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Hauen, stechen, kaputt machen – übertrieben gut

„Was hast du denn heute auch so wenig Waffen für die Pause dabei?!“ Die Lehrerin sieht ihren Schüler traurig und kopfschüttelnd an. Ein bisschen missbilligend vielleicht. Der Junge scheint sich unter dem Blick zu schämen.

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Von Ina Förster

„Was hast du denn heute auch so wenig Waffen für die Pause dabei?!“ Die Lehrerin sieht ihren Schüler traurig und kopfschüttelnd an. Ein bisschen missbilligend vielleicht. Der Junge scheint sich unter dem Blick zu schämen. Unter dem Bild steht ein Name: Philip, acht Jahre. Dass ein Zweitklässler solche tiefgründigen Karikaturen zu Papier gebracht hat, mutet fast grotesk an und erschüttert. Mittlerweile ist Philip 16 Jahre alt und konnte seinen damals schon reichhaltigen Erfahrungsschatz in Sachen „Gewalt an der Schule“ sicher um einiges vergrößern. Leider! Denn die gleichnamige Ausstellung des Studienkreises in Zusammenarbeit mit der Deutschen Jugendpresse ist bereits acht Jahre alt und in ganz Deutschland unterwegs. Bis 3. Dezember hängen die besten 33 Bilder nun in der Lessingstadt. 1996 wurde der Wettbewerb dazu ausgerufen. Der Studienkreis ist bekannt für regelmäßige Ausstellungen in seinen Hallen; die eigenen Schüler, Eltern, Pädagogen und anderen Gäste freute es. Da kann man doch schnell vor dem Unterricht noch mal neugierig schauen und staunen; nachhaltiges Nachdenken inklusive…

„Diese Ausstellung ist zwar schon etwas älter, aber an Aktualität hat sie sicher nichts verloren. Im Gegenteil“, erzählt Studienkreis-Chefin Sabine Wuttig. Viele der Karikaturen sind krass. Von sechs bis 22 Jahre alt waren die Schöpfer der kleinen Kunstwerke damals. Sie wurden unter 3682 Einsendungen preisgekrönt. Die Gewalt in ihren Bildern ist mannigfaltig: Durch Eltern, an Lehrern, psychischer Druck durch Noten, Gewalt aus Langeweile. Da trumpfen zwei Lehrer auf: Sehen Sie, Herr Kollege, zwei glatte Durchschüsse von der letzten Klassenarbeit der 9a. Der andere mit genähtem Dreiangel am Bauch: Und das hier, das war die 4 b! Auf einem anderen steht ein heulender Pädagoge vor seinem tarnanzuggrünen Schützling und bangt: Hoffentlich haut er dieses Mal nicht so toll zu! „Ich staune aber auch, wie viele Bilder es gibt, wo die Lehrer wegschauen, wenn es hinter ihnen tobt“, meint Jugendpfleger Sebastian Pieper, der zur Eröffnung gekommen ist. Ja, das Grübeln kann einem hier kommen. Ein Tipp: Selber anschauen!

Die Ausstellung ist montags bis freitags 14 bis 17 Uhr geöffnet. Schulklassen, die diese vormittags besuchen wollen, werden um Anmeldung gebeten, (03578) 78 11 11.