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Neue Heimatblätter erscheinen

Die kommende Ausgabe beschäftigt sich mit der Kleinwolmsdorfer Kirche – es könnte die letzte Veröffentlichung sein.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

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Kleinwolmsdorf. Einleitend mit Goethes Worten „Fürwahr, es ist ein groß Ergötzen, sich in den Geist der Zeit zu versetzen“ veröffentlichte der Kleinwolmsdorfer Dorfverein im Juli 2010 die allerersten Heimatblätter. Verfasst hat die kleinen Büchlein seitdem der Ortschronist Otto Wittich, dessen Ziel es stets war, die Geschichte der heutigen Arnsdorfer Ortschaft zu ergründen und zu bewahren – und sie allen Interessierten zugänglich zu machen.

Schon die allererste Ausgabe der Heimatblätter hat sich unter anderem mit der Kleinwolmsdorfer Kirche beschäftigt. Und auch die neuste Veröffentlichung, die Mitte März präsentiert wird, hat den spätgotischen Bau zum Thema. Allerdings liegt der Fokus der Heimatblätter diesmal auf einem ganz bestimmten Teilstück der Kirche – nämlich auf der Turmkugel, die geschichtlich sehr interessant ist. Denn die vergoldete Kugel erzählt selbst Geschichte!

Dazu eine kurze Erklärung: Bei jeder Renovierung der Kirche über die vergangenen Jahrhunderte, wurde die Kugel geöffnet. In ihr befinden sich zwei Büchsen aus Kupfer, die gefüllt sind mit Münzen, Briefmarken, Druck-Erzeugnissen und Handschriften. Bei jeder Öffnung wird der einstige Inhalt durch neue Schriften und Beigaben ersetzt.

Eben jene Schriften sind das Herzstück der neuen Heimatblätter. „Otto Wittich hat sie gesichtet und für uns in eine leserliche Form gebracht“, erzählt Kleinwolmsdorfs Ortsvorsteherin Heidemarie Heim. Doch was meint sie mit leserliche Form? Natürlich hat sich über die Jahrhunderte hinweg nicht nur das Dorf selbst verändert, sondern auch die Sprache und die Schriftform. Und die allererste Schrift aus der Kirchturmkugel stammt aus dem Jahr 1724! Es ist also unwahrscheinlich, dass es noch viele gibt, die sie problemlos lesen können. Otto Wittich kann es aber! Und er hat für die neuesten Heimatblätter nicht nur die erste Schrift, sondern auch alle nachfolgenden aufgearbeitet. So stammen die weiteren Zeitzeugnisse aus den Jahren 1766, 1797,1827, 1865, 1902, 1985 und 1998.

Besondere Schrift

Doch eine Besonderheit ist unbedingt noch zu erwähnen: die Schrift aus dem Jahr 1998. Denn sie liegt noch heute in der Kirchturmkugel, Sanierungsarbeiten hat es seitdem nicht mehr gegeben. Doch auch diese Schrift wird in der aktuellen Ausgabe der Heimatblätter veröffentlicht. Aber wie ist das möglich? „Die Schriften aus dem Jahre 1985 und 1998 hat Otto Wittich selbst verfasst. Er war, wie viele wissen, jahrelang im Kirchenvorstand tätig“, klärt Heidemarie Heim das Rätsel auf. Und weil er sich die letzte Schrift abgetippt hat, ist es dem Ortschronisten nun auch möglich, sie ebenfalls zu veröffentlichen. Es wartet also eine rundum spannende Ausgabe auf alle Kleinwolmsdorfer und Geschichtsfans.

Doch diese Ausgabe ist nicht nur thematisch eine Besonderheit. Sie könnte auch einen besonderen Status erlangen – nämlich als letzte Ausgabe der Heimatblätter. „Es ist noch nicht sicher, könnte aber durchaus sein“, erklärt Heidemarie Heim traurig. Nie hätte sie gedacht, dass sie gemeinsam mit Otto Wittich überhaupt so viele Ausgaben produziert. Doch sie haben es geschafft und wollen nun die 17. Ausgabe offiziell präsentieren.

Viele Geschichten erzählt

Allerdings seien sie thematisch mittlerweile am Ende angekommen. Viele Geschichten sind erzählt. „Und Otto Wittich wird in diesem Jahr 90“, fügt Kleinwolmsdorfs Ortsvorsteherin hinzu. Dem Alter entsprechend hat der Verfasser der Heimatblätter mittlerweile Probleme mit den Augen. „Eine Ausgabe würde ich gern noch machen. Mal schauen“, berichtet Heidemarie Heim. Die wäre dann aber definitiv die Letzte.

Somit geht also nach acht Jahren die Geschichte der Heimatblätter bald zu Ende. Wer die kleinen Büchlein noch nicht kennt, sie aber gern erwerben möchte, kann dazu Heidemarie Heim kontaktieren. Von jeder Veröffentlichung seien noch Ausgaben vorhanden.

Doch vorerst blicken sicherlich viele Fans der Heimatblätter gespannt auf die kommende Ausgabe. Diese wird am Sonntag, dem 18. März, um 15 Uhr präsentiert. Dazu laden Heidemarie Heim und Otto Wittich in die ehemalige Schule an der Geschwister-Scholl-Straße 11 ein. Bei Kaffee und Kuchen können die Besucher in die Geschichte Kleinwolmsdorfs eintauchen und unter anderem mit Otto Wittich über alte Zeiten plaudern.