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Heidenau spielt und gewinnt

Ein Spiele- und Aktionstag lockte gestern ins Zentrum. Er wurde zum Mehrgenerationentag, ohne dass er so hieß.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

Wo ist das Schminken? Da lang auf der Ernst-Thälmann-Straße, hat der Familie mit dem kleinen Mädchen jemand gesagt. In die andere Richtung geht es zur Goethe-Oberschule. Deren Sporthalle verwandelte sich gestern in einen großen Spielsalon. Über 200 Spiele hatten die Leute von Family Games mitgebracht. „Agricola“ ist derzeit einer der Renner. Spieleerklärer Eike mag „Caro“ besonders. Ein Legespiel, das eine Handarbeitsfrau erfunden hat. Christian plädiert für „Time up“, bei dem man Persönlichkeiten erklären muss, am Ende nur noch pantomimisch. Gute, anspruchsvolle, bisweilen auch künstlerische Spiele kommen oftmals von kleinen Verlagen, sagen die beiden Männer. Es sei bei den Spielen wie bei den Büchern: Es gibt für jeden Geschmack etwas.

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Sandra Hubert, Alexander Ruffani und Lucas haben schon ihr Lieblingsspiel gefunden. Sie sitzen auf dem Fußboden vor einem großen Schachbrett. Mutter und Sohn sind gerade nach Heidenau gezogen. Es habe sich ergeben und eben gepasst. Mutter Sandra will mit Schulleiterin Karla Dorn reden. Lucas geht noch in Dresden in die Schule, vielleicht kann er ja nach Heidenau wechseln. Karla Dorn sitzt gerade bei Ilonka Bienert. Die Vorsitzende des Schul-Fördervereins hat eines der 200 Spiele ausprobiert. Heckmeck heißt es. Der Spieleerklärer hat es ihr einmal erklärt, jetzt erklärt sie es anderen. „Man kann es ziemlich schnell verstehen“, sagt die Vorsitzende des Lindgren-Grundschul-Fördervereins.

Weykick ist ein Magnet-Fußballspiel. Ein Großsedlitzer Ehepaar spielt. Sie: Das müssen wir kaufen, da spielt er wenigstens mit mir. Er: Man kann da richtig taktisch arbeiten. Nebenan spielen Oma und Enkelin den Kartenklassiker Uno. Ein Stück weiter wird gepuzzelt, zwischen drei verschiedenen Puzzles mit Heidenauer Motiven kann man wählen. Die Schnellsten schaffen die 250 Teile in 15 Minuten, die meisten brauchen um die 40 Minuten.

Die Ernst-Thälmann-Straße beleben verschiedene Stände. Beim Zentrumsmanagement werden Pfefferkuchen österlich verziert, die Linedancer laden zum Spielen ein, es wird getrödelt und gespielt, die Geschäfte sind geöffnet. Keiner hat den Riesenumsatz gemacht, sagt Claudia Benedickt. Die Apothekerin und Chefin des Zentrumsvereins stand auch vor ihrem Geschäft. Es geht um das Image unserer Straße, sagt sie. „Diese Aktion war eine von vielen, die es verbessern sollen.“ Der gestrige Heidenauer Aktionstag war ein Mehrgenerationentag, ohne dass er so hieß und ohne die sonst üblichen Stände bei einem solchen Tag.

Vielleicht hat mancher die vermisst. Dafür aber konnten Kinder und Eltern, Großeltern und Enkel miteinander spielen. Und was bringt Generationen mehr zusammen als spielen? Und lesen, sagt Bibliotheksleiterin Petra Hänel. Sie hatte die neuen Tiptoi-Bücher mitgebracht. Bücher zum Spielen und Hören, die mit einem batteriebetriebenen Stift bedient werden. „Das Neueste auf dem Markt.“ Nur das mit dem Soccer-Turnier klappte gestern nicht. Es hatten sich nur zwei Familien angemeldet. In Heidenau braucht eben alles, was einmal Tradition werden soll, Zeit.

Die Eltern des kleinen Mädchens haben die Schminkecke gefunden. Nun haben sie einen kleinen Vampir in der Familie… „Tja, die Zeit der Schmetterlinge ist vorbei“, sagt der Vater.