merken
PLUS Pirna

Zu viele Corona-Tests und kein Ende

Eine Heidenauerin ist seit Dienstag in Unsicherheit. Sie wurde von ihrer Ärztin vorsorglich getestet. Das passiert zu oft, sagt jetzt ein Kollege.

Bange Stunden für die Heidenauerin und ihre Familie: Ihr Abstrich wird erst am Donnerstag getestet.
Bange Stunden für die Heidenauerin und ihre Familie: Ihr Abstrich wird erst am Donnerstag getestet. © dpa

+++ Update+++ Während die junge Heidenauerin weiter mit ihren zwei Kindern zu Hause sitzt und auf das Ergebnis ihres Corona-Virus-Tests wartet, meldet sich ein Heidenauer Arzt zu Wort. Dr. Sebastian Denzin sagt: „Von mir hätte sie höchstwahrscheinlich keinen Abstrich erhalten.“ Das heißt, er hätte sie mit ihrer Vorgeschichte und den Symptomen nicht getestet. „Ich gehe äußerst restriktiv mit den Tests um“, sagt Denzin und erinnert daran, dass es bisher einen einzigen nachgewiesenen Fall in Sachsen gibt. Auch wenn der aus dem Landkreis kommt, sei die Hysterie nicht zu verstehen. 

Anzeige
Wie wär's denn mal mit Insel-Hopping?
Wie wär's denn mal mit Insel-Hopping?

Noch vier Mal kann man in Dresden die Kulturinseln 2020 erleben. Tipps für ein perfektes Sommerwochenende in Elbflorenz.

Er werde nur dann Tests veranlassen, wenn es sich um Personen handelt, die direkten Kontakt mit Erkrankten hatten oder aus Risikogebieten kommen. Gesunde nur auf Verdacht zu testen, sei gefährlich. Erstens, weil damit Kapazitäten für wirklich Schwerkranke gebunden werden, zweitens, weil alle dann für zwei Wochen in Quarantäne geschickt werden, sagt Denzin. Patienten mit Erkältungs-Symptomen werde er nach wie vor als solche untersuchen und behandeln.

Die erste Entwarnung hat die Heidenauerin inzwischen erhalten. Sie hat keine Influenza A und B, also keine Grippe. Darauf hatte ihre Ärztin sie auch testen lassen. Auf das Ergebnis des Corona-Tests muss sie nach wie vor warten. Es soll am Freitag früh vorliegen.

+++ Update +++ Mit allem hat die Heidenauerin gerechnet, nur damit nicht: Ihr am Dienstagabend in einer Heidenauer Arztpraxis genommener Abstrich zum Corona-Test wird erst am Donnerstagnachmittag im Labor angesetzt. Das Ergebnis steht nicht vor 20 Uhr fest, sagt die Krankenschwester ihrer Hausarztpraxis. Damit wird erst am Freitag Klarheit geschaffen. Zunächst sollte die bange Zeit des Wartens am Donnerstagnachmittag vorbei sein. „Ich bin geschockt“, sagt die junge Heidenauerin. Sie sitzt nun den zweiten Tag mit ihren beiden Kindern zu Hause fest.

Unverständlich ist diese lange Wartezeit auch für das Landratsamt. Die von ihm genommenen Abstriche werden an die Landesuntersuchungsanstalt geschickt. Dort liegt das Ergebnis im Schnitt maximal nach zwölf Stunden vor. Im Unterschied dazu haben private Ärzte private Labore unter Vertrag. Das Landratsamt versucht nun, Kontakt aufzunehmen.

Das Landratsamt prüft außerdem inzwischen, ob es einen Überblick über die für die Dauer bis zu einem Ergebnis unter vorsorglicher Quarantäne stehenden Personen gibt. Bisher hat das Landratsamt nur die von ihm Getesteten im Blick. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Heidenauerin nicht die Einzige ist, die von ihrem Hausarzt getestet wurde. Ob mit oder ohne ausreichenden Verdacht.

In der Arztpraxis der jungen Frau bemüht man sich um eine Lösung. Jedoch ist auch hier Unsicherheit zu spüren, zum Beispiel zur Informationskette. Wer informiert wen über das Ergebnis? Der jungen Heidenauerin ist das im Prinzip egal, sie will nur endlich Klarheit – und Hilfe. Egal, ob es sich um eine Influenza oder eine Corona-Infektion handelt.

Die ganze Geschichte:

Seit mehreren Wochen schon quält sich die junge Frau mit Husten, Halsweh und Schnupfen. Sie wollte es ohne Antibiotika schaffen. Doch als am Wochenende Atemnot dazu kam, war ihr klar, es geht wohl nicht anders. Sie dachte, wenn sie zu ihrer Hausärztin geht, ist das schnell erledigt. Doch was sie dann erlebte, erschüttert sie und lässt sie zweifeln. 

