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Pirna

Heiß auf Eis

Die Winterschwimmer in Pirna haben sich vor 40 Jahren gegründet. Das soll jetzt groß gefeiert werden.

Günter Schwanitz von den Pirnaer Winterschwimmern geht im Natursee baden.
Günter Schwanitz von den Pirnaer Winterschwimmern geht im Natursee baden. © Daniel Schäfer

Die Meinungen gehen auseinander. Verrückte oder bekennende Sportler mit einem Hang zum Extremen?  Die Rede ist von den Pirnaer Eisbrechern, sie sich als Abteilung Winterschwimmen des VfL Pirna-Copitz 07 vor 40 Jahren gegründet haben.

In der Zeit von September bis April springen die Hartgesottenen einmal wöchentlich in die kalten Fluten des Natursees in Copitz und nehmen deutschlandweit an Winterschwimm-Veranstaltungen teil.  Sächsische.de sprach mit Gründungsmitglied Günter Schwanitz über seine persönliche Motivation, über den gesundheitlichen Aspekt und über eine Gemeinschaft, die er nicht missen möchte.  

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Über 10.000 Besucher kamen, um die Winterschwimmer 1986 bei Eis und Schnee in den Natursee steigen zu sehen. Repro einer Aufnahme aus dem Jahr 1986.
Über 10.000 Besucher kamen, um die Winterschwimmer 1986 bei Eis und Schnee in den Natursee steigen zu sehen. Repro einer Aufnahme aus dem Jahr 1986. © Repro: Daniel Schaefer

Herr Schwanitz, was ist so toll daran, bei Minustemperaturen in den Natursee zu steigen? 

Gemeinsam mit guten Freunden das Baden zu genießen und sich abzuhärten. 

Ist Ihnen dabei nicht kalt?

Nein, wir machen vorher Gymnastik, um uns aufzuwärmen. Das ist ganz wichtig. Früher sind wir immer dreimal um den See gerannt. Heute laufen wir uns warm vom VfL-Gebäude bis zur Badestelle im Natursee. Der schönste Effekt ist immer, wenn man aus dem Wasser herauskommt und die Wärme den gesamten Körper durchflutet. Dann fühle ich mich sich so richtig lebendig.

Sind Erkältungen ein Thema für Sie?

In den vergangenen 40 Jahren war ich lediglich zweimal erkältet. Und die Krankheitsphase ging schnell vorüber, was ich auch auf die Abhärtung durch das Winterschwimmen zurückführe. Übrigens hat die Charité in Berlin  zu DDR-Zeiten mehrere Dissertationen über den positiven gesundheitlichen Aspekt des Winterschwimmens veröffentlicht.  Somit wurde bewiesen, wie sinnvoll Baden in kalten Gewässern ist.  

Was war Ihr bisheriger Rekord?

Das weiß ich noch ganz genau. Es war 1986 beim Winterschwimmen in Oberwiesenthal. Das Thermometer zeigte minus 22 Grad Außentemperatur an. Die Winterschwimmer-Kollegen aus Chemnitz haben zuvor drei Tage gehackt, um das Freibad vom Eis zu befreien. Gefroren haben nur die Zuschauer, einige sollen sogar Frostbeulen bekommen haben. Wir sind dann anschließend in das Hallenbad gegangen.  Ich weiß noch, dass das relativ kalte Wasser im Bad uns fast heiß vorkam.  

Kann jeder beim Winterschwimmen mitmachen? Gibt es Voraussetzungen? 

Ja, vom Kind bis zur Oma. Jeder ist bei uns willkommen. Er muss allerdings körperlich gesund sein. Wir suchen ganz dringend Nachwuchs, denn viele von uns sind über 80 Jahre alt. Ich habe übrigens oft erlebt, dass die Zuschauer bei unserem Eisfasching, der jährlich  gefeiert wird, auch spontan mit ins Wasser gestiegen sind. Wichtig ist eine vorherige Erwärmung. Das übernehmen diesmal, am 8. Februar, die Cheerleader Loopy Arrows aus Pirna. 

Was genau findet am kommenden Sonnabend statt?

Wir wollen mit hoffentlich vielen Gästen und Zuschauern 40 Jahre Winterschwimmen in Pirna feiern. Dazu haben wir Winterschwimmer aus ganz Deutschland, von der Ostsee bis zu den Alpen, eingeladen. Der Eisfasching am Natursee steht in diesem Jahr unter dem Motto: Die Welt ist bunt.  Für Moderation und Gastronomie ist gesorgt. 

Kommen die Pirnaer Eisbrecher nur im Winter zusammen? 

Nein, in  den Sommermonaten treffen wir uns auch, laden uns gegenseitig zu Familienfeiern oder zum Grillen ein. Aber es wird nicht nur gefeiert. Wenn jemand aus unserer Truppe Unterstützung braucht, bekommt er Hilfe. Die Ehepartner  verstorbener Mitglieder werden immer mit eingeladen. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft. 

Eisfasching, 8. Februar, ab 14 Uhr, Natursee Copitz, Eintritts-Spende: zwei Euro

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