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Heidenau ist Hochburg der Fahrraddiebe

Teure Räder sind bei Drogensüchtigen begehrt. Sie lassen sich schnell zu Geld machen. Nur jedes zehnte wird wiedergefunden.

Von Heike Sabel

Fahrräder sind ideal zum Stehlen. Die guten Modelle sind richtig teuer. Man kann sie also zu viel Geld machen. Außerdem gibt es viele Fahrradparkplätze, zum Beispiel an Bahnhöfen und Schulen. Dort ist die Auswahl entsprechend groß. Hinzu kommt, dass selbst die teuren Räder oft nicht entsprechend gesichert sind. Der Aufwand, sich so ein Fahrrad zu schnappen, ist also gering. Letztlich ist es gut zu transportieren, sprich, man braucht sich eigentlich nur draufzusetzen und loszufahren.

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All das spielt in Heidenau zusammen. Jüngster Fall ist ein rund 3 000 Euro teures Rennrad, das am Stadtfestsonntag binnen einer halben Stunde verschwand. Und das war gut gesichert. Die Chance, dass der Besitzer es zurückbekommt, ist relativ gering. Nur jeder zehnte Raddiebstahl wird im Bereich der Polizeidirektion aufgeklärt. Für Heidenau sei der Anteil ähnlich, sagt Polizeisprecher Marko Laske. „Insgesamt ist die Aufklärungsquote eher gering.“ Das wiederum hänge mit den geschilderten Bedingungen zusammen.

Hinzu kommt die wachsende Beschaffungskriminalität. „Natürlich wird nicht jedes Fahrrad von einem Drogensüchtigen gestohlen“, sagt Laske. Aber eben immer öfter. Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist in Heidenau seit 2011 auf hohem Niveau schwankend. 2011 wurden 96 gestohlene Räder gemeldet, 2012 waren es 114, voriges Jahr dann 85. Für dieses Jahr gibt es noch keine Zahlen, aber die Polizei geht von der gleichbleibenden Tendenz aus.

Suche per Code und Internet

Am Heidenauer Nord-Bahnhof soll mal eine ganze Ständerreihe leergeräumt worden sein, erzählen Pendler. Die Polizei kann so einen konkreten Fall nicht bestätigten. Doch dass der Bereich um den Bahnhof zu den Vorzugsgebieten für die Diebe gehört, ist aufgrund seiner Lage und der Auswahl an Rädern nachvollziehbar. Auch wenn hier immer Autos vorbeifahren, Fußgänger laufen; wer passt schon auf, wenn jemand sich am Schloss eines Fahrrades zu schaffen macht? Wenn es überhaupt angeschlossen ist. Und wenn, dann stünde der Wert des Schlosses oft in keinem Verhältnis zum Wert des Fahrrades, sagt Laske. Robuste Bügelschlösser sollten es schon sein, und am besten noch das Rad an einem festen Gegenstand anschließen. Dass aber auch das Diebe nicht wirklich abhält, zeigt das Beispiel des am Stadtfestsonntag gestohlenen und gut gesicherten Rades.

Die Codierung ist eine Möglichkeit, sein Rad zu schützen und Diebstähle zu vereiteln. Denn wem ein Fahrrad zum Kauf angeboten wird, der kann per Codenummer den Eigentümer identifizieren. Um ein gestohlenes Fahrrad wiederzufinden, müssten aber alle infrage kommenden Räder auf die Nummer überprüft werden. Dennoch lohnt die Codierung, wirbt der Allgemeine Deutsche Fahrradfahrerclub.

Das Prinzip ist einfach: Eine Graviermaschine stanzt auf den Rahmen des Fahrrads einen verschlüsselten personenbezogenen Code. Der besteht aus einer individuellen Ziffern- und Buchstabenkombination. Sie setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen und Gemeindecode des Ortes, in dem der Eigentümer wohnt, einer fünfstelligen Zahl für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer sowie den Eigentümer-Initialen, möglichst ergänzt durch eine zweistellige Jahreszahl der Codierung.

Ab und zu verschwinden aber auch alte Tretmühlen. Die werden in der Regel gestohlen, um mal schnell von A nach B zu kommen, sagt die Polizei. Oft werden diese Diebstähle nicht angezeigt. Deshalb rechnet die Polizei hier mit einer hohen Dunkelziffer. Die Bestohlenen scheuen oft den Aufwand der Anzeige, da er ihnen im Vergleich zum Wert ihres Rades zu hoch erscheint. Manchmal wird so ein Fahrrad dann irgendwo im Busch gefunden. Wiederhaben will es meist keiner.

Die teuren Räder aber schon. Dabei vertrauen vor allem junge Leute immer mehr auf das Internet. Hier gibt es inzwischen verschiedene Foren, auf denen Bestohlene nach ihrem Fahrrad fahnden.

Am Pestalozzi-Gymnasium haben Eltern, Lehrer und Schüler Ideen gesammelt, um den Dieben das Handwerk zu legen. Die Ideen reichen von der Videoüberwachung, neuen Fahrradständern bis zum Einsatz der Bürgerpolizisten, sagt Schulleiter Uwe Beck. Bevor Maßnahmen ergriffen werden, müsse man sich jedoch mit der Stadt und allen Verantwortlichen absprechen. „Wir wollen gemeinsam eine Lösung gegen die Diebstähle finden“, sagt Beck.

Erfolgsmeldungen gibt es bisher kaum, weder auf den Internetseiten noch bei der Polizei. Auch der in Heidenau bestohlene Pirnaer Besitzer des Centurion-Rades wartet noch darauf.

www.bing.com/images/search?q=fahrrad+fahndung; www.facebook.com/pages/fahrrad-gestohlende;

www.fahrrad-gestohlen.de; www.bazos.cz