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Hat Winfried Stöcker Corona besiegt?

Der Görlitzer Kaufhaus-Investor war mit seinem Antikörper-Selbsttest erfolgreich. Er denkt schon an Impfungen für alle. Aber es gibt auch bei Experten Bedenken.

Professor Winfried Stöcker, hier in seinem Kaufhaus in Görlitz.
Professor Winfried Stöcker, hier in seinem Kaufhaus in Görlitz. © Pawel Sosnowski

Winfried Stöcker hat es geschafft. Sein Selbstversuch mit einem Corona-Antigen war erfolgreich - das sagt der Görlitzer Kaufhaus-Investor und Euroimmun-Gründer. "Ich bin jetzt immun gegen Sars-CoV-2", so der Professor. Die Antikörper, die sich bildeten, haben in der Virus-Zellkultur das Coronavirus neutralisiert, schildert er. Winfried Stöcker ist also Corona-immun, ohne dass er die Krankheit tatsächlich durchmachen musste. Geht das?

Antigen wurde bei Euroimmun hergestellt

Vier Mal hat sich Winfried Stöcker ein Antigen in den Oberschenkel gespritzt, zum ersten Mal am 26. März, die letzte Dosis am 21. April. Um Zeit zu sparen habe er nicht lange um eine amtliche Genehmigung gebeten, schildert Winfried Stöcker. Seinen Angaben zufolge handelt es sich bei dem Impfstoff um das Antigen S1 des Coronavirus. Dies sei im eigenen Labor in Lübeck rekombinant, also gentechnisch, hergestellt worden. Dabei wurde nicht das gesamte Virus verwendet, sondern nur ein Teil. Das soll für sich selbst nicht infektiös sein, ein sogenannter Totimpfstoff. Es habe keine Infektionsgefahr bestanden, weder für ihn noch seine Kollegen oder die Familie, betont Winfried Stöcker.

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Euroimmun lieferte Tests an Virologen Hendrik Streek

"Für mich lag es nahe, dass eine Immunisierung mit diesem Protein eine Schutzwirkung vor einer Infektion entfaltet", sagt der 73-Jährige. Er habe die Impfungen gut vertragen. "Ich fühlte mich wohl und blieb gesund", sagt der gebürtige Rennersdorfer. Erfahrungen mit Infektionskrankheiten haben er und Euroimmun jedenfalls ausreichend. Unter seiner Leitung wurde eine entsprechende Abteilung für Forschung und Entwicklung aufgebaut. Euroimmun bekam als erstes Unternehmen außerhalb Chinas die Zulassung für zwei Corona-Tests. Unter anderem lieferte die Firma Antikörper-Tests für die sogenannte Heinsberg-Studie des Virologen Hendrik Streek von der Uniklinik Bonn. Der hatte einen Corona-Schwerpunkt in Deutschland erforschen lassen, ist damit offensiv in die Medien gegangen.

Drei Viertel der Bevölkerung könnten geimpft werden

Winfried Stöcker schließt derweil aus, dass sich die gebildeten Antikörper bei ihm möglicherweise von einer unbemerkt abgelaufenen "normalen" Corona-Infektion stammen könnten. Das haben entsprechende Untersuchungen ergeben. Aus seiner Sicht könnten nun innerhalb eines halben Jahres drei Viertel der Bevölkerung Deutschlands oder der USA mit S1 des Coronavirus immunisiert werden. "Bis dahin könnte man strenge Quarantäne-Maßnahmen beibehalten, aber danach aufheben", so Winfried Stöcker. Er hat bereits einen konkreten Plan: "Wir benötigen 100 Mikrogramm für eine Person. Mit einem einzigen 2.000-Liter-Reaktor kann man 35 Gramm Antigen pro Tag produzieren, das würde für 350.000 Personen reichen." Mit einem entsprechenden Hochdichte-System käme man gar auf die fünffache Menge.

Bundesinstitut sieht Ein-Personen-Versuch kritisch

Wie realistisch ist so ein Szenario? Das Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen  ist das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Es genehmigt unter anderem die klinische Prüfung von Arzneimitteln und Impfstoffen für Menschen. Eine Einschätzung zum Stöcker-Selbstversuch möchte man dort nicht abgeben. Denn ein Versuch an einer Person sei nichts, wozu sich irgendeine Aussage treffen ließe, so Institutssprecherin Susanne Stöcker - die Namensgleichheit ist übrigens Zufall. Zumindest eine wissenschaftliche Publikation in einem anerkannten Fachjournal wäre nötig, sagt sie. Die werde aber mit diesem Versuchsaufbau ebenfalls nicht gelingen.

Professor Stöcker, rät die Sprecherin, sollte unbedingt ein Beratungsgespräch im Paul-Ehrlich-Institut zur Vorbereitung einer klinischen Studie in Anspruch nehmen. Klinische Prüfungen seien unerlässlich, um ausreichend Daten zur Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit beziehungsweise Verträglichkeit erlangen zu können. "Es muss auch gewährleistet sein, dass das Produkt qualitätsgesichert hergestellt werden kann", so Frau Stöcker. Dazu werde eine Erlaubnis der Landesbehörde benötigt. Zudem müsse das Präparat gesunden Menschen verabreicht werden. "Es ist unerlässlich, größte Sorgfalt walten zu lassen", so die Sprecherin.

Stöcker hat mit Gegenwind gerechnet

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