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Heiraten anno dazumal

Historische Hochzeitsbilder sind ab morgen im SKC zu sehen – ein besonderes Kapitel Schleifer Geschichte.

In Sisyphosarbeit konnte zu den 50 historischen Fotos etwa die Hälfte der Abgebildeten namentlich ermittelt werden.
In Sisyphosarbeit konnte zu den 50 historischen Fotos etwa die Hälfte der Abgebildeten namentlich ermittelt werden. © Foto: Joachim Rehle

Schleife. Hochzeitsbilder werden von Jungvermählten immer wieder zur Hand genommen. Doch je länger das Ereignis her ist, umso eher verschwinden sie in Kisten und Schubladen. Dass historische Hochzeitsfotos von allgemeinem Interesse sein können, will ab morgen eine neue Sonderausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife (SKC) beweisen. 

Mit dem Titel „Serbske swaŕby w Slěpjańskej wósadźe“ / „Sorbische Hochzeiten im Kirchspiel Schleife“ werden mehr als 50 großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Hochzeitsgesellschaften der Jahre 1902 bis 1954 gezeigt. Zur Vernissage am Freitag, dem 13. September, um 17 Uhr laden die Domowina-Ortsgruppe Schleife und das Sorbische Kulturzentrum herzlich ein. Das Sorbische Folkloreensemble Schleife übernimmt die musikalische Gestaltung.

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Die Idee zu der Ausstellung keimte schon länger. Bei einem Kaffeeklatsch habe man 2013 mit älteren Einwohnern aus dem Kirchspiel zusammengesessen und auch über Hochzeitsbilder gesprochen. Dabei entbrannte sogar das eine oder andere Streitgespräch über Namen der jeweils Abgebildeten, erinnert sich Wolfgang Kotissek. Das habe dazu inspiriert, „das Thema mit Leben zu erfüllen“. Die Domowina-Ortsgruppe rief dazu auf, in Kisten und Kästen, auf Böden und in Kellern nach alten Hochzeitsfotos zu stöbern. Die Resonanz war groß. „Für uns war es überraschend, dass noch so viele Bilder in privaten Haushalten vorhanden sind“, sagt Stephanie Bierholdt. Schließlich sei Schleife während der Truppendurchzüge in den letzten Kriegswochen 1945 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie sich zeigte, waren Familienangehörige der Brautpaare gern bereit, die Fotos zu überlassen. Daraus entstand eine Präsentation, die im Oktober 2017 im SKC gezeigt wurde. 56 Besucher waren überaus begeistert. Allerdings beklagten sich einige, dass sie Schwierigkeiten hatten, auf der Leinwand die Gesichter der Abgebildeten zu erkennen. Das war letztlich der Anstoß zu der Ausstellung.

Die Qualität der mehr als 100 Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat über die Jahre arg gelitten. Viele Bilder sind verblichen, zerkratzt oder anderweitig beschädigt. Wolfgang Kotissek hat sie alle eingescannt und bearbeitet. Ganz abgesehen davon wurde fleißig recherchiert etwa in den Kirchenbüros in Schleife und Görlitz, im Standesamt Schleife und im Kreisarchiv in Niesky. Ziel dabei war, möglichst viele Personen identifizieren zu können. „Je mehr Informationen wir bekamen, desto mehr Spaß hat es gemacht“, erklärt Heidemarie Richter.

Zuordnung mit Spitznamen

Im Schnitt sind 50 Leute auf einem solchen Gruppenfoto. Etwa die Hälfte könne man inzwischen namentlich benennen. Aber nicht nur das. Man habe Berufe herausbekommen, die es heute kaum noch oder gar nicht mehr gibt, wie Schrankenwärter oder Kolbenmacher. Manche Familie sei seit Generationen Tischler gewesen. Andere waren Viertel-Bauern, die für ihren Lebensunterhalt zu drei Viertel in der Glasindustrie arbeiten mussten. Wieder andere waren Büdner, die zwar ein Haus (also eine Bude), aber keinen Hof dazu besaßen. Interessant bei den Recherchen war auch, so erzählt Stephanie Bierholdt, dass selbst in behördlichen Verzeichnissen Spitznamen auftauchten, um Leute gleichen Namens besser unterscheiden zu können. Diese Spitznamen halfen bei der Zuordnung – auch jetzt in der Vorbereitung der Ausstellung. In einem Ordner sind alle bisher bekannten Namen verzeichnet.

In die Ausstellung lädt ein Brautpaar unter einer Eingangspforte für Jungvermählte ein. Edith Penk half beim Anziehen der Figurinen. Die Braut trägt ein weißes Tuch über dem Rock, welches die Heirat als „ehrbare Hochzeit“ ausweist. Oder zu gut Deutsch, es gab noch kein Kind und war auch keins unterwegs. Heidemarie Richter und Stephanie Bierholdt haben sogar nach historischen Rezepten gekocht. Das sei gar nicht so einfach gewesen, weil selten Maßangaben vermerkt sind und es zum anderen so manche Zutat nicht mehr gibt.

Mit der Ausstellung wolle man einen Einblick geben, was im Schleifer Kirchspiel alles mit einer Hochzeit verbunden ist. Beschriftet sind die Bilder in Deutsch und im Schleifer Sorbisch. Letzteres habe man ausdrücklich gewählt, weil in der Zeit, in welcher die Fotos entstanden sind, im Kirchspiel Schleifer Sorbisch gesprochen wurde. „Mit den Hochzeitsbildern wird Schleifer Geschichte wieder lebendig. Wir haben viel mit den Älteren aufgearbeitet, sonst gerät deren Wissen in Vergessenheit“, erklärt Heidemarie Richter den Wert der Schau. Bis zum 29. Februar 2020 sind die Fotografien im SKC zu sehen. Mit der Ausstellung sei das Thema aber keineswegs erledigt.

Vernissage zur neuen Sonderausstellung „Sorbische Hochzeiten“ am 13. September um 17 Uhr im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 13 bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen 1 Euro, für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt frei. Wegen der Straßenbauarbeiten ist der Parkplatz am SKC nur vom Kreisverkehr aus über die Friedensstraße erreichbar bzw. über die Spremberger Straße abbiegend am Dorfteich.

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