Am Dienstag früh wollte sie zur Vertretung ihrer Hausärztin gehen, da diese erst am Nachmittag Sprechzeit hatte. Als sie in der Vertretungspraxis ankam und ihre Symptome schilderte, schickte man sie nach Hause. "Ich solle gefälligst zu meiner Ärztin gehen, die am Nachmittag ja da wäre." 

Bevor sie am Nachmittag zu ihrer Hausärztin ging, rief sie in deren Praxis an. Sie berichtete von ihren Symptomen und auch von dem Corona-Test eines Kollegen ihres Mannes, dessen Schwiegervater der Infizierte aus Dippoldiswalde ist. Doch der Test des Kollegen war negativ ausgefallen, er war also nicht infiziert.

Abendlicher Arztbesuch

In der Arztpraxis gingen offenbar die Alarmglocken an.  Sie solle das Landratsamt anrufen, wurde der jungen Frau gesagt.  Auch das tat sie. Das Landratsamt hat dann in der Praxis angerufen, dass man sie behandeln könne. Aber erst nach 18 Uhr, wenn das Wartezimmer leer ist. Auch das verstand die Frau. 

Doch es schien ihr, als ob man offenbar nicht wusste, was man mit ihr tun soll. "Das ist das, was mich am meisten erschüttert, wenn die Ärzte schon nicht Bescheid wissen, das ist hart", sagt die Mutter zweier Kinder. 

🔸 Unser Push-Service zum Coronavirus 🔸

Wie entwickelt sich die Lage weltweit und in Sachsen? Über unsere Push-Benachrichtigungen halten wir Sie über das aktuelle Geschehen in Sachen Coronavirus auf dem Laufenden. So abonnieren Sie den kostenlosen Push-Service.

(Leider nicht kompatibel für iOS-Geräte.)

Also ging sie nach 18 Uhr nochmal in die Praxis. Bei ihr wurde ein Abstrich genommen. Bis das Ergebnis vorliegt, voraussichtlich am Donnerstag, soll sie zu Hause bleiben. Auch ihre beiden Kinder hat sie von Schule und Kindergarten abgemeldet. In beiden Einrichtungen habe man normal reagiert. Man müsse eben abwarten, genau wie die junge Familie. 

Die junge Frau erzählt das alles recht ruhig, manchmal nicht wissend, ob sie über das alles lachen oder weinen soll. Noch trägt sie das alles recht gelassen.

Ungewissheit ist jetzt das Schlimmste

Für die Tests, die das Landratsamt bisher veranlasste, lag das Ergebnis nach etwa acht Stunden vor. Der Landkreis schickt seine Proben an die Landesuntersuchungsanstalt. Ärzte können dafür aber auch private Labore nutzen, sagt Kreissprecher Enrico Albrecht. Er ist darüber sogar froh, da sich die Arbeit damit auf mehrere verteilt. 

>>> Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden. <<<

Wenn das Ergebnis der jungen Frau aus Heidenau eine Infizierung mit dem Corona-Virus ergibt, muss die Ärztin zuerst das Gesundheitsamt informieren. Das nimmt dann Kontakt mit der Heidenauerin auf. "Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt", sagt sie.

Weiterführende Artikel

Corona: Was im Landkreis wichtig ist

Corona: Was im Landkreis wichtig ist

Für viele ist ein Urlaub im Ausland aktuell keine Option. Sächsische.de zeigt kostengünstige Ausflugsziele der Region. Außerdem gibt es neue Infektionsfälle im Kreis.

Bosch stellt schnelleren Corona-Test vor

Bosch stellt schnelleren Corona-Test vor

Ein Analyseroboter soll eine große Ausweitung der Testkapazität schon ab April bringen. Wie der neue Test funktioniert.

Habe ich Corona?

Habe ich Corona?

Beim neuen Coronavirus variieren die Krankheitsverläufe stark. Was über die Symptome von Covid-19 bislang bekannt ist

Werden Veranstaltungen nachgeholt?

Werden Veranstaltungen nachgeholt?

Mit Blick auf die Corona-Pandemie sind im Landkreis fast alle Veranstaltungen verboten. Wie die Organisatoren damit umgehen, lesen Sie hier.

Warten auf ein Testergebnis

Warten auf ein Testergebnis

Endlich ist klar: Die junge Heidenauerin ist wirklich nur erkältet. Sie ist erleichtert und trotzdem enttäuscht. Auf einige ihrer Fragen gibt es jetzt Antworten.

Coronavirus: Kommt jetzt Handy-Tracking ?

Coronavirus: Kommt jetzt Handy-Tracking ?

Außergewöhnliche Maßnahmen werden diskutiert, um tatsächlich Infizierte schnell zu finden: Es soll überlebenswichtige Zeit für die Behandlung gewonnen werden.

Medikamente hat die junge Frau am Dienstag von der Ärztin nicht erhalten. "Das Schlimmste ist jetzt die Ungewissheit und das Gefühl, dass die Ärzte offenbar auch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen." Es bleibe ein komisches, irgendwie unwirkliches Gefühl. 

Mehr zum Thema Pirna