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Heiße Ware für die Händler

Was passiert, wenn Metalldiebe erwischt werden, ist klar: Anzeige, eventuell Gericht. Aber können sich Händler vor Diebesgut schützen?

Von Matthias Klaus

Die Deutsche Bahn hat es nicht leicht, wenn es um den Metalldiebstahl geht. 2 700-mal schlugen im vergangenen Jahr Langfinger zu – bundesweit – freilich, das brachte dem Unternehmen 17 000 verspätete Züge ein. Ob Kupfer- oder anderer Metallklau: Immer wieder ist die Deutsche Bahn betroffen, aber auch die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (Soeg) und die Zittauer Schmalspurbahn sind vor Metalldieben nicht sicher, wie die Vergangenheit zeigt.

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Wenn Diebe erwischt werden, ist relativ klar, was passiert . Anzeige, im besten Fall kommt es zum Gerichtsprozess. Was aber, wenn die heiße Ware bereits an den Schrotthändler hierzulande verkauft wurde? Wie können sie sich schützen? „Also Schienen und die zugehörigen Halterungen sind ja leicht zu erkennen“, sagt Frank Barby. Er ist Präventionsexperte bei der Bundespolizei in Ebersbach.

Schwieriger werde es bei Kabeln. „Oft ist es so, dass die Ummantelung vor dem Verkauf an den Metallhändler abgebrannt wird. Für den ist es dann natürlich schwierig zu erkennen, woher das Kabel stammt“, so Barby. Dann bleibe nur die Nachfrage beim Verkäufer – oder der Verdacht, wenn Kabel in Größenordnungen angeboten wird. Ein gutes Mittel gegen den Metalldiebstahl sei die künstliche DNA, so der Mann von der Bundespolizei. Allerdings komme die ja noch nicht überall wo möglich und nötig zum Einsatz.

Bei der künstlichen DNA handelt es sich um einen farblosen Lack. Die Bahn setzt ihn mittlerweile bei Kabeln ein. Der Lack enthält kleinste synthetische Teilchen, die jeweils einzigartig zusammengesetzt sind, eben ähnlich der menschlichen DNA, dem Träger der Erbinformationen. Wenn die Polizei ein mit diesem Lack behandeltes gestohlenes Gerät findet, kann der Eigentümer zweifelsfrei identifiziert werden. Die künstliche DNA lässt sich nur unter dem Mikroskop nachweisen, enthält aber auch andere Bestandteile. So leuchtet der Lack unter UV-Bestrahlung blau. Polizisten, egal ob von Landes- oder Bundespolizei, haben in dem Fall dann sofort einen Hinweis und können unter Umständen weitere Untersuchungen in die Wege leiten. Diebe jedenfalls können die künstliche DNA nicht ohne Weiteres entdecken.

Dabei gibt es natürlich auch legale Varianten, wie beispielsweise Schienen zum Altmetallhändler gelangen können. „Die Bahn macht immer mal wieder Ausschreibungen für entsprechenden Schrott“, schildert Frank Barby. Wer den Zuschlag bekommt, kann die Schienen oder anderen Schrott erwerben, dann weiterveräußern. Allerdings, so der Experte von der Bundespolizei, gibt es auch in diesem Fall Unwägbarkeiten. So könne beispielsweise der Schrottschein manipuliert werden. „Mit Scanner und Computer ist es einfach, zum Beispiel Menge oder Datum zu verändern“, schildert Frank Barby.

Händler, die derart mit manipulierten Daten Schrott gekauft haben, hätten keine Konsequenzen zu befürchten. „Außerdem sichern sich Händler in der Region ja schon ab, indem sie die Daten der Verkäufer registrieren“, so Barby. Das sei für sie immer noch der beste Schutz, so der Hauptmeister bei der Bundespolizei.