merken
PLUS Niesky

Die Tücken auf dem Weg zum eigenen Haus

Eigentlich war schon alles klar in Uhsmannsdorf. Dann häuften sich die Stolpersteine. Knifflige Entscheidungen gibt es aber auch anderswo.

Hier, am Ende der Werkstraße in Uhsmannsdorf, soll eigentlich das Haus der Familie Kleint entstehen. Doch bis jetzt hat das Landratsamt etwas dagegen.
Hier, am Ende der Werkstraße in Uhsmannsdorf, soll eigentlich das Haus der Familie Kleint entstehen. Doch bis jetzt hat das Landratsamt etwas dagegen. © André Schulze

Den Kampf aufgegeben haben Melanie und Jörg Kleint noch nicht. Aber es fällt ihnen schwerer, optimistisch zu bleiben. Doch das, haben sie sich vorgenommen, wollen sie auch weiterhin sein. Denn er lebt noch immer: Der Traum vom Eigenheim.

Eigentlich hätte die Baufirma schon im März loslegen sollen. Ein Zuhause für Mutter, Vater, Kind. Dazu Einliegerwohnung für die Oma. Sieben Monate waren vorgesehen. Im September, spätestens Oktober, wäre dann der Umzugswagen angerollt. Doch der wird bis auf Weiteres nicht kommen. Familie Kleints Hausbau ist in eine Sackgasse geraten, aus der es - so hofft das Ehepaar - doch noch einen Weg nach draußen gibt. Dabei fing alles vielversprechend an. "Vor etwa zehn Jahren habe ich von der Bahn den alten Güterboden gepachtet und ihn seither für meine Firma als Lager genutzt", erzählt Jörg Kleint, der in Uhsmannsdorf einen Estrichservice betreibt. "Irgendwann kamen wir dann auf die Idee, das alte Gemäuer in ein Wohn- und Geschäftshaus zu verwandeln."

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Genehmigung, aber kein Geld, für Altbauprojekt

Vor acht Jahren kauften Kleints deshalb das rund 9.000 Quadratmeter große Anwesen dem Staatskonzern ab, weil der selbst keine Verwendung mehr dafür hatte. Doch damit fing der Spießrutenlauf durch die verschiedenen Instanzen erst an. Weil das Areal bisher ein "Sondernutzungsgebiet Eisenbahn" war, musste dafür eine "Freistellung von Eisenbahnbetriebszwecken" erwirkt werden. Damit konnten dann die Stadt Rothenburg und der Landkreis in den Genehmigungsprozess einsteigen. 2017 traf schließlich das Okay aus Görlitz ein.

Mit der drei Jahre gültigen Baugenehmigung im Gepäck begaben sich Melanie und Jörg Kleint auf die Suche nach der passenden Finanzierung. Doch die, so stellte sich nach unzähligen Versuchen heraus, war weder bei diversen Banken noch durch Vermittlung eines Finanzmaklers zu finden. Letztlich scheiterte das Vorhaben an einer Lücke von 150.000 Euro, die allerdings auch hätte gedeckt werden können. "Wir waren schon im Gespräch mit dem Leader-Management und wollten ein genehmigungsfähiges Projekt einreichen", erzählt Jörg Kleint. Dieses Konstrukt jedoch akzeptierten die Banken nicht. So blieb es bei der Diskrepanz zwischen 350.000 Euro Finanzbedarf und 200.000 Euro Wiederverkaufswert.

Wenn das nicht klappt, dachten die Kleints, bauen wir eben neu. Und sie fragten bei der Stadt Rothenburg an, ob das funktionieren würde. "'Kein Problem' erhielten wir als Antwort von der Stadt, zumal die Kommune das betreffende Territorium im Flächennutzungsplan inzwischen als Mischgebiet ausgewiesen hatte, um Wohnen und Gewerbe gleichermaßen zu ermöglichen."

