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Bautzen

Bautzener Hausarzt hört auf – mit 78

Dr. Dieter Breyer könnte schon längst in Rente sein, doch erst jetzt schließt er seine Praxis. Das hat auch mit seiner Familiengeschichte zu tun.

Ende März schließt Dr. Dieter Breyer seine Hausarztpraxis in Bautzen.
Ende März schließt Dr. Dieter Breyer seine Hausarztpraxis in Bautzen. © privat

Bautzen. Am 31. März schließt Dr. Dieter Breyer seine Hausarztpraxis in der Bautzener Lessingstraße endgültig zu. Das war so geplant und hat mit der Corona-Pandemie nichts zu tun. Schließlich ist der Hausarzt schon 78 und hätte sich schon längst zur Ruhe setzen können. Doch das ärztliche Ethos hat ihn noch so lange zur Stange halten lassen, obwohl er sich manchmal selbst gefragt habe, warum er so lange durchhält.

Vielleicht war es ja auch die Erinnerung an seine Mutter, Dr. Anna Breyer-Püschel, die ihn ermutigt hatte, noch nicht so schnell aufzugeben. Die Kinderärztin hatte in Bautzen einen besonderen Ruf. Viele Ältere können sich noch gut daran erinnern, dass sie im Notfall zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie auch an Feiertagen für ihre kleinen Patienten da war.

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Kein Nachfolger

Dr. Anna Breyer-Püschel kam 1945 nach ihrem Studium und ihrer Facharztausbildung als Kinderärztin nach Bautzen. Sie baute hier die kinderärztliche Betreuung auf und bestritt diese zunächst allein. Besondere Verdienste erwarb sie sich dadurch, dass sie nach dem Krieg die ersten Kinderkrippen im Kreis Bautzen einrichtete und die Kinderstation im Krankenhaus aufbaute. Sie arbeitete noch weit übers Rentenalter hinaus in ihrer Kinderarztpraxis. Nach ihrem Tod übernahm Dr. Dieter Breyer, der zunächst in Krankenhäusern in Dresden und Bautzen tätig war, die Praxis.

Aus Gesprächen mit seinen langjährigen Patienten hat er herausgehört, dass sie traurig sind, wenn er nun aufhört. Denn für viele werde es jetzt schwer werden, einen neuen Hausarzt zu finden. Wie Breyer sagt, habe er lange versucht, einen Nachfolger zu finden. Doch leider, so bedauert er, hätten die wenigsten Absolventen eines Medizin-Studiums Lust, aufs Land oder in eine ländliche Gegend zu gehen. Sie zögen die Großstädte vor. Falls die von der Regierung jüngst verabschiedeten Maßnahmen, dem zu begegnen, greifen sollten – für seine Hausarztpraxis käme dies leider zu spät.

Bis Ende März wird der erfahrene Hausarzt noch alle Termine abarbeiten, die in seinem Kalender stehen. Bis vor etwa einem halben Jahr hat Dr. Dieter Breyer auch noch Hausbesuche gemacht. Doch da seine eigene Gesundheit angegriffen ist, musste er das einstellen.

Umzug nach Ungarn

Obwohl dies unter den aktuellen Umständen schwierig werden könnte, hofft er, dass er nach der endgültigen Schließung seiner Praxis nach Ungarn ausreisen kann. Denn seine Frau Emöke, die ihm all die Jahre als Sprechstundenhilfe zur Seite stand, ist Ungarin. Und die gemeinsame Tochter lebt in Budapest. Dr. Dieter Breyer hofft, dass er nun, nach so vielen Jahren als Arzt, einen geruhsamen Lebensabend mit der wiedervereinten Familie verbringen kann.

Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie hält Dr. Dieter Breyer für vernünftig. Denn wenn einige Mitmenschen unvernünftig seien und sich nicht an die Regeln hielten, müsse eben zu solchen Maßnahmen gegriffen werden. „Manche Leute denken eben einfach nicht nach“, ärgert er sich.

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