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Heliatek startet endlich Produktion in Dresden

Das Hightech-Unternehmen revolutioniert mit seinen organischen Solarfolien die Branche. Und hat noch einen großen Plan.

Solartechnik von der Rolle: Die Dresdner Heliatek hat ihre erste Produktionsanlage eröffnet – für Fotovoltaik-Folien mit 1,20 Meter Breite.
Solartechnik von der Rolle: Die Dresdner Heliatek hat ihre erste Produktionsanlage eröffnet – für Fotovoltaik-Folien mit 1,20 Meter Breite. © Ronald Bonß/dpa

Stanislaw Tillich ist wieder da: Sachsens ehemaliger Ministerpräsident hat sich bisher im Landtagswahlkampf zurückgehalten. Doch am Dienstag drückte er mit seinem Nachfolger Michael Kretschmer (CDU) einen roten Knopf und startete symbolisch die erste Anlage zur Serienproduktion der Heliatek GmbH nahe dem Dresdner Elbepark.

Allerdings sollen erst Mitte nächsten Jahres die ersten marktreifen Solarfolien herauskommen. Bis dahin soll der Betrieb von 135 auf 200 Beschäftigte wachsen. Tillich sagte der SZ auf die Frage nach dem Grund seiner Teilnahme, er habe mit Heliatek von Anfang an immer wieder zu tun gehabt. Das Unternehmen könne Weltmarktführer werden.

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Tillich hatte schon 2012 bei der Eröffnung der Pilotlinie von einer „Revolution in der Fotovoltaik“ gesprochen. Am Dienstag sprach er nicht ins Mikrofon, kam aber mit Kretschmer gemeinsam in die Werkhalle und legte ihm kurz unterstützend den Arm auf den Rücken. 

Ein reiner Wahlkampfauftritt wurde allerdings nicht aus dem Fabrikbesuch: Geschäftsführer Guido van Tartwijk rügte in einer moderierten Bühnen-Fragerunde, Dresden sei für internationale Gäste nicht gut zu erreichen. Er selbst nutze aber jedes Wochenende den Direktflug nach Hause nach Amsterdam.

Ein Quadratkilometer Folie pro Jahr

Das Unternehmen Heliatek ist vom Staat stets stark unterstützt worden. Zur jüngsten Investition in Höhe von 61,5 Millionen Euro genehmigte die Sächsische Aufbaubank laut Geschäftsbericht 19,8 Millionen Euro Fördermittel. Die Pilotlinie mit 1,20 Meter Breite gilt laut Europäischer Union als Schlüsseltechnologie. 20 Millionen Euro Kredit kamen von der staatlichen Europäischen Investitionsbank.

Van Tartwijk betonte, der größte Teil der bisher investierten 115 Millionen Euro komme von privaten Investoren – darunter sind die RWE-Tochter Innogy, der französische Energiekonzern Engie und der BMW-Erbe Stefan Quandt.

Die Geldgeber können laut van Tartwijk Ende 2021 mit ersten Gewinnen rechnen. Bis dahin soll die Anlage ausgelastet sein und pro Jahr ein Million Quadratmeter Folie ausspucken. Das Produkt könnte laut Werbung eine „wirklich grüne“ Konkurrenz zu herkömmlichen Silizium-Solarmodulen werden – dank Kohlenstoffverbindungen und ungiftigen Zutaten.

Die Folien sind leicht und eignen sich daher laut Heliatek-Werbefilm vor allem für Industriehallen, sind aber auch schon zum Test an den Turm einer Windkraftanlage in Spanien geklebt worden. Nach 20 Jahren im Freien sollen sie noch 80 Prozent der Leistung schaffen, verspricht Heliatek.

Zur Feier der Fabrikeinweihung kam Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Vorgänger Stanislaw Tillich, den Technik interessiert. 
Zur Feier der Fabrikeinweihung kam Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Vorgänger Stanislaw Tillich, den Technik interessiert.  © Sebastian Kahnert/dpa

Der Geschäftsführer sagte, nach nun 30 installierten Pilotprojekten müsse bald Schluss sein mit solchen Versuchen. Es gebe genügend Nachfrage von Großkunden – auch aus Dubai und Südostasien. England benötige dezentrale Strom-Erzeugung, weil das Stromnetz nicht für die erwartete Menge an Elektroautos ausgelegt sei. Kunden mit vielen Hallen müssten ihren Kohlendioxid-Ausstoß verringern und Dächer mit Solartechnik „sofort grün machen“.

Laut van Tartwijk ist die Nachfrage höher als die Produktionskapazität. Wenn die Technik gut funktioniere und das Geld fließe, könnten 20 weitere Produktionslinien folgen – auch im Mittleren Osten und Südostasien für die Kunden dort. Mitteleuropa allerdings solle aus Deutschland beliefert werden. 

Von einem Börsengang sprach der Firmenchef im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht. Die bisherigen Geschäftsführer seien gut im Marketing gewesen, aber er müsse einige Versprechungen korrigieren. Optimistisch zu den Marktchancen äußerte sich der Dresdner Physik-Professor Karl Leo, dessen Forschung die Grundlagen für Heliatek sowie die Schwesterfirma Novaled mit Material für organische Leuchtdioden gelegt hat.

Leo sagte, dass chinesische Forscher voriges Jahr organische Solarzellen mit 17,3 Prozent Wirkungsgrad geschaffen haben. Heliatek dagegen hielt bisher den Weltrekord von 13,2 Prozent. Laut Leo aber sind diese Zahlen aus dem Labor nicht entscheidend für die tatsächliche Leistung der Solaranlage. Heliatek könne mit anderen gleichziehen. Das Vakuum-Druckverfahren von Rolle zu Rolle soll die Dresdner Solartechnik außerdem billiger machen als Glas-Module.

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