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Heilende Hände für Pferde

Melanie Bruck aus Lichtenberg arbeitet als Pferdetherapeutin – ein Traumberuf, den sie schon mit sieben Jahren hatte.

Sanft bewegt Melanie Bruck die Beine des Pferdes, um so vor allem die Gelenke beweglich zu halten. Ihr ist es wichtig, dass das Tier Vertrauen zu ihr findet.
Sanft bewegt Melanie Bruck die Beine des Pferdes, um so vor allem die Gelenke beweglich zu halten. Ihr ist es wichtig, dass das Tier Vertrauen zu ihr findet. © Steffen Unger

Lichtenberg/Dresden. Ganz ruhig steht Lissy in ihrem Stall beim Pillnitzer Reiterverein. Das bleibt sie auch, als Therapeutin Melanie Bruck in ihre Nähe kommt. Keine Spur von Aufregung oder Angst. Die Stute Lissy vertraut der jungen Frau, die jetzt sanft die Hände auf den Rücken des Tieres legt. Pferd und Therapeutin sind ein eingespieltes Team. Das ist sofort zu merken, und das weiß auch Pferdebesitzerin Jennifer Rossille aus Dresden zu schätzen. Sie vertraut der Arbeit der Therapeutin.

Melanie Bruck aus Lichtenberg hat sich einen Traum wahr gemacht. Sie arbeitet als Pferdetherapeutin, ein Ziel, dass sie schon lange verfolgt. „Mit drei Jahren habe ich das erste Mal auf einem Pferd gesessen, und die Liebe zu diesem Tier war geweckt“, weiß die junge Frau noch heute. Seit dem fünften Lebensjahr nimmt sie Reitunterricht, genießt den Umgang mit den stolzen Tieren, die Pflege und natürlich das Ausreiten. 2016 hat sie sich ein eigenes Pferd gekauft. In all den Jahren bis zum Abitur hat die heute 22-Jährige nie ihren Traumberuf aus den Augen verloren. „Gesundheitliche Probleme mit dem eigenen Pferd haben meinen Berufswunsch noch verstärkt“, erzählt die junge Frau.

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Zwei Ausbildungen parallel

Doch dazu mussten noch einige Hürden genommen werden. Nach der Schule absolvierte Melanie Bruck eine Ausbildung zur Physiotherapeutin mit einem Abschluss im August 2018. Als diese arbeitet sie auch heute noch. „Die Pferdetherapie ist ein zweites Standbein“, sagt sie selbst. Doch als Physiotherapeutin für Menschen kann man keine Pferde heilen. Dazu brauchte es eine weitere Ausbildung. Ein Jahr nach Beginn der Physiotherapielehre startete die Lichtenbergerin die Ausbildung zur Pferdeosteopathin an der Paracelsusschule in Dresden. Keine leichte Sache, da Beides parallel zu absolvieren war. Doch Melanie schaffte es, einfach um ihrem Traumberuf ein Stückchen näher zu kommen. Und nach Abschluss der Ausbildung im Dezember 2017 konnte sie als erstes auch ihrem eigenen Pferd helfen. Und so darf sich Melanie Bruck jetzt Pferdetherapeutin nennen. Im März dieses Jahres machte sie sich mit diesem Beruf selbstständig, arbeitet aber weiter als Physiotherapeutin. Mit der Doppelbelastung kommt sie gut klar, dann die Betreuung der Pferde ist auch ein Ausgleich für den anderen Job.

