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Helfer für Flüchtlinge

Neukircher engagieren sich für Asylbewerber. Spenden und Einladungen sollen der Anfang sein für ein gutes Miteinander.

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© Steffen Unger

Von Carolin Menz

Einfach helfen. Nicht mehr, nicht weniger. Ursula Mrosk-Fröde sagt, es sei ihr ein Herzensbedürfnis. Die gebürtige Oberpfälzerin ist eine von gut 30 Neukirchern, die sich engagieren für die Flüchtlinge, die seit 11. Mai gemeinsam mit ihnen in der Oberlandgemeinde leben. Die gerade ankommen und sich einrichten, so weit es möglich ist, wenn die Zeit begrenzt ist. Die sich zurechtfinden müssen, wo alles fremd ist. Ursula Mrosk-Fröde gehört einer Gruppe von Bürgern an, die sich mit der Unterstützung der Asylbewerber keinesfalls isoliert sehen will von anderen Neukirchern, wie Pfarrer Jörg Briesovsky sagt. Die schon gar nicht Sorgen und Skepsis verurteilen wolle, die es immer noch gebe. Die Fremde aber eben jetzt herzlich willkommen hieße. „Wir sind froh darüber, dass es bisher gut läuft mit dem Heim“, sagt der Pfarrer. Probleme seien bislang weitgehend ausgeblieben. So soll es bleiben. Womöglich kann die Gruppe ihren Beitrag dazu leisten und das Miteinander voranbringen.

Tilo Moritz, Leiter des Neukircher Jugendhauses und als Kamenzer dabei beim Bündnis für Toleranz, ging im Sommer 2014 auf Jörg Briesovsky zu. Als feststand, dass Flüchtlinge kommen. „Er sagte, dass wir was tun sollten“, so der Pfarrer. Wie so viele andere im Dorf habe er keine Ahnung gehabt, was da auf sie alle zukommt. „Wir waren zu diesem Zeitpunkt gut zehn Leute und haben uns in den ersten Treffen zunächst bei Experten informiert über Asylrecht und Möglichkeiten der Hilfe, unter anderem beim Ausländerbeauftragten der Landeskirche oder einem Mitglied des Bündnisses für Toleranz Kamenz. Von Beginn an stand fest, dass wir hier erst konkret helfen können, wenn es einen Betreiber gibt“, so Jörg Briesovsky.

Für Familien dabei

Und nun sind die Asylbewerber da. 48 Schicksale aus acht Nationen. Die Mischung passt, sagt der Pfarrer. „Weil es eben recht viele Familien sind.“ Womöglich auch deshalb ist die Hilfewelle so enorm. Eine, mit der man nicht unbedingt rechnen konnte. „Als die Menschen eingetroffen sind, haben wir uns sofort mit dem Betreiber und der Sozialarbeiterin vor Ort getroffen, um abzuklären, was zu tun ist“, sagt Candy Winter, Sozialarbeiterin im Jugendhaus. Hier startete die erste Spendenaktion. Zwar werden die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft mit dem Nötigsten ausgestattet, doch es reicht nie. Es fehlt an allem. Aktuell an Handtüchern, Bettwäsche, Geschirr, Besteck und Dingen, die Kindern Freude machen – acht Kinder leben hier. Das jüngste noch nicht ein Jahr, das älteste 14. Bald kommt ein zweites Baby, für das dringend ein Kinderwagen gesucht wird.

Nach einem Aufruf, den viele Neukircher auch in der SZ lasen, trudeln nun täglich Spenden ein. Körbeweise. Sortiert werden sie von Mitarbeitern im Jugendhaus. Ende vergangener Woche hat Candy Winter eine erste Busladung in der Unterkunft abgegeben. Flüchtlinge halfen mit beim Ausladen und Tragen. „Sie freuen sich, wenn ihnen freundlich begegnet wird“, sagt Candy Winter. Viele Neukircher melden sich nun im Jugendhaus. Wollen etwas beisteuern, das den Alltag der Flüchtlinge angenehmer macht. „ Viele sind froh, dass wir die Verteilung übernehmen . Man klingelt da ja auch nicht einfach an der Tür“, sagt Candy Winter. „Die Sozialarbeiterin hat uns geraten, anstatt hinzugehen sollen wir die Menschen lieber einladen zu uns und Gelegenheit bieten, rauszukommen aus der Unterkunft“, sagt Ursula Mrosk-Fröde. Der Kindertag erschien der Rechtsanwältin als perfekte Gelegenheit. „Wir veranstalteten ein Treffen nur für Frauen und Kinder.“ Es gab Kuchen, Luftballons, Spiele. Und nette Gespräche. „Wir haben uns auf Russisch, Englisch und mit Händen und Füßen verständigt.“ Es genügte, um ansatzweise zu erfahren, wie unterschiedlich die Gründe der Menschen sind, ihre Heimat zu verlassen. „Es war ein Anfang“, sagt Candy Winter, die bereits ein Treffen für Flüchtlinge zwischen 20 und 30 plant.

Immer mehr Leute wollen helfen

Stetig größer werde der Kreis derer, die helfen wollen und Ideen haben. Wie der Trainer, der mit Kindern Fußball spielen will. Wie der Senior, der den Asylbewerbern Deutsch beibringen könnte. Jeder, der sich einbringen will, sei willkommen, auch weitere Spenden, sagt Candy Winter.

Spenden können im Jugendhaus auf dem Forstweg 5 immer dienstags bis freitags jeweils zwischen 9 und 19 Uhr abgegeben werden.