedeln will, den Flugplatz unbedingt braucht und ihn hinreichend auslastet, kann diese Entscheidung rückgängig gemacht werden.