Doch was macht eine Pferdeosteopathin? Bei dieser Therapie handelt es sich, wie auch beim Menschen, um eine ganzheitliche Heilmethode. Es werden alle Komponenten des Pferdes berücksichtigt. Melanie Bruck fährt in den jeweiligen Stall und unterhält sich zuerst mit dem Besitzer des Tieres. Dabei erfährt sie, warum ein Osteopath zur Behandlung herangezogen wurde. „Ganz wichtig ist für mich der nächste Schritt: Ich schaue mir das Pferd genau an, auch in der Bewegung, fertige eine Anamnese“, erzählt sie. Dabei wird das Tier berührt, die Gelenke auf Beweglichkeit überprüft. Es geht auch um Probleme im Umgang mit dem Pferd, wenn es zum Beispiel immer mal einen Reiter abwirft, wenn es buckelt, sich nur schwer einen Sattel auflegen lässt, Fressstörungen aufweist oder auf die Wettkampfsaison vorbereitet werden soll. Das heißt aber nicht, dass Melanie Bruck nur Turnierpferde behandelt. Auch Freizeitreiter gehören zu ihren Kunden.

Für Pferdebesitzerin Jennifer Rossille ist es wichtig, dass Therapeut und Tier gut miteinander harmonieren. Sie will, dass ihre Lissy bestens versorgt ist.
Für Pferdebesitzerin Jennifer Rossille ist es wichtig, dass Therapeut und Tier gut miteinander harmonieren. Sie will, dass ihre Lissy bestens versorgt ist. © Steffen Unger

Und wie sieht die Behandlung dann aus? Zuerst wird in Absprache mit dem Besitzer ein Behandlungsplan erstellt. Dann geht es ran ans Tier. Massagen, Dehnungsübung und Mobilitsation stehen auf dem Programm. Eine Erstbehandlung dauert etwa zwei Stunden. Die Behandlung kann sich aber auch über Jahre ziehen. „Manchmal schaue und arbeite ich mit dem Pferd nur einmal und gebe dann eine Empfehlung ab“,erzählt Melanie Bruck. Den Rest entscheidet der Besitzer, denn er muss schließlich auch die Behandlung bezahlen. Derzeit betreut die junge Frau Pferde in der Region Radeberg und Dresden. Außerdem bietet sie Kurse an, um andere an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Die meisten Kunden erfahren von ihr über Mundprogaganda.

Vertrauen zum Pferd aufbauen

Lissy hatte anfangs einige Probleme. Sie hielt ihren Schweif schief, hatte muskuläre Verspannungen und auch mit dem Kiefer war einiges nicht in Ordnung. Aber bei einem Turnierpferd muss alles stimmen. Also wandte sich Besitzerin Jennifer Rossille an die Therapeutin. Beide kennen sich aus der Ausbildung zur Physiotherapeutin. „Während der ersten Behandlung hat sich Lissy schwergetan, so richtig zu entspannen“, so Melanie Bruck. Es brauchte jede Menge Ruhe, Geduld und Einfühlungsvermögen, um Vertrauen zum Pferd aufzubauen. Lissy wurde immer lockerer, genoss die Behandlung durch die Therapeutin. Am Ende hat sie sich sogar hingelegt und sich massieren lassen. „Das Vertrauen des Pferdes ist mir das Allerwichtigste“, ist das Credo von Melanie Bruck. Das merken dann auch alle Beteiligten.

Jennifer Rossille hat Lissy vor sechs Jahren vom Schlachter übernommen. „Sie konnte schlecht laufen und hat nicht galoppiert.“ Vor etwa zwei Jahren entschied sich die Besitzerin für eine Therapie. „Die Behandlung hat mehr gebracht, als ich es erwartet hätte. Ich habe mein Pferd kaum wiedererkannt“, so Jennifer Rossille. Wichtig für sie war auch, dass sie bei den Behandlungen mit dabei sein konnte und so genau merkte, welche Fortschritte ihr Pferd macht. Sie schätzt die Zusammenarbeit mit der Therapeutin und mag ihre einfühlsame Art. Und genau damit kann Melanie Bruck punkten: Fachwissen, Ruhe, Geduld und ein Gefühl für das Tier. Mit dieser Art will die Lichtenbergerin noch viele Pferde heilen.

Mehr Infos unter: www.pferdetherapie-bruck.de