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Heftige Debatte nach Beinahe-Busunfall

Der Vorfall auf der Stadtbrücke lässt die Forderung nach einer Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren laut werden.

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© Daniel Förster

Von Mareike Huisinga

Pirna. Die Bus-Vollbremsung vom Dienstag in Pirna ist Thema Nummer eins auf der SZ-Facebook-Seite. Viele Nutzer fragen sich, wie es zu dem Unfall gekommen ist und ob man ihn nicht hätte vermeiden können. Der Vorfall ereignete sich auf der Stadtbrücke. Um eine Kollision zu verhindern, war ein Busfahrer der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) scharf auf die Bremse gestiegen. Er befürchtete einen Zusammenstoß mit einem Pkw, der von der Brückenstraße auf die Stadtbrücke einbiegen wollte. Nach ersten Angaben der Polizei hatte es für den Busfahrer offenbar so ausgesehen, als ob der 83-jährige Pkw-Fahrer anfahren wollte und eine Kollision drohte. Bei der Vollbremsung verloren viele Fahrgäste den Halt, acht Personen wurden leicht verletzt.

Unter anderem saß eine Klasse der Evangelischen Grundschule Pirna in dem Bus. „Den Kindern geht es wieder gut. Nach dem Unfall wurden einige im Krankenhaus untersucht. Sie konnten aber anschließend an der geplanten Klassenfahrt teilnehmen“, informiert eine Mitarbeiterin der Grundschule auf SZ-Anfrage.

Auch eine Mutter, deren Kind von dem Unfall betroffen war, meldet sich im Internet zu Wort. „Verletzt wurde es am Kopf durch eine Querstange. Sollte ich deshalb die Konstruktion des Busses an sich infrage stellen? Nein. Ich stelle mir eher die Frage, warum der Busfahrer bremsen musste. Nämlich, weil ihm böse die Vorfahrt genommen wurde“, schreibt sie und wünscht allen anderen Verletzten gute Besserung sowie dem Busfahrer ruhige Nächte. Allerdings gibt es auch Personen, die das Verhalten des Busfahrers skeptisch sehen. So schreibt Facebook-Nutzer Steffen Zeier: „Viele Busfahrer wissen eigentlich nicht, wie man bremst, wenn man Personen im Bus hat. Dies ist nicht das erste Mal, das ich das beobachte und scharf kritisiere.“ Er stellt fest, dass Schulungen für Busfahrer schön wären.

Über diesen Vorschlag kann Volkmar Köhler nur mit dem Kopf schütteln. Er ist Betriebsleiter der OVPS und betont, dass sämtliche Fahrer regelmäßig Schulungen besuchen und an Sicherheitstrainings-Programmen teilnehmen. Köhler dreht den Spieß um und schlägt vielmehr eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Pkw-Fahrer vor. Bei dieser Anregung bekommt er prompt Unterstützung von Facebook-Nutzer André Liebscher, der ebenso eine regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfung für alle fordert.

Dem betroffenen Busfahrer, der am Dienstag auf das Bremspedal getreten hat, geht es gut. „Er konnte unmittelbar nach dem Vorfall seinen Dienst fortsetzen“, erklärt Volkmar Köhler. Auf die Frage, ob sich der Fahrer korrekt verhalten hat, möchte er keine Antwort geben. „Das müssen der Staatsanwalt und die Polizei beurteilen, die Ermittlungen laufen noch“, erklärt der Betriebsleiter.

Im Linienverkehr käme es jedoch immer wieder vor, dass die Busfahrer eine Gefahrenbremsung einleiten müssten, um Schlimmeres zu verhindern. Konkrete Zahlen hat Köhler aber nicht.

Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Dresden bestätigt indes, dass der Unfall vor Ort aufgenommen wurde und die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Generell stellt sie fest, dass sich solche Unfälle nicht nur im Bus-, sondern auch im Straßenbahnverkehr ereigneten. Besonders gefährlich sei die Anfahr- und Anhaltphase, betont Ulbricht. Dabei käme es häufig zu einem Ruck, sodass die Gäste leicht stürzen könnten. „Deshalb sollte man sich möglichst schnell nach dem Einsteigen einen sicheren Halt oder einen freien Platz suchen“, rät die Polizeisprecherin.

In diesem Zusammenhang flammt auch wieder die Diskussion um eine Anschnallpflicht im öffentlichen Linienverkehr auf, die es bislang nicht gibt. Für den Stadtverkehr hält Jana Ulbricht solch eine Vorschrift für unrealistisch. „Im Überlandverkehr wäre es eventuell schon eine Option“, sagt sie. Das sei jedoch eine Frage an den Gesetzgeber.

facebook.com/szpirna