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Heiliger in Teilzeit

Nur in den Cup-Wettbewerben darf Iker Casillas bei Real Madrid noch das Tor hüten. Wie lange geht das gut?

© dpa

Von Frank Hellmann

War das nicht rührig? Auf die Idee muss man erst einmal kommen, einem Säugling die Miniatur des spanischen Königspokals zu überreichen, ihn mit dem Strampler in der Sitzschale in Position zu bringen und diesen Schnappschuss mit dieser Bildunterschrift zu veröffentlichen: „Su primer título – his first title!“ Sein erster Titel. Denn in seinen winzigen Händen hielt der dreieinhalb Monate alte Martin Casillas Carbonero jene originale Mini-Trophäe, die jedem Spieler von Real Madrid vergangenen Mittwoch nach dem Gewinn der Copa del Rey in Valencia überreicht wurde. Dort waren seine Verlobte, die spanische Fernsehjournalistin Sara Carbonero, und der Nachwuchs mitgereist.

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Was verdeutlicht, wie sich die Prioritäten bei einem Profi verschoben haben, der seit dem 3. Januar stolzer Vater ist. Anders als viele andere Real-Stars schottet die Torwart-Legende sein Privatleben nicht vollständig von der Öffentlichkeit ab. Dafür ist auch der Glamourfaktor des Paares, das sich nach dem WM-Finale 2010 in Johannesburg vor laufender Kamera einen der berühmtesten Küsse der Fußball-Geschichte gab, zu hoch. Und genauso instinktsicher wie der bald 33-Jährige noch die Bälle abwehrt, so zielsicher steuert er Mitteilungen für seine Gefolgschaft in den sozialen Netzwerken – bei Facebook 16,2 Millionen, bei Instagram weitere 1,3 Millionen. Zu besichtigen war dort während der Ostertage ein hocherfreuter Torhüter, der mit dem Siegeszeichen die echte Trophäe im Mestalla-Stadion präsentiert, wo der Dauerrivale FC Barcelona im spanischen Pokalfinale besiegt wurde.

Lopez hält in den Punktspielen

Und als die Madrider Entourage im offenen Wagen auf der Placa de Cibeles fuhr, stand ihr 1,85-Meter-Tormann vorn: Der aus der Vorstadt Móstoles stammende Casillas gilt eben noch immer als der Klubheilige – Ikone und Identifikationsfigur „San Iker“.

Ins heutige Halbfinale der Champions League gegen den FC Bayern geht er ausgeruht. Das jüngste Punktspiel in der Primera Division war kurzerhand auf den 7. Mai verlegt worden, obgleich Casillas‘ Mitwirken da ja ohnehin nicht nötig ist. Denn die von José Mourinho begonnene Demontage eines Denkmals hat Carlo Ancelotti fortgesetzt, als auch Mourinhos Nachfolger sich dafür entschied, den gleichaltrigen Landsmann Diego Lopez als erste Besetzung für die Punktspiele zu behalten. Mit der Einschränkung, dass der Prominentere die Cup-Wettbewerbe bestreitet.

Weshalb es im Estadio Santiago Bernabeu bei Champions-League-Heimspielen immer zu einem besonders warmherzigen Applaus kommt, wenn ihr Liebling erscheint. Dass sich wegen der Teilzeitlösung immer wieder Wechselgerüchte um den fünfmaligen Welttorhüter von 2008 bis 2012 ranken – oft wird dabei der FC Arsenal genannt – versteht sich von selbst. „Ich wünsche mir, dass ich bei Madrid spielen kann, bis ich 40 bin“, erklärte Casillas kürzlich gegenüber einem Radiosender, fügte aber an: „Wenn mein Kontrakt ausläuft, werde ich genau überlegen, ob ich bleibe.“ Das wäre indes erst 2017 so weit.

Für die Auswahl gesetzt

Scheint so, als hätten sich mit der durchaus diskussionswürdigen Arbeitsteilung unter der Latte vorerst alle arrangiert. Dazu gehört Nationaltrainer Vicente del Bosque, der keinen Zweifel lässt, dass sein Kapitän für Brasilien gesetzt ist. Es wäre sein siebtes großes Turnier als Stammkeeper. „Wir dürfen nicht vergessen, wie wichtig Iker für die Auswahl in schwierigen Zeiten war“, pflegt del Bosque zu sagen. Auch Ancelotti möchte den intern geachteten Musterschüler, der als 18-Jähriger den Deutschen Bodo Illgner aus dem Gehäuse der Galaktischen verdrängte, nicht missen; erst nach dem zittrigen Weiterkommen in Dortmund richtete der Real-Coach aus: „Casillas hat in wichtigen Momenten fantastische Paraden gezeigt.“

Da kommt einem die Erfahrung aus 153 Länder- und 143 Europapokalspielen zugute. Und wer im Alter von acht Jahren bei Real seine Karriere begann, hat natürlich unzählige Erlebnisse gegen deutsche Teams abgespeichert. Die Bayern sind nach Schalke und Dortmund nun der dritte Bundesligist nacheinander. „Offenbar liegt Deutschland auf dem Weg nach Lissabon“, sagte der Welt- und Europameister nach der Auslosung, „normalerweise liegen uns diese Mannschaften nicht so sehr, aber zwei Runden haben wir ja schon überstanden.“ Dass er sich sehnlichst wünscht, am 24. Mai für die Königlichen das zehnte Mal („La Decima“) die Königsklasse zu gewinnen, versteht sich von selbst. Nur danach bitte an eine Ausführung vom Henkelpott denken, die in Babyhände passt.

TV-Tipp: Das ZDF überträgt das Spiel von Real Madrid gegen Bayern München heute ab 20.45 Uhr live..