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Hausmittel gegen vier Beschwerden im Ärztecheck

Oft helfen auch natürliche Mittel, sagt die frühere MDR-Fernsehärztin Franziska Rubin. Ob die aber reichen, hat Sachsens Hausärztechef überprüft.

Die „heiße Rolle“ ist der Geheimtipp der früheren MDR-Ärztin Franziska Rubin gegen Reizmagen.
Die „heiße Rolle“ ist der Geheimtipp der früheren MDR-Ärztin Franziska Rubin gegen Reizmagen. © Judith Büthe

Die Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen von Jahr zu Jahr. Für Franziska Rubin, die ehemalige Fernsehärztin des MDR und Moderatorin von „Hauptsache gesund“, ist das eine Auswirkung unserer schnelllebigen Zeit. Die Menschen wollen rasch wieder funktionieren und greifen deshalb eher zur Tablette, statt dem Unwohlsein, den Schmerzen oder dem Bluthochdruck auf den Grund zu gehen. In ihrem Buch „Die besten Hausmittel – Was wirklich hilft“ will sie zum aktiven Gesundheitsschutz motivieren, ohne sofort zum Arzt gehen zu müssen.

Bücher wie das von Franziska Rubin sieht Steffen Heidenreich, Vorsitzender des sächsischen Hausärzteverbandes, nicht als Konkurrenz. „Im Gegenteil, wir Ärzte wünschen uns oft, dass die Patienten aktiver an die Bewältigung ihrer Krankheit gehen, statt nur passiv etwas mit sich machen zu lassen.“ Er begrüßt solche Veröffentlichungen, denn sie rüttelten die Menschen wieder auf, Sport zu treiben, sich gesünder zu ernähren oder auf natürliche Weise das Immunsystem zu stärken. „Leider halten das die wenigsten lange durch“, sagt er. Doch auch Hausmittel hätten Grenzen. Für die „Freie Presse“ bewertet Steffen Heidenreich ausgewählte Behandlungsempfehlungen gegen häufige Krankheiten.

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Steffen Heidenreich
Steffen Heidenreich © privat

1. Bluthochdruck

Fast zwei Drittel der über 60-Jährigen in Deutschland leiden daran. Normal ist der Blutdruck, wenn der obere Wert 120 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) nicht überschreitet und der untere Wert unter 80 mmHg liegt. Ab 140/90 mmHg gilt der Blutdruck als behandlungsbedürftig, was aber nicht mit einer Medikamenteneinnahme gleichzusetzen sei, wie Franziska Rubin erklärt. Denn kaum ein Krankheitsbild sei so stark durch die Lebensweise beeinflussbar wie der Bluthochdruck.

Die Tipps von Franziska Rubin: Neben einer salzarmen, ballaststoffreichen Ernährung, täglicher Bewegung und regelmäßiger Entspannung habe sich das Gefäßtraining durch Hydrotherapie bewährt. So senkten warme Bäder – auch Sitzbäder – für mehrere Stunden den Blutdruck. Kräuterzusätze aus Lavendel, Melisse und Hopfenblüten verstärkten den Effekt.

Ernährungsmedizinisch sei der häufige Verzehr von Tomaten und grünem Blattgemüse zu empfehlen. Das enthaltene Lycopin fördere die Entspannung der Gefäße. Studien zufolge konnte auch das regelmäßige Trinken von etwa 500 ml Rote-Bete-Saft den Blutdruck um zehn Millimeter Quecksilbersäule senken. Grüner Tee schaffe bis zu fünf. Um Salz zu sparen, sollte man Brot selbst backen. Insbesondere Ballaststoffe, zum Beispiel in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, könnten den Blutdruck senken. Nebenbei sorge diese Ernährung für einen gesunden Blutzucker- und Blutfettspiegel.

Doppelten Nutzen erfahren Bluthochdruckpatienten durch Blutspenden. Der Aderlass senke das Hämatokrit im Blut. Es gilt als Maß für das Verhältnis von flüssigen und festen Blutbestandteilen. Ist das Blut zu zähflüssig, müsse das Herz mehr arbeiten. Aderlass wirke zudem entgiftend. Gleichzeitig wird der Medizin damit dringend benötigtes Spenderblut zur Verfügung gestellt.

