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Helft euch selbst!

Seit einem Jahr will die Stadt ein System aufbauen, das Fluthelfer koordinieren soll. Passiert ist bis jetzt nichts.

© momentphoto.de/bonss

Von Jana Mundus

Die Zahl der Sandsäcke war immens. Auch an der Brühlschen Terrasse. Vor einem Jahr, als Elbe, Lockwitz, Weißeritz und Prießnitz über die Ufer traten, versuchten Helfer stadtweit mit 1,6 Millionen Sandsäcken das Schlimmste zu verhindern. Knapp eine Million dieser Säcke wurden dabei allerdings nicht von professionellen Einsatzkräften gestapelt. Tausende Freiwillige packten mit an. Die folgten allerdings keinem offiziellen Hilferuf der Stadt. Vieles passierte in diesen Tagen über soziale Netzwerke im Internet. Schon kurz nach dem Hochwasser im Juni 2013 wurde darüber diskutiert, wie die privaten Helfer künftig besser koordiniert werden könnten. Auch ein Jahr später ist diese Frage noch nicht komplett geklärt.

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Die Stadt Dresden hat zumindest dazugelernt. Die sozialen Netzwerke wie Facebook oder der Nachrichtendienst Twitter waren während der Flut Umschlagsplatz für Informationen. Die Nutzer dieser Dienste tauschten sich drüber aus, wie die Lage in den einzelnen Stadtteilen ist, wo Helfer zum Stapeln von Sandsäcken gebraucht werden oder welche Straßen überflutet sind. „Wir haben in der Analyse der Ereignisse festgestellt, dass auch wir als Stadt in Katastrophenfällen mehr in den sozialen Netzwerken agieren müssen“, erklärt Heike Großmann von der Stadtverwaltung. Über ein eigenes Profil will die Stadt künftig vor allem über Facebook aktuelle Informationen verteilen. „Dafür haben wir bereits alles vorbereitet.“ Nachrichten auf der Homepage der Stadt und Informationen am Bürgertelefon soll es aber auch weiterhin geben.

In Zusammenarbeit mit dem Dresdner Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme hat die Stadt auch einen Antrag auf Geldmittel des Bundes gestellt. Für insgesamt 300 000 Euro soll eine App für mobile Geräte entstehen, mit deren Hilfe die Stadtverwaltung künftig bei Katastrophen das Geschehen in sozialen Netzwerken besser analysieren kann. „Es ist ein Werkzeug, das relevante Daten sammelt und sie für die bessere Weiterverarbeitung zusammenfasst“, erklärt André Rauschert vom Fraunhofer Institut.

So habe es vor einem Jahr unter anderem die Falschmeldung in Netzwerken gegeben, dass alle Elbbrücken gesperrt werden. „Die App würde merken, wenn sich solch eine Nachricht rasend schnell verbreitet. Die Stadt könnte die Sache zügig richtigstellen.“

Wenn alles läuft, könnte im Juli mit der Programmierung begonnen werden. „Durch die Bundestagswahl im vergangenen Jahr hat sich in den Ministerien einiges verzögert“, begründet Rauscher die Verspätung. Man habe allerdings das Signal bekommen, dass das Projekt höchste Priorität hätte. Allerdings sei diese App eben wirklich nur für den Gebrauch durch öffentliche Stellen bestimmt.

In einem anderen Fall arbeitet das Fraunhofer Institut mit dem Zivilen Katastrophen Hilfswerk (ZKHW) aus Dresden zusammen. Seinen Ursprung hat das Hilfswerk im Internet. Über eine Facebook-Seite wurden während der Flut Freiwillige koordiniert, Hilfsgüter gesammelt und letztlich sogar ein zentrales Hilfslager im Dynamo-Stadion eingerichtet. Unter dem Dach des Technischen Hilfswerks arbeiteten die Ehrenamtlichen auch nach dem Hochwasser als Projektgruppe weiter. Sie wollen vorbereitet sein. „Zusammen wollen wir eine App erstellen, mit deren Hilfe private Einsatzkräfte koordiniert werden können“, erklärt Rauschert weiter. Auch dafür werden Fördergelder beantragt, voraussichtlich 2015 kann das Projekt starten.

Bis die App einsatzbereit ist, sammelt das ZKHW erst einmal Helfer in einer Datenbank. „Die Leute können sich bei uns registrieren und wir fordern sie im Katastrophenfall an“, erklärt Mitinitiator Helge Schönlebe. Auch ansonsten will die Organisation weiter helfen, nicht nur in Dresden. In Bad Schandau führte sie vor Kurzem eine Übung für den Hochwasserfall durch, bei dem auch Multikopter zum Einsatz kamen, die als eine Art fliegendes Auge Bilder von der Situation aus der Luft liefern. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge könnte auch in Zukunft auf diese Unterstützung zurückgreifen. Bei den Starkniederschlägen in der vergangenen Woche war das ZKHW mit Spezialfahrzeugen in Meißen im Einsatz. „Auch mit der Bundeswehr sind wir im Gespräch, damit sie uns in Notfällen hinzuziehen kann.“

Einzig von der Stadt Dresden gibt es derzeit noch kein Signal für eine Zusammenarbeit. Und das, obwohl Sprecherin Heike Großmann zugibt: „Die Koordination von privaten Hilfseinsätzen können wir als Stadt auch in Zukunft nicht übernehmen. Dafür fehlt auch das Personal.“ Dafür wären ehrenamtliche Helfer notwendig. Für Helge Schönlebe eigentlich ein Punkt, um zu kooperieren. „Wir sind weiter gesprächsbereit. Zwingen können wir die Stadt aber nicht.“