merken
PLUS Niesky

Heimatmuseum auf Zeit

Ödernitz ist 780 Jahre alt. Das wird gefeiert. Zwei andere Jubiläen spielen noch eine Extrarolle.

Gottfried Hartmann, Klaus Wilde und Helmut Wiesner (von links) bereiten für das diesjährige Dorffest in Ödernitz ein besonderes Schmeckerchen vor: In einer Heimatstube bekommen die Besucher viel Interessantes aus der Geschichte des Ortes zu sehen. Allerdi
Gottfried Hartmann, Klaus Wilde und Helmut Wiesner (von links) bereiten für das diesjährige Dorffest in Ödernitz ein besonderes Schmeckerchen vor: In einer Heimatstube bekommen die Besucher viel Interessantes aus der Geschichte des Ortes zu sehen. Allerdi ©  André Schulze

Gottfried Hartmann kann sich das Lachen nicht verkneifen. Ein Ur-Ödernitzer ist er zwar nicht. Aber seit 50 Jahren wohnt er nun auch schon hier. Da darf man sich schon als Einheimischer fühlen. Dass er dies tut, beweist Hartmann mit einer Ausstellung zur Geschichte des Ortes, die nur alle zehn Jahre gezeigt wird und immer neue Erkenntnisse aus der Heimatforschung bereithält. „Das habe ich zumindest versucht und alte Papiere studiert, Akten durchgeblättert und manches bisher Unbekannte zusammengetragen.“

Entstanden sind viele Info-Texte, Reproduktionen alter Fotos, aber auch Exponate, die die Entwicklung des Nieskyer Ortsteils in den vergangenen Jahrzehnten dokumentieren.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Ausgangspunkt für das neue Ödernitzer Geschichtsbewusstsein war wohl der 750. Geburtstag vor 30 Jahren. „Damals hat der Nieskyer Historiker Peter Sebald eine Chronologie herausgegeben. Außerdem gab es eine große Ausstellung zur Vergangenheit von Ödernitz. Das war der Anlass für mich, tiefer einzusteigen und zu versuchen, manche Dinge noch stärker herauszuarbeiten“, erklärt Hartmann. Ihn selbst erstaunt haben zum Beispiel die Erkenntnisse zur Elektrifizierung des Ortes, denn genau vor 100 Jahren hielt der elektrische Strom in der Siedlung Einzug. „Damals wurde eine Elektrizitätsgenossenschaft gegründet, die sich um die Versorgung von Ödernitz mit Strom kümmerte.“ Lange Jahre habe an der Brunnenstraße, gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus, ein Verteilerhäuschen gestanden, das erst 1990 weggerissen worden sei.

Weitere Jubiläen folgen

Ein anderer Fakt, an den sich heute wahrscheinlich nur noch wenige erinnern, ist die frühere Kinderkrippe im Ort. 1953 wurde sie im ehemaligen Gutsgebäude eingerichtet, konnte aber nur zwei Jahre betrieben werden, weil die Auslastung zu gering war. An ihrer Stelle zog der Kindergarten in das Gemäuer ein, das übrigens zusammen mit den Wirtschaftsgebäuden des früheren Rittergutes 2020 das 150-jährige Jubiläum seiner Erbauung begeht. Schon in diesem Jahr wird die Feuerwehr von Ödernitz 100 Jahre alt – auch dieser runde Geburtstag wird im „Heimatmuseum auf Zeit“ thematisiert. Interessenten an der Ortsgeschichte sollten einen Besuch nicht auf die lange Bank schieben. Zum Dorffest am Sonnabend ist die Heimatstube im Erdgeschoss des Elaser-Firmensitzes in der Brunnenstraße 9 von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Termine an den Folgetagen können unter Telefon 03588 201321 vereinbart werden.

Die Feierlichkeiten zum 780-jährigen Ortsjubiläum halten aber noch mehr Höhepunkte bereit. So veranstalten die Ödernitzer Lanz Bulldog-Freunde aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens ein Traktoren-Corso mit verschiedenen historischen Modellen durch den Ort. Mit dabei ist auch das legendäre Fahrzeug des bereits verstorbenen Ernst Biehain. Der Fuhrunternehmer hielt bis zuletzt an seinem Oldtimer fest und tuckerte mit ihm die Straßen rund um Niesky entlang. Mit seinem Transportmittel schien Biehain aus der Zeit gefallen, „war aber sehr aktiv im Holzgeschäft und lieferte Bauwilligen ihren Kies“, erinnert sich Klaus Wilde, seit 32 Jahren Vorsitzender des Dorfclubs, der auch dieses Mal wieder das Fest initiiert. Echtes Gaudi gibt es dann beim Bulldogziehen. „In der Regel sind zwischen sechs und zwölf Vereine dabei, auch aus Polen rücken zwei Teams an.“

Nicht nur für ausgesprochene Technikfreaks ist der darauf folgende Programmpunkt interessant: Die Lanz-Freunde widmen sich dem Thema Holz. Mit Holzrücker, Spaltern und historischen Sägen wird einem dicken Baumstamm zu Leibe gerückt. Herhalten dafür muss die große Linde, die bis vor Kurzem an der Gaststätte Lindengarten stand. Zudem treiben stationäre Motoren, wie sie früher bei Christoph und Unmack in Niesky zum Einsatz kamen, Band- und Kreissägen sowie Bohrmaschinen an.

Dorffest zum 780-jährigen Bestehen von Ödernitz am 10. August auf dem Elaser-Gelände an der Brunnenstraße. Programmhöhepunkte: 15 Uhr, Festbeginn und Bulldog-Corso; 14, 15, 16 Uhr, Führungen in der Milchviehanlage; 15.30 Uhr Bulldogziehen der Vereine; anschließend Vorführung historischer Landmaschinen, Ausfahrt von Oldtimer-Motorrädern und Kinderprogramm mit Bastelstraße und Kinderschminken; 20 Uhr Sommernachtstanz.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Niesky