SZ +
Merken

Haushaltsgeräte heiraten

Zum 6. Mal geht in Radebeul das Amateurtheaterfestival „Alles spielt” an den Landesbühnen Sachsen über die Bühne.

Teilen
Folgen

Von Wolfgang Zimmermann

Bernd, die Schuhbürste, beklagt sich bitter darüber, dass alles so langweilig ist. Der Fernseher dagegen hat Angst vor Schumi, der seine Playstation immer bei ihm anschließt. Und Staubi, der Staubsauger, ist unsterblich verliebt in die Waschmaschine. Als sich beide am Ende kriegen, ist Staubi zum Trockner geworden. Der passt als Partner besser.

Weniger Teilnehmer als 2004

Dies alles und noch viel mehr geschieht im seltsamen „Schloss Coolheim”, dessen Bewohner am Sonnabend eine Vorstellung ihrer Sorgen beim 6. Amateurtheaterfestival „Alles spielt” auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen gaben. Die spritzige Inszenierung der Theatergruppe des Kinderheims Kamenz – eine Einrichtung der Kinderarche Sachsen e.V. – machte deutlich, was so ein Festival auch sein kann. Nämlich ein lebendiger Ideenspender als Ansporn zum unverkrampften Umgang mit dem Theaterspielen.

Es hatten sich weit weniger Gruppen als in den Jahren zuvor für den diesjährigen Durchgang von „Alles spielt“ beworben. Ein Schwund, der nicht etwa an nachlassender Begeisterung liegt, sondern eher an den Verunsicherungen in der sächsischen Schulpolitik. Denn es fehlten vor allem Schultheatergruppen. Und die Organisatoren des Theaterfestivals, das traditionell am Ende der Spielzeit stattfindet, spürten das deutlich. Ina Steinel gehört zu ihnen, und sie sagte bedauernd: „Dieses Jahr mussten wir den Sonntag streichen – es gab zu wenig Angebote”. 2004 beteiligten sich über 25 Theatergruppen, in diesem Jahr war es etwa ein Drittel weniger.

Dennoch bot das Programm außerordentlich abwechslungsreiche Kost. Es reichte vom Mundarttheater über das Musical bis hin zum klassischen Theaterstoff. Zu letzterem zählte zum Beispiel eine Variante des Bühnenerfolgs „Einer flog über das Kuckucksnest” – unter dem Titel „Fehler im System” von der Jugendtheatergruppe „Die Entarteten” der Kulturwerkstatt Art aus Riesa vorgestellt.

Varianten eines Klassikers

Ein Text des Schweizers Friedrich Dürrenmatt, den der „Jugendclub XL” des gastgebenden Theaters unter dem Titel „Porträt eines Planeten” anbot, war da schon weit zwingender inszeniert, wenngleich die philosophischen Tiefen des Textes die Akteure mitunter überforderten. „Wie in alten Zeiten” nannte die Theatergruppe der 56. Mittelschule Dresden ihren Blick zurück auf das Leben in der DDR. Das war durchaus witzig, wenn auch die ironische Distanz ein wenig überzogen wirkte. Schillers „Räuber” waren gleich doppelt vertreten und beide Male in Varianten des Klassikers. Einmal in einem Lene-Voigt Text (Altentheatergruppe der Landesbühnen) und das andere Mal als eigene, sehr heutige Bearbeitung (Loschwitzer Spielmacher).

Das Musical punktete mit „Frederick” – einer viel beachteten Einstudierung durch die Radebeuler Förderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche – und mit „Honk“, einer musikalisch sehr reifen Leistung des Coswiger Gymnasiums.

Das Interesse des Publikums im Saal schien ungebrochen. Die Zuschauer beteiligten sich an den Inszenierungsgesprächen zwischen den Aufführungen oder schrieben im Foyer ihre Meinung auf. Dort war mehrfach der Satz zu lesen: „Es hat Spaß gemacht!”. Was durchaus ein gutes Omen für das 7. Amateurtheaterfestival 2006 sein könnte.