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Heimatgefühle für die Leberwurst

Edeka Scheller folgt dem verpackungsfreien Trend und bietet das Befüllen der eigenen Behälter an.

Selbst ist künftig der Kunde: Anett Daubitz von der Fleisch- und Wursttheke bei Edeka Scheller in Großenhain befüllt das von zuhause mitgebrachte Gefäß mit leckeren Mozzarella-Schinken-Bällchen.
Selbst ist künftig der Kunde: Anett Daubitz von der Fleisch- und Wursttheke bei Edeka Scheller in Großenhain befüllt das von zuhause mitgebrachte Gefäß mit leckeren Mozzarella-Schinken-Bällchen. © Kristin Richter

Großenhain. Es ist eine Frage des Fingerspitzengefühls. Denn ihre Hände sollten die freundlichen Frauen hinter dem Ladentisch möglichst bei sich behalten. Schließlich weiß niemand, wo im Fall der Fälle vielleicht ein Krankheitskeim lauert. 

Wer sich entscheidet, bei ihnen an der Theke Wurst, Fleisch oder Käse zu kaufen, kann die Leckereien nämlich mit dem eigenen Behälter nach Hause tragen. Gleich nun, ob Roulade, Schinken oder Leberwurst. Wer künftig auf Verpackungen aus Papier verzichten und auch die Plastikdose lieber im Geschäft lassen will, muss nur etwas Eigeninitiative zeigen. 

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Seit Kurzem, so Franziska Gleditsch, biete Edeka Scheller den Service in seinen Märkten in Radeberg und Großenhain an. Wie die Assistentin der Geschäftsführung betont, bemühe man sich auch in Dresden um eine entsprechende Genehmigung. Allerdings: Da sei momentan noch etwas Geduld von Nöten.

Lediglich ein paar Tage gedauert habe es hingen in der Röderstadt. Sehr schnell habe das Gesundheitsamt dem Ansinnen des Unternehmens zugestimmt, dem Umweltgedanken im praktischen Einkaufsleben Taten folgen zu lassen.

Vorbei die Zeiten, in denen nach dem Bestücken der Wurstdose im heimatlichen Kühlschrank gefühlte Unmengen von Papier, Folie oder Bechern übrig blieben. „Denn sind wir ganz ehrlich: Alles, was bei uns sorgsam eingepackt wird, findet sich kurze Zeit später in den eigenen Aufbewahrungssystemen wieder“, ist sich Anett Daubitz sicher.

Und die sympathische Fachverkäuferin an der Fleisch- und Wursttheke muss es wissen. An Tagen wie diesen, in denen sich ihre Kundschaft kulinarisch für das Wochenende rüstet, bleibt keine attraktive Wurstscheibe lange in den Auslagen allein. „Also ich finde das Angebot total klasse! Ich esse nämlich gern die Salate und die Soljanka von hier. Wenn ich das jetzt weiß, bringe ich meine Schüssel gleich mit“, freut sich ein 73-jähriger Stammkunde und nickt enthusiastisch.

Bevor der Mann jedoch heimnehmen kann, was er ganz offensichtlich zum häuslichen Verzehr begehrt, gilt es – entsprechend der Auflagen der Hygiene – einiges zu beachten. Jenes Fingerspitzengefühl kommt jetzt ins Spiel, welches für Käufer, als auch Verkäufer gleichermaßen gilt. „Ein Kunde, der die Ware in sein privates Behältnis verpackt haben möchte, sollte dies gut gereinigt mitbringen. Wir reichen ihm ein Tablett über die Ladentafel und er stellt die Schale oder Dose darauf“, erklärt Anett Daubitz das Prozedere. 

Danach werde das leere Behältnis gewogen, anschließend mit den gewünschten Lebensmitteln bestückt und unverschlossen wieder dem Kunden auf dem Tablett zurückgegeben. Bevor dieser zur Kasse schreiten kann, müsse er selbst das Gefäß mit einem Deckel versehen. „Wir dürfen den Behälter nicht berühren! Das ist eine Frage der Haftung, denn wir wissen schließlich nicht, wie sauber und keimfrei das Mitbringsel ist“, gibt Franziska Gleditsch zu bedenken.

Bedingungen, die Kundinnen wie Beate Andrich durchaus mittragen können. Und sich von der Idee an sich – schon der Umwelt zuliebe – begeistert zeigen. „Ich finde die Idee total super“, lobt die Großenhainerin. Immerhin: Wer daheim seinen Einkauf einräume, fülle dabei nicht nur Schränke, sondern auch den Mülleimer und die Papiertonne. Beim Versuch, mit weniger oder gar ganz ohne Verpackung auszukommen, würden aber viele herkömmliche Läden an Grenzen stoßen. 

Während einerseits immer mehr gänzlich „Unverpackt-Läden“ ihre Pforten öffnen, sei der Kurswechsel im normalen Supermarkt schwierig. Besonders durch die strengen Vorschriften der Hygiene liege die Latte hoch. „Dennoch ist die Resonanz ausnahmslos positiv! Wir müssen natürlich sehr auf Sauberkeit achten und das tut unser geschultes Fachpersonal natürlich auch“, versichert Franziska Gleditsch.

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