Das sagt der Hausarzt: Jede Form von nichtmedikamentöser Behandlung von Bluthochdruck ist zu begrüßen. Sie sollte auch die medikamentöse Behandlung begleiten, nicht zuletzt, um die Dosis oder die Anzahl der Mittel reduzieren zu können. Alles, was ein Mensch aktiv für seine Gesundheit tut, gibt ihm der Körper doppelt zurück, durch Wohlbefinden und Glück.

2. Blasen- und Harnwegsleiden

Fast sieben Millionen Deutsche haben Probleme mit der Blase. Sie reichen von Infektionen über Harndrang bis hin zur Inkontinenz. Harnwegsinfekte müssen nicht sofort mit Antibiotika behandelt werden. Oft seien sie die Auswirkung einer Unterkühlung. Gerade im Sommer sind solche Infektionen häufig, wenn zum Beispiel nasse Badebekleidung nach dem Schwimmen nicht sofort gewechselt wird oder man zu lange mit nackten Füßen im Biergarten sitzt. Typische Beschwerden für eine Blasenentzündung sind ein Brennen in der Harnröhre, ständiger Harndrang, auch bei geleerter Blase, und Schmerzen beim Wasserlassen. Gefährlich wird die Infektion, wenn sie in die Nieren aufsteigt.

Die Tipps von Franziska Rubin: Zur Vorbeugung und bei ersten Anzeichen helfe eine Durchspülungstherapie, bei der die Harnmenge gezielt erhöht werde. Dazu bieten sich Kräutertees an. Zum Beispiel mit Birkenblättern. Sie wirkten harntreibend und keimmindernd. Auch Ackerschachtelhalm fördere die Entwässerung. Brennnessel senke die Harnsäureausscheidung. Echtes Goldrutenkraut aus der Apotheke könne als Kur bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten angewendet werden. Es sorge dafür, dass sich die gereizte Blase erhole. Gut untersucht sei auch die Anwendung nordamerikanischer Cranberrys. Die darin enthaltenen Tannine verhinderten die Anlagerung von Bakterienplaques an der Blasenschleimhaut. Täglich werden 50 bis 100 Milliliter Saft empfohlen.

Keine Behandlung einer Blaseninfektion gehe ohne Wärmeanwendung, zum Beispiel durch ansteigende Fußbäder, Auflagen aus gekochten Kartoffeln oder durch einen Heusack. Wie man das macht, wird in einem ausführlichen Anleitungsteil erklärt. Ernährungsmedizinisch seien Senföle hilfreich, zum Beispiel in Zwiebel, Meerrettich, Knoblauch und Kohl. Auch die Asparaginsäure im Spargel wirke durchspülend.

Das sagt der Hausarzt: All diese Behandlungen können hilfreich sein. Allerdings sollte der Hausarzt bei Fieber und Blut im Urin aufgesucht werden. Zu Gicht neigende Menschen sollten mit Spargel vorsichtig sein.

3. Reizmagen

Bei zwei Drittel aller Menschen, die aufgrund von Magen- und Darmbeschwerden einen Arzt aufsuchen, kann dieser keine organische Erkrankung feststellen. Dann liege meist eine funktionelle Störung zugrunde, die als Reizmagen oder Reizdarm bezeichnet wird, so Franziska Rubin. Die genauen Ursachen für die mitunter sehr schmerzhaften Beschwerden seien noch nicht eindeutig erforscht. Stress und psychische Belastungen spielten aber häufig eine Rolle. Der Verdauungstrakt wird daher oft als zweites Gehirn bezeichnet.

