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Heimlicher Baubeginn

In Mehltheuer wurde jetzt ein für den Landkreis einmaliges Projekt begonnen. Und das ganz ohne die sonst üblichen Zaungäste.

Andreas Voigt und Florian Fehrmann im alten Feuerwehrgerätehaus Mehltheuer.
Andreas Voigt und Florian Fehrmann im alten Feuerwehrgerätehaus Mehltheuer. © Sebastian Schultz

Hirschstein/Stauchitz. Das kennen wir zur Genüge: Da ist eine neu gebaute Straße längst fertig, doch befahren werden darf sie aus unerfindlichen Gründen nicht. Mit Sperrschildern und rot-weißen Bändern wird das Benutzen verhindert. Denn es müssen erst ganz wichtige Leute kommen,  kluge Reden gehalten, mit Sekt angestoßen und als nicht zu toppender Höhepunkt ein Band durchschnitten werden, ehe der Verkehr rollen kann. 

Ganz ähnlich ist es, wenn ein Bauprojekt  beginnt. Da geht nichts ohne den ersten Spatenstich, ohne die Anwesenheit von Politikern, die sich gegenseitig für ihre klugen Entscheidungen loben. Die dann funkelnagelneue Spaten in die Erde rammen, die zuvor gelockert wurde, damit sich die in körperlicher Arbeit nicht sonderlich geübten Schlipsträger nicht überanstrengen und am Ende ein Schweißtropfen ins Sektglas läuft.   

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So ähnlich war das jetzt auch in Mehltheuer geplant. Allerdings hat die Coronakrise auch was Positives. Ihretwegen musste die Feier des Baustarts  ausfallen. "Wir haben sozusagen einen heimlichen Baustart gemacht", sagt der Hirschsteiner Bürgermeister Conrad Seifert (CDU).  Diese Woche begannen bauvorbereitende Arbeiten, ab 20. April geht es richtig los. 

Dabei hätte man hier tatsächlich mal einen wirklichen Grund zum Feiern gehabt. Denn der gemeinsame Bau eines Feuerwehrgerätehauses in Mehltheuer ist etwas Besonderes, sozusagen eine Premiere im Landkreis Meißen. Erstmals bauen zwei verschiedene Gemeinden - Stauchitz und Hirschstein - gemeinsam ein Feuerwehrgerätehaus und werden dieses auch zusammen nutzen. Die Ortsfeuerwehren von Mehltheuer und Seerhausen werden hier einziehen. 

Interkommunale Zusammenarbeit nennt sich das,  hat nicht nur Zukunft, sondern ist auch ein Mittel,  um weitere Gemeindezusammenschlüsse zu verhindern. Ganz neu ist die Idee nicht. Im Landkreis Osterzgebirge/Sächsische Schweiz wurde ein solches gemeinsames Feuerwehrhaus errichtet, es war das erste dieser Art in Sachsen. 

So soll es aussehen: das neue Feuerwehrgerätehaus in Mehltheuer, ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Hirschstein und Stauchitz.
So soll es aussehen: das neue Feuerwehrgerätehaus in Mehltheuer, ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Hirschstein und Stauchitz. © Gemeinde Hirschstein

Insgesamt 2,9 Millionen Euro wird das Feuerwehrgerätehaus mit vier Fahrzeugstellplätzen kosten. 90 Prozent der Kosten werden gefördert, das ist der Höchstfördersatz. Am Ende muss jede der beiden Gemeinden einen Eigenanteil von 200.000 tragen. "Der Bau von jeweils eigenen Feuerwehrgerätehäusern wäre deutlich teurer geworden. Ohne den Höchstfördersatz, den es wegen der interkommunalen Zusammenarbeit gibt, wäre der Neubau nicht zu finanzieren gewesen", sagt Bürgermeister Seifert. "In 20 Jahren Kommunalpolitik habe ich ein solch reibungsloses und unkompliziertes Zusammenarbeiten mit Planungsbüros und mit dem Freistaat noch nicht erlebt", freut er sich.

Freuen können sich vor allem die Feuerwehrleute aus Mehltheuer und Seerhausen. Denn ihre derzeitigen Häuser sind - vorsichtig ausgedrückt - eine einzige Zumutung. So gibt es in Mehltheuer keine Heizung, nicht mal ein Toilette, von einer Dusche ganz zu schweigen. In Seerhausen sieht es nicht besser aus. "Ich kann nur den Hut ziehen vor den Kameradinnen und Kameraden, die unter solchen Bedingungen ihren ehrenamtlichen Dienst versehen", so Conrad Seifert.

Von ihm ging die Initiative für ein gemeinsames Feuerwehrhaus aus. Doch in Stauchitz biss er erstmal auf Granit. Der dortige Gemeinderat stellte sich quer, wollte lieber ein eigenes, großes Feuerwehrgerätehaus in Stösitz für alle vier Ortswehren aus Staucha, Stauchitz, Bloßwitz und Seerhausen bauen. Entstehen sollte das neue Feuerwehrhaus neben dem Vereinsheim in Stösitz. Die Kosten wurden auf mindestens 1,3 bis 1,4 Millionen Euro geschätzt. Es hätte aber nur maximal 45 Prozent Förderung gegeben.

Widerstand gegen das Haus in Stösitz kam auch aus den Stauchitzer Ortsfeuerwehren. Die würden dann aufgelöst und zu einer Wehr zusammengefasst. Schon vor Jahren gab es die Idee, aus den vier Wehren zwei zu machen. Feuerwehrleute drohten daraufhin mit Austritt. Die Gemeinde beugte sich dem Druck und zog die Pläne zurück.

In Hirschstein hat man diese Phase schon lange hinter sich. Bereits unter Bürgermeisterin Christine Gallschütz (CDU) wurden aus elf Wehren drei gemacht. Dass Stauchitz seine Pläne für ein neues, großes Haus begraben musste, hat aber auch einen anderen Grund. Der Neubau in Stösitz wäre für Stauchitz schlicht zu teuer gewesen. Deshalb wurden erneut mit Hirschstein Gespräche aufgenommen. 

Dennoch gibt es einen Wermutstropfen im Freudenbecher. Zwar kommt der größte Teil des Geldes aus dem Fördermitteltopf, die Gemeinden müssen die Kosten aber vorfinanzieren. "Der Freistaat sollte seine Fördermittelproblematik überdenken. Wir können doch für die Vorfinanzierung keinen Kredit aufnehmen, der dann 20 Jahre läuft. Das Geld fehlt uns für andere wichtige Aufgaben, beispielsweise für den Straßenbau", sagt der Hirschsteiner Bürgermeister.

Nicht nur die beiden Feuerwehren, sondern auch andere Wehren sollen das Gelände für Übungen nutzen können, sagt Conrad Seifert. Doch bis dahin müssen noch andere Dinge geklärt werden. Beispielsweise, ob auf der B6 an dieser Stelle wegen der Feuerwehrausfahrt die Geschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt werden kann. Oder ob es eine spezielle Feuerwehrampel gibt, die im Einsatzfall den Verkehr auf der Bundesstraße stoppt, damit die Fahrzeuge schnell ausrücken können.

Bis es soweit ist, dauert es noch eine ganze Weile. Die Bauzeit wird voraussichtlich eineinhalb Jahre betragen. Dann aber werden wieder ganz viele Schlipsträger anrücken, um die Einweihung des Hauses zu feiern, wichtige Reden halten, Sekt trinken und Bänder durchschneiden.   

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