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Heizen ist 40 Prozent teurer als vor fünf Jahren

Der Trend für Nebenkosten in Dresden zeigt weiter nach oben. Die aktuellen Rechnungen sollen noch teurer werden.

© dpa

Von Juliane Richter

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Mit bangem Blick ziehen die Dresdner in diesen Wochen ihre Betriebskostenabrechnung für 2012 aus dem Briefkasten. Die befürchtete Nachzahlung wird dabei viele treffen. Denn die Nebenkosten folgen dem Trend der Vorjahre und steigen weiter deutlich an. Der Mieterbund Dresden hat die Preisentwicklung der vergangenen Jahre ausgewertet.

Welche Posten werden für den Mieter besonders teuer?

Wie die aktuellsten Zahlen des Mieterbundes Dresden für 2011 zeigen, nehmen die Heizkosten am stärksten zu. Mussten Mieter im Jahr 2010 im Schnitt noch einen Euro pro Monat und Quadratmeter zahlen, waren es 2011 bereits 1,04 Euro. Die Dimension des Anstiegs wird aber vor allem bei einem langfristigen Vergleich deutlich. So betrugen die Kosten im Jahr 2007 monatlich noch rund 0,73 Euro je Quadratmeter. Mussten die Dresdner damals für eine 70-Quadratmeter-Wohnung etwa 51 Euro pro Monat zahlen, waren es 2011 dann schon fast 73 Euro Heizkosten. Das ist ein Anstieg von rund 43 Prozent. Mathias Wagner, Sprecher des Mietervereins Dresden, geht davon aus, dass sich dieser Trend 2012 fortsetzen wird. „Das liegt vor allem an dem noch längeren und kalten Winter.“

Wie entwickeln sich die anderen Posten der Abrechnung?

Große Preissteigerungen gibt es laut Mieterbund Dresden vor allem beim Warmwasser. Dieses kostete 2011 etwa 0,23 Euro je Quadratmeter und Monat. Das sind rund 21 Prozent mehr als noch 2007. „Entgegen dazu haben sich die kalten Betriebskosten aber nicht wesentlich geändert. In Dresden gab es in den vergangenen Jahren vor allem auch keine wesentlichen Teuerungen bei den Gebühren der Stadt“, sagt Mathias Wagner vom Mieterbund. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Durchschnittswerte für die Straßenreinigung sogar gesunken. Allerdings erfasst der Mieterbund nur einen Teil der Dresdner Abrechnungen – vor allem der eigenen Mitglieder.

Wie reagieren Vermieter auf die steigenden Preise?

Nicht jeder Vermieter nimmt den Preisanstieg kommentarlos hin. Insbesondere die Genossenschaften bemühen sich um Ausgleich. So bezieht die Eisenbahnerwohnungsbaugenossenschaft (EWG) zum Beispiel ihr Heizgas nicht immer vom gleichen Anbieter. Vorstand Michael Reichel erklärt: „Rund ein Drittel unserer Wohnungen, vor allem im Altbau, haben eine Gasheizung. Auch wenn es mit einem Verwaltungsaufwand verbunden ist, suchen wir jährlich den günstigsten Anbieter.“

Die Strategie der EWG geht bisher auf. Sie hat für 2012 bereits alle rund 9.700 Betriebskostenabrechnungen verschickt – und bisher nur 56 Ein- oder Widersprüche erhalten. Um die Abrechnung für die Mieter in Zukunft noch transparenter zu machen, ist ein Pilotprojekt geplant. So sollen einzelne Haushalte bald ihren Verbrauch bei Heizung und Wasser monatlich über das Internet abfragen. „Dann können die Mieter ihren Verbrauch besser einschätzen, weil sie ja in dem Moment zum Beispiel wissen, dass es ein besonders kalter Monat war und sie viel geheizt haben“, sagt Reichel. Zudem könnten die Mieter dadurch auch austesten, wie sich kontinuierliches Heizen auswirkt. Denn Vermieter warnen regelmäßig, dass es die falsche Strategie ist, die Wohnung auskühlen zu lassen, um sie dann wieder hochzuheizen.

Was kann man gegen zu hohe Betriebskostenabrechnungen machen?

Der Mieterbund rät dazu, jede Abrechnung genau zu überprüfen. Eine Erhebung hat laut Sprecher Mathias Wagner ergeben, dass die Hälfte der Abrechnungen schon auf den ersten Blick falsch ist. Wer Bedenken hat, kann Einblick in die Originalbelege nehmen. Dabei stellt sich zum Beispiel heraus, dass der Vermieter Instandsetzungs- oder Verwaltungsleistungen auf die Hausbewohner umgelegt hat. Das ist allerdings verboten.

Wie wirkt sich die aktuelle Strompreisdebatte auf Dresden aus?

Mit Beginn des nächsten Jahres rechnen Experten mit höheren Strompreisen – weil die Umlage für erneuerbare Energien wohl erneut angehoben wird. Sie steigt um einen Cent auf rund 6,3 Cent je Kilowattstunde, wie aus Behördenkreisen zu erfahren war. Gerlind Ostmann, Sprecherin des Energieversorgers Drewag, will bisher keine Aussage treffen, inwieweit die Preise in Dresden steigen. „Bisher sind das alles noch Mutmaßungen. Aber nach bisherigem Stand würden wir wohl eine Erhöhung nicht in vollem Umfang an unsere Kunden weitergeben.“ Ende dieser Woche will sich die Drewag zu den konkreten Plänen äußern.Kommentar