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Dresden

Corona: Ein etwas anderer Hochzeitstag

Gruppenbild ohne Schwester und keine Umarmungen. Wie Sara und Bernd Günther sich unter ungewöhnlichen Umständen in Dresden trauen ließen.

Viele leere Plätze bleiben derzeit bei Hochzeiten im Standesamt. Sara und Bernd nahmen es gelassen.
Viele leere Plätze bleiben derzeit bei Hochzeiten im Standesamt. Sara und Bernd nahmen es gelassen. © Astrid Flohr

Dresden. Dieser Tag sollte es werden - und kein anderer. Seit über einem Jahr drehte sich für Sara Günther alles um diesen 21. März 2020, an dem sie ihren Bernd offiziell zum Mann nehmen wollte. Das Datum war auf den Ringen eingraviert. "Es war immer sehr wichtig für mich, dass meine Familienplanung vor meinem 30. Geburtstag abgeschlossen ist", sagt sie. Und am 22. März - nur einen Tag nach dem Hochzeitstermin - beging sie dieses rundes Jubiläum.

Nun vergisst man Hochzeitstage im besten Fall sowieso ein Leben lang nicht. Die Hochzeit von Sara und Bernd allerdings, die wird dazu noch für immer mit der Corona-Krise in Verbindung stehen. 

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Ihr Termin im Standesamt auf der Goetheallee war Samstag Punkt 9.30 Uhr. "Bis eine halbe Stunde vorher wussten wir aber noch nicht, ob wir überhaupt reingelassen werden", sagt Sara. "Da haben wir ganz schön gezittert." Schließlich werden in diesen Tagen fast täglich neue Regeln für das öffentliche Leben bekanntgegeben, um die Ausbreitung des Coronavirus soweit wie möglich zu bremsen.

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Saras Friseurtermin am Samstagmorgen war glücklicherweise noch problemlos über die Bühne gegangen. Zu ihrem Glück öffneten sich dann auch die Türen des Standesamtes. Statt der ursprünglich geplanten 16 Gäste sollten letztlich nur neun die Zeremonie verfolgen. Drei hatten von sich aus krankheitsbedingt abgesagt, auch Saras Oma blieb vorsichtshalber zu Hause, doch auch zwölf wären noch zu viel gewesen. Zum Zeitpunkt ihrer Trauung waren aus Sicherheitsgründen nur noch zehn Personen im Raum zugelassen. "Neben den beiden Elternpaaren, unseren Söhnen und der Fotografin war noch Saras Bruder dabei", sagt Bernd. Seine Schwester mussten die beiden dagegen kurzfristig schweren Herzens ausladen. "Sie hatte aber zum Glück Verständnis", sagt der 38-Jährige.

Inzwischen wurden diese Beschränkungen in Dresden noch weiter verschärft. Wie das Standesamt mitteilt, finden bis auf Weiteres alle Eheschließungen ohne Gäste und Trauzeugen statt.

Allein von Mittwoch bis Freitag sind in Dresden 32 Eheschließungen geplant. Vereinbarte Vorsprache-Termine zur Anmeldung entfallen dagegen vorerst. 

Bei der Trauung von Sara und Bernd hatten alle Beteiligten die klare Anweisung, Abstand voneinander zu halten - vom küssenden Brautpaar einmal abgesehen. Eigentlich hätten sich sogar die Elternpaare auseinandersetzen sollen, doch das verweigerten diese erfolgreich. 

Perfektes Familienglück: Sara und Bernd Günther mit ihren Söhnen Julius (l.) und Adrian.
Perfektes Familienglück: Sara und Bernd Günther mit ihren Söhnen Julius (l.) und Adrian. © Astrid Flohr

Ansonsten wurde die Einhaltung der Bestimmungen jedoch mit behördlicher Gründlichkeit kontrolliert. Um alle Ansteckungsgefahren zu minimieren, wurde im Saal alles gründlich desinfiziert, von der Türklinke bis zum Stift.

Zu einem Lied aus dem Film "Forrest Gump" schritten sie schließlich in den Saal. Nachdem die Trauung für ihren Geschmack ziemlich zügig über die Bühne gebracht worden war, kamen Umarmungen zunächst nicht infrage. Und selbst beim Gruppenfoto auf der Treppe schaltete sich ein aufmerksamer Mitarbeiter ein: Maximal zehn Personen! Das hieß, dass durch die Anwesenheit von Bernds Schwester auch jetzt nicht alle gemeinsam auf ein Bild durften, sondern die Gäste in Gruppen abgelichtet werden mussten.

"Natürlich hatten wir das nicht so geplant, aber wir haben das alles eingesehen", sagt Sara. "Ungewöhnliche Zeiten erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen."

Alle Restaurants stornierten wegen Corona

Für das anschließende Mittagessen war ursprünglich ein Tisch in der Elbterrasse Wachwitz reserviert gewesen. Die Buchung wurde allerdings schon am Mittwoch storniert. Die Absage vom stattdessen gebuchten Luisenhof kam dann erst am Freitagabend. "Damit fühlten wir uns wie vor den Kopf gestoßen", sagt Sara. Am Ende bestellten sie einfach Pizza und ließen sie sich zu Hause alle gemeinsam im feinen Zwirn schmecken.

Flitterwochen waren bei den beiden sowieso nicht vorgesehen, was aber wird nun aus ihrer großen Feier? Die soll eigentlich mit 80 Gästen im Mai im Bungalowdorf Olganitz in der Dahlener Heide steigen. Sara stammt aus der Gegend.

Niemand weiß, wie sich die Lage bis Mai entwickeln wird, aber auch diese Unsicherheit nehmen die beiden entspannt. "Uns war vor allem die Trauung wichtig", sagt Sara. "Der Vertrag für die Feier ist zwar unterschrieben, wir haben aber noch nichts angezahlt. Ich bin mir sicher, dass unter den aktuellen Umständen jeder Verständnis für eine Absage hätte." 

Vorbereitet ist allerdings schon eine Menge: Das Essen ist bestellt, der DJ gebucht und sogar das Toilettenpapier mit Herzchen wurde schon geliefert. "Was soll's, das ist ja nicht zu ändern", sagt Sara.

Für sie ist - genauso wie für Bernd - das Glück auch so perfekt. Gerade jetzt, wo sie  gemeinsam mit ihren beiden kleinen Söhnen Adrian und Julius besonders viel Zeit zu Hause verbringen dürfen. Im Homeoffice arbeitet das Paar praktischerweise für dasselbe Bauunternehmen.

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