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Heidenau setzt auf Container - Dohna baut an

Heidenau hat sich verrechnet und freut sich noch darüber. Die Realität hat die Bevölkerungsprognosen überholt. Statt Einwohnerrückgangs wächst die Zahl der Heidenauer und damit die der Kinder, die betreut werden müssen.

Heidenau hat sich verrechnet und freut sich noch darüber. Die Realität hat die Bevölkerungsprognosen überholt. Statt Einwohnerrückgangs wächst die Zahl der Heidenauer und damit die der Kinder, die betreut werden müssen. Bisher wurden Schwankungen mit Tagesmüttern ausgeglichen. Jetzt reicht das nicht mehr.

Zumindest für die Öffentlichkeit ging alles sehr schnell. Die Verwaltung merkte im Frühjahr beim Blick ins Little-Bird-Anmeldesystem der Kitas, dass es knapp wird. Die Krippenplätze sind immer gefragter. Der seit August vorigen Jahres geltende Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz hat also Folgen.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Der Grund ist ganz simpel: Heidenau hat mehr Kinder. Und die wollen und müssen betreut werden. Im August 2015 fehlen schon jetzt 33 Plätze, einen Teil davon können Tagesmütter übernehmen. Doch deren zeitliche Möglichkeiten stoßen an Grenzen. Die Forderungen der Eltern gehen zu mehr Flexibilität.

Der Bau auf dem Gelände der Kita Wurzelzwerge bietet Platz für 24 Krippenkinder. Damit soll etwas Spielraum bleiben, der jedoch, wenn die Tendenz so anhält, schnell ausgeschöpft sein dürfte. Derzeit fehlen im August 2015 bereits 20 Plätze.

Bereits Ende dieses Jahres soll der Bau fertig sein, das heißt, Baustart im August/September. Derzeit arbeitet der Planer an der farblichen Gestaltung der Fassade. Das Ergebnis muss noch vom Denkmalschutz genehmigt werden, die prinzipielle Zustimmung liegt aber bereits vor.

Mit 900 000 Euro bleibt Heidenau unter der kritischen Millionengrenze, vorausgesetzt, es gibt keine Erhöhungen oder Nachträge, wie bei Vorhaben dieser Größenordnung nicht unüblich. Bleibt es bei den 900 000 Euro für den Bau und die Einrichtung, so sind das 37 500 Euro pro Platz. Der bundesweite Schnitt lag zwischen 2008 und 2010 bei 25 000 Euro. Inzwischen ist auch der gestiegen. Heidenau kann bei der Finanzierung auf 250 000 Euro vom Landkreis rechnen. Die übrigen 650 000 Euro nimmt die Stadt aus der Rücklage.

Bisher gibt es kaum öffentliche Reaktionen der Eltern. Aufgrund der Schnelle der Entscheidung – sie war auch in keinem Ausschuss des Stadtrates vorher diskutiert worden – war für eine breite Debatte im Vorfeld auch keine Gelegenheit. Eine Mutter hat sich an die Redaktion gewandt. Ihr Vorwurf: Mit dem Neubau verschwindet ein großer Teil der Spielfläche für die Kinder. Außerdem werden Bäume gefällt und Spielgeräte entfernt. Tatsächlich müssen acht Bäume, davon fünf Pappeln, gefällt werden, die jedoch ohnehin in den nächsten Jahren beseitigt werden sollten, sagt Familienamtsleiterin Sylvia Röder. Als Außenspielfläche hat die Einrichtung derzeit 2 639 Quadratmeter. „Nach den gesetzlichen Vorschriften sind künftig mit den Krippenkindern 890 Quadratmeter vorzuhalten“, sagt Sylvia Röder. „Es sind also auch nach dem Neubau noch deutlich mehr als vorgeschrieben.“

Sollte der Container tatsächlich eines Tages nicht mehr als Krippe gebraucht werden, kann er unkompliziert umgenutzt werden. Entweder für den Kindergarten oder auch ganz anders. Die sogenannte Modulbauweise lasse da viel Spielraum. Im Wesentlichen müssten nur die Sanitäreinrichtungen umgebaut werden. (SZ/sab)