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Millionen investiert trotz Kurzarbeit

Die Havlat Präzisionstechnik GmbH in Zittau will für die Zeit nach Corona gewappnet sein. Und das ist nicht einfach.

Havlat GmbH zittau
Die beiden Geschäftsführer David Havlat (rechts) und Lars Friedrich.
Honorarfrei für Produkte von sächsische.de und Sächsischer Zeitung
Havlat GmbH zittau Die beiden Geschäftsführer David Havlat (rechts) und Lars Friedrich. Honorarfrei für Produkte von sächsische.de und Sächsischer Zeitung © Matthias Weber/photoweber.de

Das Neueste vom Neuesten an Hochleistungs-Präzisionsmaschinen steht in der Firma Havlat Präzisionstechnik GmbH an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Zittau. Doch sie sind nicht voll ausgelastet. Die Produktionszeit ist im Unternehmen um 20 Prozent gedrosselt. Das heißt für die Beschäftigten im gleichen Verhältnis Kurzarbeit.

Und daran ist nicht nur Corona schuld. Es fing schon Ende des vergangenen Jahres mit der ungewissen Entwicklung in der Automobil-Branche an. "Da war natürlich auch bei den Zulieferern eine große Unsicherheit zu spüren", schildern die beiden Geschäftsführer David Havlat und Lars Friedrich.

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Die Firma Havlat Präzisionstechnik GmbH an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Zittau. 
Die Firma Havlat Präzisionstechnik GmbH an der Gerhart-Hauptmann-Straße in Zittau.  © Matthias Weber/photoweber.de
Eines der neuen hoch modernen Fräs-Komplettbearbeitungszentren der Firma Havlat.
Eines der neuen hoch modernen Fräs-Komplettbearbeitungszentren der Firma Havlat. © Havlat
Reichlich zehn Millionen Euro wurden allein seit Juni 2018 in neue Maschinen investiert. 
Reichlich zehn Millionen Euro wurden allein seit Juni 2018 in neue Maschinen investiert.  © Havlat
Auch ein neues Fräs-Komplettbearbeitungszentrum.
Auch ein neues Fräs-Komplettbearbeitungszentrum. © Havlat

Die Firma Havlat ist zwar kein direkter Zulieferer der Automobil-Industrie, aber eben für die ebenfalls betroffenen Zulieferer. 15 Prozent der Belegschaft hatten deshalb schon zum Beginn dieses Jahres zwischen ein bis zwei Wochen pro Monat Kurzarbeit. Und dann kam Corona.

Praktisch haben sie jetzt etwa 50 Prozent Umsatzeinbruch und müssen trotzdem dafür 50 Prozent mehr arbeiten, um das überhaupt zu schaffen, schildern die beiden Geschäftsführer.

David Havlat und Lars Friedrich wollen nicht von Krise sprechen. Sie bezeichnen es als schwierige Zeit, die es gilt, so gut wie möglich durchzustehen. "Wir können im Augenblick nicht sagen, wo wir stehen. Ob es schon der Tiefpunkt ist oder wie weit er noch nach unten geht", sagt David Havlat. Der Sohn des Firmengründers Konrad Havlat ist dennoch optimistisch. 

Nach jeder Flaute kommt auch eine Konjunktur. Und für den Aufschwung in seiner Branche will das Unternehmen gewappnet sein. Deshalb ist auch in diesem Jahr, so wie geplant, in weitere neue Maschinensysteme, wie Fräs-Komplettbearbeitungszentren investiert worden. Allein der Kauf der Hochgenauigkeits-Anlagen kostet 2,2 Millionen Euro. 

Es wird nicht mehr so wie vorher sein

Im Juni 2018 hatte die Firma angekündigt, in den nächsten zwei Jahren reichlich zehn Millionen Euro vor allem in hochmoderne Maschinen investieren zu wollen, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Dieses Vorhaben ist jetzt, trotz der schwierigen Zeit, umgesetzt. 

Denn die Zeit danach, so ist sich Lars Friedrich sicher, wird nicht mehr so wie vorher sein, als die Auftragsbücher voll waren. Nach Corona wird es bei den Werkzeugmachern, wie in vielen anderen Branchen auch, noch mehr um Schnelligkeit, Flexibilität und digitale Vernetzung und vieles mehr gehen. "Deutschlandweit wird man bestimmt auch nicht mehr zu vielen Seminaren und dergleichen quer durch das Land unterwegs sein, sondern vieles online machen", schildert er. 

Und darauf bereitet sich das Unternehmen vor. Die Havlat Präzisionstechnik GmbH nutzt die Corona-Zeit für Maßnahmen im Unternehmen, die bei vollem Produktionsbetrieb nur schwer umsetzbar waren. Viel Kraft wird jetzt beispielsweise in eine noch höhere Digitalisierung des Unternehmens gesteckt. 

Zeit für Digitalisierung nutzen

Davon betroffen sind fast alle Unternehmensbereiche. Das fängt beim Digitalisieren von Dokumenten an und reicht bis hin zum Aufgaben-Management, schildern die Geschäftsführer. Bevor ein Bauteil den Betrieb verlässt, hat es nach der Anlieferung des Rohteiles oft fünf bis sieben Abteilungen durchwandert. Es wird gesägt, gefräst, geprüft, poliert, gehärtet und vieles mehr. 

Für Absprachen sollen die Kollegen künftig nicht mehr durch die halbe Firma laufen müssen, sondern sind digital vernetzt. Das spart Zeit. Und die ist wichtig, wenn man nicht nur hoch präzise Teile, sondern auch schnell und flexibel liefern will.

Die Firma Havlat ist ein Fertigungsdienstleister unter anderem für den Maschinen - und Anlagenbau. Je nach Kundenwunsch stellt das Unternehmen Präzisionsbauteile in den Bereichen Dreh-, Fräs- und Schleiftechnologie sowie der Baugruppenmontage her. Im Moment werden beispielsweise gerade Bauteile für Windenergieanlagen gefertigt. 

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Bei Havlat sind seit der Gründung des Unternehmens 1980, damals noch in Großschönau, insgesamt rund 75 Millionen Euro investiert worden. 240 Mitarbeiter und etwa 20 Auszubildende werden hier beschäftigt. "Wir sind trotz Corona nicht insolvent und wollen für die Zeit danach vorbereitet sein", sagt die Geschäftsführung. Das heißt kurze Liefertermine bei höchster Qualität. "Verschiedene Bauteile fräsen können viele Firmen. Das aber mit höchster Genauigkeit im Mikrometerbereich nicht", sind sich die beiden Chefs von Havlat einig. Und darauf setzen sie.

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