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Den Kindern fällt es immer schwerer

Heimunterricht ist nicht so einfach, auch wenn alles gut organisiert ist. Das zeigt das Beispiel der Olbersdorfer Grundschule.

Auch ohne Handy hat Melina aus der dritten Klasse den Kontakt zu einigen Mitschülerinnen und Freunden nicht abreißen lassen. Sie haben sich gegenseitig kleine Aufgaben gestellt.
Auch ohne Handy hat Melina aus der dritten Klasse den Kontakt zu einigen Mitschülerinnen und Freunden nicht abreißen lassen. Sie haben sich gegenseitig kleine Aufgaben gestellt. © privat

Wie wird die Wiedereröffnung der seit dem 16. März geschlossenen Schulen in Sachsen  gelingen? Schrittweise ist das nach den Osterferien geplant. Die Grundschüler werden sehr wahrscheinlich nicht zu den Ersten gehören, die wieder in die Schulen dürfen. Dennoch verfolgt Gordon Alisch mehrmals täglich die Nachrichten zur aktuellen Corona-Lage. Der Leiter der Grundschule Emil Ufer Olbersdorf will gewappnet sein. 

"Die ersten zwei Wochen waren für mich aufregend und spannend. Dann gab es aber einen Knick. Man konnte deutlich sehen, dass es den Kindern schwerer fällt, zur Stange zu halten", erzählt er. Und das, obwohl die Schule alles Mögliche getan hat, um den Kontakt zwischen den neun Lehrern, 138 Schülern und ihren Eltern nicht abreißen zu lassen.

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Freya aus der 4. Klasse beim Heimunterricht. Für Deutsch hat sie unter anderem ein Gedicht geschrieben und als Vorbereitung für die Fahrradprüfung mit der Familie eine Radtour gemacht. 
Freya aus der 4. Klasse beim Heimunterricht. Für Deutsch hat sie unter anderem ein Gedicht geschrieben und als Vorbereitung für die Fahrradprüfung mit der Familie eine Radtour gemacht.  © privat
Frieda aus der 1. Klasse bei den Mathematik-Hausaufgaben. Die Osterbastelaufgabe hat sie schon geschafft.
Frieda aus der 1. Klasse bei den Mathematik-Hausaufgaben. Die Osterbastelaufgabe hat sie schon geschafft. © privat
Karlotta aus der 2. Klasse beim Heimunterricht in ihrem Kinderzimmer. Sie gibt sich große Mühe, dass auch alles schön aussieht.
Karlotta aus der 2. Klasse beim Heimunterricht in ihrem Kinderzimmer. Sie gibt sich große Mühe, dass auch alles schön aussieht. © privat
Der Erstklässler Nils: Daumen hoch. Wieder eine Aufgabe geschafft. Er lernt jetzt zu Hause mit seinen Eltern und drei älteren Geschwistern im Heimunterricht.
Der Erstklässler Nils: Daumen hoch. Wieder eine Aufgabe geschafft. Er lernt jetzt zu Hause mit seinen Eltern und drei älteren Geschwistern im Heimunterricht. © privat
Für Jonathan aus der 1. Klasse fällt auch der Sportunterricht nicht aus. Dafür geht es jetzt auch mal in den Wald.
Für Jonathan aus der 1. Klasse fällt auch der Sportunterricht nicht aus. Dafür geht es jetzt auch mal in den Wald. © privat
Neben Sport stehen für Jonathan und seine Geschwister beim Heimunterricht aber vor allem Hausaufgaben im Stundenplan.
Neben Sport stehen für Jonathan und seine Geschwister beim Heimunterricht aber vor allem Hausaufgaben im Stundenplan. © privat
Mara aus der 2. Klasse mit ihrer kleinen Schwester  aus der "Eichhörnchengruppe" der Kita bei ihrer Lieblingsbeschäftigung "Zahlenzorro".
Mara aus der 2. Klasse mit ihrer kleinen Schwester  aus der "Eichhörnchengruppe" der Kita bei ihrer Lieblingsbeschäftigung "Zahlenzorro". © privat
Auch Teresa aus der 4. Klasse hat sich intensiv mit der anstehenden Fahrradprüfung beschäftigt. Ihr kleiner Bruder schaut ihr dabei interessiert zu.
Auch Teresa aus der 4. Klasse hat sich intensiv mit der anstehenden Fahrradprüfung beschäftigt. Ihr kleiner Bruder schaut ihr dabei interessiert zu. © privat
Gustav aus der 1. Klasse beim Heimunterricht am Laptop. So kann die Grundschule auch mehr Spaß machen.
Gustav aus der 1. Klasse beim Heimunterricht am Laptop. So kann die Grundschule auch mehr Spaß machen. © privat

"Wir versuchen von Anfang an, mit jedem Kind wenigstens einmal in der Woche zu reden", schildert Gordon Alisch. Das ist nicht als Kontrolle gedacht, ob sie ihre Aufgaben  erledigen. Manche Schüler brauchen auch etwas mehr Aufmerksamkeit oder mal eine zusätzliche Erklärung zu den Aufgaben, die die Eltern für sie per Mail geschickt bekommen.