Die Tipps von Franziska Rubin: Bei bestehenden Beschwerden sollte man möglichst reizarm essen. Der Verzicht auf scharfe Gewürze, Alkohol und Kaffee, aber auch das häufige Essen eher kleiner Portionen könnten bereits Erleichterung bringen. Dabei sei die Balance zwischen Säuren- und Basenzufuhr wichtig. Basisch seien zum Beispiel die meisten Obst- und Gemüsesorten. Begleitet werden sollte jede Behandlung mit Entspannungsübungen und der Reduzierung von Stressfaktoren. Da sich die Beschwerden häufig nach dem Essen verschlimmern, sei es sinnvoll, davor und kurz danach Heilpflanzen zu verwenden, die dem Magen Entspannung verschaffen. Dazu gehört Lavendel. Kraut und Blüten eignen sich frisch oder getrocknet zum Würzen. Einen magenberuhigenden Tee könne man herstellen aus gleichen Teilen von Kamille, Schafgarbe, Melisse und Pfefferminze. Die Inhaltsstoffe der Kräuter wirkten krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend. Ein in Vergessenheit geratenes Hausmittel sei die innerliche Anwendung von Heilerde. Kommt sie mit Flüssigkeit in Verbindung , quillt sie auf und vergrößert ihre Oberfläche. Die Teilchen haben ein hohes Bindungsvermögen. Sie saugten Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt auf sowie überschüssige Säure.

Das sagt der Hausarzt: Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Das gleiche gilt bei Farbveränderungen am Stuhl und bei Verstärkung oder Verlagerung der Beschwerden.

4. Rückenschmerzen

Sie sind die Volkskrankheit Nummer eins und werden in mehr als 80 Prozent der Fälle durch Muskelverspannungen ausgelöst. Franziska Rubin zufolge ließen sich die Verspannungen oft allein durch rückenfreundliches Verhalten beheben. Zehn Prozent der Rückenschmerzen hätten Nervenreizungen zur Ursache, aber nur drei bis fünf Prozent Bandscheibenvorfälle. Da viele Bandscheibenvorfälle symptomfrei verliefen, müsse man sie nicht immer operieren.

Die Tipps von Franziska Rubin: Vorbeugen könne man durch Kräftigung der Rückenmuskulatur, das Vermeiden einseitiger Belastungen und ein gutes Stressmanagement. Doch auch wenn der Rücken bereits schmerzt, müsse man nicht gleich zum Arzt. Als Erste-Hilfe-Maßnahme bei plötzlichen Schmerzen im Lendenbereich helfe eine Stufenlagerung zur Entlastung. Dazu flach auf den Rücken legen, die Füße und Unterschenkel werden auf einem Stuhl abgelegt, sodass Hüfte und Knie einen rechten Winkel bilden.

Wohltuend und schmerzlindernd sei Wärme. Denn Wärme entspanne die Muskulatur und fördere die Durchblutung. Die Temperatur der Wärmflasche sollte aber nicht zu hoch sein, da Überwärmung den Schmerz sogar verstärken könne. Stärker als Wärme allein wirke ein Heublumensack. Die ätherischen Öle und entzündungshemmenden Stoffe der Gräser und Blumen seien verantwortlich dafür. Man kann sie fertig in der Apotheke kaufen.

Gegen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule helfe ein Lumbalguss. Hierbei wird, zum Beispiel auf dem Wannenrand sitzend, mit einem Schlauch zunächst lauwarmes, dann bis zu 42 Grad heißes Wasser trapezförmig über die Lenden gegossen. Dazu braucht es die Hilfe einer weiteren Person.

Das sagt der Hausarzt: Die häufigsten Rückenbeschwerden können mit speziellen Übungen und Güssen sinnvoll und ohne großen Aufwand zu Hause behandelt werden. Die von den Krankenkassen angebotene Rückenschule trägt zum rückengerechten Verhalten bei und kann künftigen Schmerzzuständen vorbeugen. Dazu gehört auch eine Kräftigung der Rückenmuskulatur als Grundlage jeder Schmerzbehandlung. Lassen die Schmerzen nach zwei Wochen Selbstbehandlung nicht nach, sollte der Hausarzt aufgesucht werden. 

Das Buch: Wie Hausmittel bei mehr als 50 Beschwerdebildern helfen, erklärt die TV-Ärztin Franziska Rubin. Preis: 29,95 Euro

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