merken
PLUS

Riesa

Riesa ehrt Helden des Alltags

Auch in Zeiten von Corona sind Blutspenden wichtig. Manche sind besonders begehrt.

Gefrager Spender: Jürgen König aus Strehla hat eine seltene Blutgruppe - und schon 125 mal gespendet.
Gefrager Spender: Jürgen König aus Strehla hat eine seltene Blutgruppe - und schon 125 mal gespendet. © Sebastian Schultz

Von Christian Kluge

Riesa. Unscheinbar sind sie – die Helden des Alltags, die sich vor wenigen Tagen zur Ehrung verdienter Blutspender im Mercure-Hotel eingefunden haben. Geladen hat der Kreisverband Riesa des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Gekommen sind fast alle, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten 50 oder mehr Blutspenden abgegeben haben. Jedes Mal 400 Milliliter zur DDR-Zeiten oder einen halben Liter nach der politischen Wende.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Einer der Spitzenreiter in der Riesaer DRK-Statistik ist Jürgen König. Der 64-Jährige wird für seine 125. Blutspende geehrt, inzwischen ist er schon bei 128 Blutspenden. „Tja, angefangen habe ich 1976, als ich an der TU Dresden studiert habe“, erinnert sich König. „Es gab schon mal Unterbrechungen, aber im Schnitt habe ich seitdem pro Jahr vier- bis fünfmal Blut gespendet.“

Der Diplom-Ingenieur war in jungen Jahren sehr viel unterwegs in der Metallbranche. Seit 2016 ist er zurück in Strehla, wo König seitdem auch seine Blutspenden abgibt. „Von 2008 bis 2016 war ich beruflich bedingt in Görlitz tätig und habe dann auch dort Blut gespendet“, erinnert er sich an die Zeit, als er wegen seiner Arbeit viele Kilometer zurücklegen musste.

Aber was hat Jürgen König überhaupt bewegt, vor fast einem halben Jahrhundert mit dem Blutspenden zu beginnen? „Ich denke, es ist einfach ein humaner Akt, andere Menschen zu unterstützen. Zumal ich eine sehr seltene Blutgruppe habe.“

Männer dürfen öfter

Die heißt A2B Rhesusfaktor (Rh) negativ und kommt in Deutschland nur zu einem Prozent vor, wie Martina Wohsmann vom DRK-Blutspendedienst Dresden weiß.

„Die häufigste Blutgruppe in Sachsen ist A mit rund 42 Prozent vor null mit 40 Prozent. B ist selten, AB ganz selten“, sagt Wohsmann und ergänzt: „Die Zahl der Blutspenden ist leider gleichmäßig rückläufig. Nur drei bis vier Prozent der Bevölkerung sind dabei, obwohl gesunde Menschen bis zum Alter von 72 Jahren spenden können.“

Das wird auch Jürgen König weiter motivieren, denn in den nächsten acht Jahren bis zu seinem 72. Geburtstag kann auch der Strehlaer die magische Marke von 150 Blutspenden noch erreichen – so wie Jakob Birnbaum aus Heyda, der sich bei der Ehrung allerdings bescheiden im Hintergrund hält. 

Übrigens ist die gesamte Familie König als Spender aktiv, Ehefrau Angelika ebenso wie Tochter Lysann und sein 36-jähriger Sohn Stefan, der in Freiberg arbeitet. Frauen können allerdings in einem zwölfmonatigen Zeitraum nur viermal zur Blutspende gehen, Männer dürfen sechsmal. Die Teilnahmen sind alle im Blutspenderpass exakt vermerkt.

Essen und Präsente

Das DRK lässt sich die Auszeichnung seiner verdienten Spender auch was kosten: Bei der Auszeichnung im Mercure sind Essen und Trinken kostenlos. Auf der Speisekarte steht eine Süßkartoffel-Paprikasuppe mit Koriander, danach gibt es einen südamerikanischen Schweinsbraten mit mexikanischem Pfannengemüse und Reis.

Jürgen König: „Bei der Ehrung zur 100. Blutspende gab es eine Reise nach Berlin mit Partnerin und Übernachtung. Dazu eine Fahrt auf der Spree und am Abend waren wir zu einer Show im Friedrichstadtpalast eingeladen.“

Diesmal erhielt der Strehlaer neben Urkunde und goldenem Anstecker mit der Zahl 125 noch Blumen sowie ein Tütchen mit Wein, Leberwurst, Merci-Schokolade und einem Kraft-Paket. Geehrt wurden die Spenden-Jubilare von Riesas OB Marco Müller, DRK-Kreisverbandschef Horst Hofmann und Martina Wohsmann. Umrahmt wurde alles von Musikstücken, die fünf Schülerinnen der Riesaer Musikschule zum Besten gaben.

2.900 Spenden im Raum Riesa

„Blutspenden sind ganz wichtig und retten Leben“, betont Müller. „Wir als Stadt unterstützen diese Traditionsveranstaltung hier aus tiefstem Herzen!“ Unterstützung erhielt das DRK auch aus den Gemeinden Hirschstein, Stauchitz, Nünchritz/Glaubitz, Röderaue und von den Städten Großenhain und Mühlberg.

In seiner Ansprache gibt DRK-Chef Horst Hofmann auch Zahlen bekannt. „2019 fanden 59 Blutspende-Termine im Gebiet des Kreisverbandes Riesa statt. Dabei haben 31 ehrenamtliche Helfer 1.200 Arbeitsstunden geleistet. Von den 3.072 Spendenwilligen haben 2.910 gespendet, darunter auch 110 Erstspender.“

Eine einzige Blutspende kostet das DRK übrigens zehn bis 15 Euro, denn sie wird später im Labor auf diverse Krankheiten untersucht, um jede Gefahr für die Menschen auszuschalten, die später darauf angewiesen sind. Und Expertin Martina Wohsmann ergänzt: „So eine Blutspende ist nur 40 bis 42 Tage haltbar. Die roten Blutzellen altern genauso wie im Körper. Wichtig für die Spender ist auch, dass sie keine Angst haben müssen, sich jetzt bei Blutspenden mit dem Coronavirus anzustecken.“

Wer helfen möchte, kann sich online über die nächsten Spende-Termine in Sachsen und ganz Deutschland informieren. In Riesa geht es damit am 8. April weiter, in Priestewitz schon am 20. März. Aktuell ist der Bedarf von Spenden der Blutgruppe null Rh negativ am größten, aber auch bei vier anderen Blutgruppen sieht es momentan recht mau aus mit den Vorräten.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.