Behörde lehnt Neubau im Außenbereich ab

Daraufhin wurde das Projekt konkret angepackt. Die Finanzierung stellte plötzlich kein Problem mehr dar, weil bei einem Neubau der Gebäudewert ausschlaggebend ist - anders als beim Umbau einer Bestandsimmobilie, bei der zusätzlich Denkmalschutzbelange zu erfüllen sind. Zudem wurde mit einer Baufirma ein Vertrag fixiert. Obwohl eigentlich alles reine Formsache schien, reichten die Kleints beim Landkreis eine Bauvoranfrage ein - die Vorstufe für den Bauantrag, dessen Genehmigung nach Auskunft der Stadt Rothenburg nichts im Wege stehen sollte.

Beim Lesen der Vorabinfo des Bauaufsichtsamtes fielen Melanie und Jörg Kleint Anfang Juli jedoch aus allen Wolken. "Darin teilte uns die Behörde mit, dass wir eigentlich keine Chance haben, unser Projekt genehmigt zu bekommen", erzählt der Bauherr und ist darüber noch immer empört. Denn die Gründe der Behörde sind für ihn fadenscheinig. Der geplante Bebauungsstandort befinde sich im Außenbereich, teilt das Amt mit. Dieser solle jedoch "von baulichen Anlagen" freigehalten werden. "Es ist zwar richtig, dass unser Haus hinter dem alten Güterboden entstehen soll. Aber das Gelände gehört zu unserem Grundstück und ist im Flächennutzungsplan dafür vorgesehen", stellt Kleint klar.

Zwei weitere Ablehnungsgründe findet der Unternehmer gar aberwitzig: "Das Amt fürchtet bei einer Genehmigung die 'unkontrollierte Bebauungsentwicklung im Außenbereich'." Außerdem sei eine "Vorbildwirkung" weiterer Bauwünsche durch andere Interessenten nicht auszuschließen. "Hat sich jemand aus dem Büro mal hierher bewegt? Dann würde man feststellen, dass dies keinesfalls der Traum jedes Bauherrn ist. Auf der einen Seite Schienen, auf der aller paar Minuten der Zug nach Cottbus rollt. Auf der anderen Seite Industrieruinen." Man solle froh sein, dass sich mit seiner Familie überhaupt jemand gefunden habe, der eine gewisse Ordnung auf die Fläche bringt.

Rothenburg befürwortet das Bauprojekt

Das findet auch Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm. 2018 habe die Stadt bereits ihre Zustimmung zum Ausbau des alten Güterbodens erteilt. Mit dem neuen Bauantrag habe sich die Gesamtsituation nicht verändert, weshalb es aus Sicht der Kommune auch weiterhin keine Ablehnungsgründe gebe.

Außerdem liegt das Grundstück an einer öffentlichen Straße, die Erschließung mit sämtlichen Medien ist gesichert. Trifft dies zu, können laut Baugesetzbuch nämlich sonst nicht zulässige Vorhaben im Außenbereich genehmigt werden. Das Bauaufsichtsamt äußerte sich auf SZ-Anfrage nicht. Kreis-Sprecherin Franziska Glaubitz teilte lediglich mit, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele und Fragen deshalb nicht beantwortet werden könnten.

Allerdings scheint klar, dass sich die Behörde ihre Entscheidung nicht leicht macht. So hat es in der Vergangenheit in anderen Kommunen immer wieder Fälle gegeben, die einmal genehmigt, ein anderes Mal aber abgelehnt wurden. So spielt zum Beispiel eine Rolle, ob in einem sogenannten Straßendorf, in dem es nur einreihige Bebauung gibt, auf Antrag im Grundstück der Eltern plötzlich ein weiteres Haus entstehen soll - allerdings 50 Meter davon entfernt und damit in zweiter Reihe. Oder ob ein einzelnes Bestandsgebäude in weitem Abstand von der übrigen Bebauung steht, das Gelände bis dahin als erschlossen gilt und Interessenten angelockt werden könnten. Niesky geht einen anderen Weg. Die Stadt macht ein Areal an der Martinstraße mit einer Satzung vom Außen- zum Innenbereich. Damit gibt es dort künftig die Möglichkeit, den Traum vom eigenen Haus ohne Probleme umzusetzen.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky