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Haus ohne Giebel verschwindet

Seit Monaten ist das halbe Gebäude ein Ärgernis. Jetzt muss die Stadt tief in die Tasche greifen.

Von Thomas Drendel

Nur noch wenige Tage, dann ist von dem Schandfleck an der Seifersdorfer Straße in Schönborn nichts mehr zu sehen. Denn das Haus ohne Giebel wird ab Montag, dem 16. Dezember abgerissen. „Die Arbeiten werden voraussichtlich am Donnerstag, dem 19. Dezember beendet sein“, sagt Nora Jantzen von der Stadtverwaltung Dresden. Der Schönborner Ortschaftsrat hatte bereits für den Abriss gestimmt. „Jetzt hat die Dresdner Stadtverwaltung bereits eine Firma damit beauftragt“, sagt der Schönborner Ortsvorsteher Torsten Heidel. Mit rund 18  000 Euro ist das Vorhaben auch nicht ganz billig. „Ein Teil der Summe wird für den Abriss verwendet. Der andere ist für die Bergung und Einlagerung der alten Holzrolle vorgesehen“, sagt Torsten Heidel. Bei der Rolle handelt es sich um ein Gerät, das zum Glätten von Wäsche verwendet wurde. Der Heimatverein will die Rolle ins Schönborner Bürgerhaus schaffen. Dort sollen die Einzelteile aufbewahrt werden. „Sie kann derzeit nicht genutzt werden. Es fehlt ein ausreichend großer Raum, um sie aufbauen zu können.“ Noch sind die Bedingungen für die Aufbewahrung im Schönborner Bürgerhaus keineswegs ideal. „In dem Raum muss beispielsweise noch der Fußboden hergerichtet werden“, sagt der Ortsvorsteher.

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Seit Monaten wird über das Gebäude an der Seifersdorfer Straße diskutiert. Sogar Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte sich nach einem Besuch in Schönborn in den Fall eingeschaltet. Begonnen hatte alles zu Beginn des Jahres. Damals fehlte dem Haus plötzlich eine Wand. Der Nachbar hatte nämlich seine Scheune abgerissen. Eine Scheunenwand war jedoch gleichzeitig die Giebelwand. Seit dem kann man quasi bis in die Wohnstube gucken. Zu sehen sind alte Stühle, eine Bank und Gerümpel aller Art. Dieser Schandfleck stört nicht nur die Anwohner, Gutachter gaben auch zu bedenken, dass die Standsicherheit gefährdet sein könnte. Wind und Regen nagen zusätzlich an der Bausubstanz.

Der Streit hatte sich auch so lange hingezogen, da unklar war wer den Schaden bezahlt. Muss der Nachbar die Mauer wieder hochziehen oder ist die Stadt dafür verantwortlich. Die Stadtverwaltung kam zum Ergebnis, dass der Nachbar rechtmäßig gehandelt hat. Alte Unterlagen belegen, dass die jetzt abgerissene Scheune zuerst gebaut wurde und das städtische Gebäude später errichtet wurde. Als Berechnungen der Stadt bekanntwurden, wonach ein Abriss teurer als ein Wiederaufbau wird, war zunächst ein Wiederaufbau der Giebelwand vorgesehen. „Dazu ist es jedoch notwendig, dass Baugerüste ein Stück weit auf dem Grundstück des Nachbarn errichtet werden. Das hat er jedoch nicht genehmigt“, sagt der Ortsvorsteher. „So bleibt uns jetzt nur noch der Abriss.“ Ins Bürgerhaus wurde indes weiter investiert. So hat die Ortschaft kürzlich einen Mehrzweckraum fertiggestellt. Dort wird künftig bei Festen der Imbiss vorbereitet. Das Geld dafür hatte die Ortschaft unter anderem aus der Investitionspauschale bereitgestellt. Auf dem Hof des Bürgerhauses finden unter anderem Vereinsfeste statt.