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Buschmühlenbad: Mit Ideen durch die Krise

Ein Verein rettete vor vier Jahren das Bad in Hauswalde vor der Schließung - und bringt es mit viel Engagement auch jetzt durch die schwierige Zeit.

Sie fühlen sich wohl im Buschmühlenbad in Hauswalde: Peter Kunze mit Enkeltochter Lena, die in Mainz zu Hause und jetzt auf Besuch in der Oberlausitz ist.
Sie fühlen sich wohl im Buschmühlenbad in Hauswalde: Peter Kunze mit Enkeltochter Lena, die in Mainz zu Hause und jetzt auf Besuch in der Oberlausitz ist. © René Plaul

Großröhrsdorf. Hochbetrieb herrscht seit Beginn der warmen Tage im Buschmühlenbad im Großröhrsdorfer Ortsteil Hauswalde - wenn man in Corona-Zeiten von Hochbetrieb sprechen kann. Schließlich gibt es bei diesem Wetter nichts Schöneres, als in einem Freibad oder einem See zu schwimmen oder zu planschen. Die Menschen zieht es ans Wasser, um Abkühlung zu finden. Im Buschmühlenbad ist das nicht anders. Am  vergangenen Wochenende kamen von Freitag bis Sonntag knapp 2.000 Besucher.

Damit kratzt das Bad an seiner derzeitigen Kapazitätsgrenze.  "733 Besucher dürfen gleichzeitig ins Bad. So sieht es das Hygienekonzept vor", weiß Vereinsvorsitzender Sven Heinrich. Das Freibad wird von einem Verein betrieben - und das seit der Gründung recht erfolgreich. 

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Dem Bad drohte 2016 in Trägerschaft der Stadt Großröhrsdorf die Schließung. Für sie war es zu kostspielig, und außerdem gibt es ja mit dem Masseneibad noch eine zweite derartige Einrichtung auf dem Gebiet der Stadt.

Von 200 Mitgliedern sind 40 aktiv

Mit dieser Entscheidung wollten sich viele Fans des Buschmühlenbades aber nicht zufriedengeben. Sie gründeten einen Verein, der seitdem die Betreibung in eigener Regie übernommen hat.   

Seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen, und die Buschmühle erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Doch wie schafft es ein Verein, ein Bad zu betreiben - noch dazu in Corona-Zeiten?  "Es ist vor allem das Engagement der Mitglieder und der unbedingte Wille, das Bad zu erhalten", sagt Sven Heinrich. Derzeit gehören dem Verein 220 Mitglieder an, etwa 40 arbeiten aktiv mit. Die Mitglieder kommen keineswegs nur aus Großröhrsdorf, Ohorn oder aus Hauswalde. Sogar Leute aus der Schweiz und mehrere aus Berlin gehören mit dazu. "Sie stammen von hier, haben vielleicht sogar in unserem See schwimmen gelernt und wollen deshalb dabei sein", weiß der Vereinsvorsitzende.      

Das ist der Vereinsvorstand vom Buschmühlenbad: Patrick Mensch, Veronika Satlow, Hans-Jürgen Knoth und Vorsitzender Sven Heinrich (v. l.).
Das ist der Vereinsvorstand vom Buschmühlenbad: Patrick Mensch, Veronika Satlow, Hans-Jürgen Knoth und Vorsitzender Sven Heinrich (v. l.). © Verein

Die Arbeiten auf dem Badgelände erledigen die Vereinsmitglieder ehrenamtlich. Das fängt an bei der Saisonvorbereitung, geht weiter über die ständig anfallenden Reparaturarbeiten und das Rasenmähen bis hin zum täglichen Absichern des Badbetriebes. So erledigen die Vereinsmitglieder in der Saison die Kassierung, die Reinigung sowie das Aufräumen. Hilfe haben sie sich nur bei den Rettungsschwimmern geholt. Hier gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Elstra, die dafür sorgt, dass sich die Badegäste sicher fühlen können. 