Per Videokonferenz bespricht der Schulleiter mit den Lehrern immer montags die Dienstpläne. Freitags wird ausgewertet, was und wie die Schüler den Unterrichtsstoff gelernt haben. "Ich bin total beeindruckt. Für uns Lehrer ist die digitale Unterrichtsform auch eine große Chance", berichtet Gordon Alisch. Die Kinder nutzen Lernspiele und Lernfilme aus dem Internet, um die Aufgaben für sie interessanter zu machen. 

Eltern machen mit den Kindern zu Hause einen guten Job

Der Heimunterricht ist aber vor allem auch eine große Herausforderung für die Eltern. Sie müssen ihren gesamten Tagesablauf umstrukturieren. "Deshalb ein großes Lob für die Eltern. Sie sitzen mit den Kindern zu Hause und machen einen wirklich guten Job", sagt der Schulleiter. Von vielen Eltern weiß er, dass sie richtige kleine Stundenpläne mit Pausen aufgestellt haben. Einige hat er sogar zugeschickt bekommen. 

Grundschülern fällt es schwerer als Älteren, über Wochen keinen Kontakt mehr zu ihren Mitschülern und Freunden zu haben. Sie haben meist noch kein Handy. Die neunjährige Melina, hat sich jetzt dennoch zu helfen gewusst. Sie denkt sich Rätsel oder Aufgaben aus, die ihre Freundinnen dann lösen sollen. "Ich werfe das Blatt mit der Aufgabe dann bei ihnen in den Briefkasten und Melina freut sich, wenn sie antworten und von ihnen Rätsel bekommt", berichtet ihre Mutti Claudia Falch.

Familie macht "Albas Sportstunde" online mit

Und die Familie hat sich auch etwas für den Sportunterricht zu Hause ausgedacht. Den macht dann auch Melinas vierjähriger Bruder Tius mit. Der Basketball-Verein Alba Berlin stellt täglich "Albas Sportstunde" online. Die ist speziell auf Kita-Kinder, Grund- beziehungsweise auf Oberschüler zugeschnitten. "Da haben wir richtig Spaß dabei", erzählt Melinas Mutti.

Aber so wie sie, bestätigt auch Claudia Zentsch, dass bei ihrer zehnjährigen Tochter Freya  jetzt so langsam die Luft raus ist. "Der Kontakt mit der Schule ist sehr gut", sagt sie. Der Lehrer der Viertklässlerin ruft regelmäßig an und fragt, ob es irgendwo Probleme gibt", schildert sie.

Freyas Mutti hat für ihre Tochter einen abwechslungsreichen Mix an Heim-Unterricht zusammengestellt. Zwischen Deutsch, Mathe und dem Lernen für die Fahrradprüfung gibt es immer mal wieder Mal- oder andere Stunden. "Bei dem Unterricht zu Hause entdeckt man aber auch neue Eigenheiten der Kinder und wie selbstständig sie in manchen Dingen schon sind", erzählt sie. 

Tochter fiebert Telefongespräch mit der Lehrerin entgegen

Schulleiter Gordon Alisch freut sich, wenn er von seinen Kollegen und auch von einigen Eltern per Mail erfährt, wie gut sie zu Hause den Heimunterricht mit ihren Kindern bewältigen. "Anbei sende ich Ihnen ein paar Schnappschüsse von der Schularbeit zu Hause. Karlotta ist mit vollem Elan dabei und fiebert jede Woche dem Telefongespräch mit Frau Hamann entgegen", schreibt beispielsweise die Mutti von Karlotta, die in die 2. Klasse geht. 

Dies ist so ein Stück "Normalität" in der gegenwärtig verrückten Welt. "Zur Orientierung habe ich ihr anhand des Wochenplanes einen Stundenplan geschrieben, dies gibt ihr zusätzlich Sicherheit", fügt sie hinzu. Eine Snackpause und eine "Hofpause" gehört außerdem zu jedem Heim-Schultag dazu.

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