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Heimkehr nach fünf Jahren Geiselhaft

Die Taliban lassen einen amerikanischen Soldaten frei. Im Gegenzug dürfen fünf US-Gefangene Guantánamo verlassen.

© Reuters

Von Jens Schmitz, SZ-Korrespondent in Washongton

Der einzige US-Gefangene im Afghanistan-Krieg ist frei: Knapp fünf Jahre nach seiner Gefangennahme übergaben die Taliban den 28-jährigen Sergeant Bowe Bergdahl am Sonnabend amerikanischen Spezialkräften im Tausch gegen die Entlassung fünf Inhaftierter aus dem Anti-Terror-Gefängnis Guantánamo Bay auf Kuba. Der Deal ist das Ergebnis langjähriger Verhandlungen unter der Mittlerschaft von Katar.

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Bei der Pressekonferenz mit Barack Obama (r.) ist die Mutter des freigelassenen Bowe Bergdahl den Tränen nahe. „Wir werden für Bowe stark bleiben, während er sich erholt“, sagte Jani Bergdahl. Vater Robert hat sich aus Solidarität mit seinem Sohn einen la
Bei der Pressekonferenz mit Barack Obama (r.) ist die Mutter des freigelassenen Bowe Bergdahl den Tränen nahe. „Wir werden für Bowe stark bleiben, während er sich erholt“, sagte Jani Bergdahl. Vater Robert hat sich aus Solidarität mit seinem Sohn einen la © dpa

Nach Regierungsangaben wurde Bergdahl in Afghanistan von 18 Talibanführern an einen Treffpunkt nahe der pakistanischen Grenze gebracht. Ein US-Hubschrauberkommando nahm ihn an Bord und verließ den Ort zügig wieder. In der Maschine schrieb Bergdahl „SF?“ auf ein Stück Papier, um herauszufinden, ob es sich bei den Rettern wirklich um Spezialkräfte („Special Operations Forces“) handelte.

„Ja“, brüllte einer der Militärs über den Lärm der Maschine. „Wir suchen seit Langem nach dir!“ Bergdahl brach weinend zusammen. Sein Gesundheitszustand wurde als gut beschrieben; am Sonnabend sagte ein Pentagonsprecher, der Sergeant sei bereits auf dem Weg ins deutsche Landstuhl.

Nach seiner Freilassung erfüllten die USA ihren Teil der Zusage und setzten fünf Taliban-Häftlinge aus Guantánamo in ein Flugzeug nach Katar. Die Freigelassenen sollen dort mit ihren Familien leben. Sie dürfen das Emirat mindestens ein Jahr lang nicht verlassen. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, die dortige Regierung habe Kontrollen und weitere Sicherheitsmaßnahmen versprochen, die verhindern sollen, dass die Ex-Häftlinge den Kampf gegen die USA wieder aufnehmen.

Mindestens zwei von ihnen sollen früher führende Kommandeure gewesen sein, die mit der Tötung alliierter Soldaten und dem Massenmord an Schiiten in Verbindung gebracht werden. Die US-Regierung sieht in ihnen für die Zukunft keine große Gefahr. Aber die Opposition kritisierte den Deal teils heftig: Er habe wenig Vertrauen in Katars Sicherheitszusagen, sagte der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. „Ich glaube, diese Entscheidung wird auf Jahre hinaus das Leben amerikanischer Soldaten bedrohen.“ Sie erhöhe den Anreiz für Terroristen, US-Streitkräfte als Geiseln zu nehmen.

Die Eltern Bergdahls führen seit Jahren einen öffentlichen Kampf um die Freilassung ihres Sohnes und haben dabei der Regierung Obama auch Untätigkeit vorgeworfen. Am Sonnabend informierte der Präsident das Paar telefonisch selbst von dem Erfolg. Wenig später gaben die drei eine Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses. „Bowe war nie vergessen, während er fort war“, sagte Barack Obama über Bergdahl. „Die Vereinigten Staaten lassen unsere Männer und Frauen in Uniform niemals zurück.“

Vater Robert Bergdahl, der sich aus Solidarität einen langen Bart hat wachsen lassen, richtete ein kurzes Grußwort in Paschtu an seinen Sohn. Dem Verteidigungsministerium zufolge hat Bowe Bergdahl Probleme, Englisch zu sprechen. Die Umstände seiner Gefangennahme sind unklar. Zu Gerüchten, es habe sich um eine Desertion gehandelt, äußerte sich das Pentagon am Wochenende nicht.

Frühere Verhandlungen zwischen den Taliban und den USA waren meist breiter angelegt. US-Angaben zufolge signalisierten die religiösen Kämpfer im Herbst Bereitschaft, isoliert über Bergdahl zu sprechen. Nach Gesten des guten Willens verzichteten die Amerikaner ihrerseits darauf, die Guantánamo-Insassen nacheinander freizulassen. Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte, es gebe keine Anzeichen für weitere Deals, aber vielleicht einen Grundstein für mehr gegenseitiges Vertrauen.