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Haus Schminke soll wieder glitzern wie ein Zuckerwürfel

Aktuell wird das Dach saniert. Der geplante Eröffnungstermin ist aber in Gefahr.

© Matthias Weber

Von Constanze Junghanss

Haus Schminke ist eingerüstet. Halb verpackt sozusagen und aktuell nicht für den Besucherverkehr frei gegeben. Das Baugerüst der Kottmarsdorfer Gerüstbaufirma zieht sich um den kompletten „Nudeldampfer“. Der steht still. Kein Betrieb aktuell, sondern eine Baustelle. Und deshalb ist das Betreten eigentlich verboten.

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Claudia Muntschick, Vorstand Stiftung Haus Schminke
Claudia Muntschick, Vorstand Stiftung Haus Schminke

Am Sonntag gab es eine Ausnahme. Eine Baustellenführung inklusive Helmpflicht und damit die letzte der Baustellen-Begehungs-Serie, die im Mai gestartet war. Drei solcher Rundgänge gab es insgesamt. Haus Schminke soll im Herbst wieder öffnen. „Ab September 2018 leuchten wir in neuem Glanz und freuen uns auf Ihren Besuch“, steht zumindest auf einem etwas verblichenen Zettel am Tor. Das wirft Fragen auf. Denn auf der Internetseite der Stiftung Haus Schminke ist zu lesen, dass nur bis zum 12. August aufgrund der Sanierungsmaßnahmen geschlossen ist. Ist der Zettel ein Omen?

Denn ob der Termin im August tatsächlich gehalten werden kann, steht noch nicht fest. „Wünschenswert wäre das natürlich“, sagt Claudia Muntschick, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Haus Schminke. Das berühmte Haus sei ab kommenden Monat bereits wieder gebucht. Es könnte also zeitlich knapp werden. Doch ein Denkmal ist ein Denkmal – insofern gibt es da bei so mancher Sanierung auch „Überraschungen“, die im Vorfeld noch nicht genau ausgelotet sind. Das betrifft beim „Lichtschiff“ die Gestaltung der Fassade. Das sei eine „schwierige Geschichte“, so die freiberufliche Architektin.

Die Fassade war ursprünglich weiß glimmernd, wie Claudia Muntschick sagt. Gästeführer Christof Falk beschreibt das den 16 Baustellenbesuchern bildlich so: „Früher sah Haus Schminke von außen wie ein Stück Würfelzucker aus.“ Vom strahlenden Weiß ist im Laufe der Jahrzehnte nichts mehr übrig geblieben. Und dieser Punkt beschäftige seit geraumer Zeit eine Expertenrunde. Denn noch stünde nicht fest, ob der komplette Putz ab und neuer Putz drauf kommt - oder eine spezielle Reinigung ausreichen wird.

Es habe dazu viele unterschiedliche Auffassungen und Diskussionen gegeben. „Aktuell wird an einer Lösung gearbeitet“, sagt Claudia Muntschick. Wie diese aussieht, steht noch nicht fest, soll sich aber bald entscheiden. Ziel sei jedenfalls, dass die Fassade wieder in weißem Glimmer erstrahlt. Nichtsdestotrotz klingt das nach einem ziemlich engen Zeitfenster bis zur Wiedereröffnung. Putzproben waren bereits entnommen und kniffelige Detektivarbeit angeschoben worden. Wie die Architektin weiß, konnte kürzlich durch die Recherchen sogar die originale Kiesgrube gefunden werden, die damals den Grundstoff für die Nudeldampfer-Fassade lieferte.

Christof Falk zeigt den Baustellengästen derweil kaum sichtbare Probearbeiten: Mit Trockeneis und Laser sei versucht worden, die Außenhaut zu reinigen. „Das hatte nicht die erwünschte Wirkung“, zeigt er auf kleine Stellen an der Westseite des 1933 von Hans Scharoun errichteten Baukunstwerks. Auch ein Hochdruckreiniger sei zum Einsatz gekommen. „Da fielen aber die Steine mit raus“, so Falk. Für welche Lösung sich die Experten entscheiden werden, kann auch er nicht vorhersagen.

Fest stünde nun laut Claudia Muntschick, dass in dieser Woche die Bauarbeiten am Dach starten. Das werde komplett neu eingedeckt. Die alte Dacheindeckung aus einer Bitumenschicht sei porös gewesen. „Zum Glück drang bisher keine Feuchtigkeit ein“, sagt Muntschick. Die Risse an der Südseite der Fassade werden saniert.

Diese Risse gehen auf einen Baufehler zurück. Architekt Hans Scharoun hatte beim Bau aus kosmetischen Gründen darauf verzichtet, Dehnungsfugen in die Fassade einzuarbeiten. Dieser Fehler wurde schon vor über 80 Jahren bei der Bauabnahme moniert und aktenkundig.

Ebenso auf der Bauagenda steht der Austausch der Rotalith-Glaskörper über dem Dach vom elterlichen Schminke-Schlafzimmer. Die Glaskörper sehen aus wie Mini-Bullaugenfenster und erinnern ein wenig an Omas alte Einweckgläser. Die Farbglashütte Reichenbach stellt in einem speziellen Verfahren jetzt 150 solcher Glaskörper her. Die Produktion soll im August passieren.

Die Kosten für die Sanierung beziffert Claudia Muntschick auf etwa 200 000 Euro. Dafür fließen Fördermittel. Der Bund bezuschusst die Bauarbeiten mit 50 Prozent, 25 Prozent gibt das Landesamt für Denkmalpflege dazu und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist mit 20 000 Euro dabei. Die Stadt Löbau stellt die benötigten Eigenmittel bereit. Bereits vor 18 Jahren wurde ein Millionenbetrag in das Haus Schminke für Sanierungsarbeiten investiert.