Die Saisonvorbereitung begann schon im Frühjahr, ohne dass man wusste, ob ein Badbetrieb in Corona-Zeiten überhaupt möglich ist. "Wir haben trotzdem angefangen, feste Bänke installiert, alles gereinigt, neue Absperrleinen ins Wasser gebracht und viele kleine Dinge mehr", so Sven Heinrich. Matti Michalke, ein Grafiker aus Berlin und gleichzeitig Vereinsmitglied, fertigte ungewöhnliche Schilder mit den Verhaltenshinweisen für Besucher.

Dann wurde beim Gesundheitsamt des Landratsamtes ein Hygienekonzept eingereicht. Zwei Mitarbeiter des Amtes sahen sich im Bad alles genau an, und es gab das Okay. Nur 14 Tagen später als sowieso geplant konnte die Buschmühle die ersten Gäste begrüßen. Das war am 30. Mai.

Immer neue Ideen zur Finanzierung

Doch wie finanziert der Verein das Bad? Gerade die Finanzierung ist bei vielen anderen Bädern der Knackpunkt.  In Hauswalde gibt es vier Säulen. Das sind zum einen die Beiträge der Vereinsmitglieder.

 Die zweite Einnahmequelle sind Spenden oder Geld von Sponsoren. "Wir wollten nicht betteln gehen, sondern haben versucht, Firmen der Region zu uns ins Bad einzuladen, damit sie sich selbst ein Bild machen können.  Das hat für manchen Aha-Effekt gesorgt", so Sven Heinrich. Dann konnte jeder sagen, ob er was für das Bad geben will oder nicht. Eine originelle Idee ist eine Spendenbox, die in einem großen Einkaufsmarkt in Großröhrsdorf gleich neben der Leergutannahme steht. Wer möchte, kann seinen Pfandbon in die Box werfen und hilft damit dem Buschmühlenbad.

Eine dritte Einnahmequelle sind die Eintrittsgelder der Besucher, und als Viertes gibt auch die Stadt Großröhrsdorf im Rahmen der Vereinsförderung etwas dazu. In diesem Jahr hat der Verein erstmals einen Haushalt mit einem Minus unterm Strich aufgestellt und trägt damit der ungewöhnlichen Situation in Corona-Zeiten Rechnung. 

Kinder-Sternguck-Nacht geplant

Einen ersten Höhepunkt in der aktuellen Saison gab es mit dem Badfest, diesmal ohne Tanz, dafür mit Theater, einer Märchennacht und einem Lagerfeuerkonzert. "An einem Tag waren etwa 200 Leute da. Wir hatten ein paar mehr erwartet", blickt Sven Heinrich zurück. Aber es sind noch mehr Aktivitäten geplant. Eine Rettungsschwimmerin bietet Schwimmkurse an. Dafür muss man sich direkt im Bad anmelden. Dann gibt es Yoga am See mit zwei Yogalehrerinnen.

Anfang September können sich vor allem Familien auf die Kinder-Sternguck-Nacht freuen. Basteln, Grillen, ein Theaterstück und Sterne-Beobachten mit dem Fernrohr stehen dann auf dem Programm. Und es wird im Bad in Zelten übernachtet.  "Der Kartenverkauf startet demnächst", kündigt Sven Heinrich an. In den letzten Jahren war diese Veranstaltung immer ausverkauft.

Übernachten im eigenen Zelt oder außerhalb des Geländes im Caravan ist auch sonst immer für alle Interessenten möglich. Eigentlich sollten in diesem Jahr Säulen mit Stromanschlüssen für die Camper dazukommen. Das ist aber aufgrund von Corona erstmal verschoben.

Der Verein lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, damit das Buschmühlenbad auch in Zukunft erhalten bleibt. Jetzt ist für die Mitglieder erstmal wichtig, über dieses schwierige Jahr zu kommen.    

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