SZ +
Merken

Helle Monster sollen das Jugendhaus aufpeppen

Es sind mitunter ziemlich gruselige Grimassen, die Künstlerin Ulrike Schneider aus Erfurt mitgebracht hat. Ihre Augen und Münder sind weit aufgerissen. Ihre Körper sind wuchtig oder schmächtig und wild gemustert.

Teilen
Folgen

Von Carolin Barth

Es sind mitunter ziemlich gruselige Grimassen, die Künstlerin Ulrike Schneider aus Erfurt mitgebracht hat. Ihre Augen und Münder sind weit aufgerissen. Ihre Körper sind wuchtig oder schmächtig und wild gemustert. Eine bizarre Fratze streckt frech die Zunge raus. Das etwas moppelige Mädchen auf superdünnen Beinchen schleckt einen Riesen-Lolli. Die schaut jedoch gar nicht grimmig drein und bringt die Ferienkinder und das Team des Jugendhauses Großröhrsdorf zum Schmunzeln. Noch bis heute findet in der Einrichtung des Kinderschutzbundes Dresden der Street-Art-Workshop „Helle Monster“ statt.

Eigentlich werden die Figuren und Charaktere eher ins Freie, auf die Straße und Hauswände gemalt. Für ihren ersten Kunst-Workshop mit Kindern macht die freischaffende Künstlerin Ulrike Schneider, die in Dresden aufwuchs und heute in Erfurt lebt, eine Ausnahme. Die Restauratorin und Mitinitiatorin einer Siebdruckwerkstatt hat einige Entwürfe zur Inspiration für die Großröhrsdorfer Teenager mitgebracht. Die verrückten und fantasievollen Figuren sind allesamt in Schwarz-Weiß gehalten. „Ich liebe eben starke Kontraste“, sagt die 27-Jährige.

Öffnungszeit gesichert

Eine ganze Schar solcher Zeichnungen wird bis heute auf die Wand im Obergeschoss des Jugendzentrums angebracht. „Nachdem wir die Wand im Erdgeschoss mit einem Graffiti neu gestaltet hatten, kommt nun dieser Raum dran“, sagt Leiterin Katja Richter. Damit der Workshop trotz knapper Finanzen in den Ferien steigen konnte, hatte sie alles in Bewegung gesetzt, um Sponsorengelder aufzutreiben.

„Bei der Ostsächsischen Sparkasse hatte ich dann Glück. Sie hat uns ganz spontan 500 Euro gespendet.“ Große Sprünge sind im Ferienprogramm nicht drin. „Wir müssen jeden Cent zweimal umdrehen und genau überlegen, ob wir uns eine gemeinsame Fahrt ins Freibad leisten können. Auch, wenn sie nur 20 Euro kostet“, sagt Katja Richter. Nachdem die Stadt angekündigt hatte, den jährlichen Zuschuss um 10 000 Euro zu streichen, stand die Einrichtung auf der Kippe. Es drohten massive Einschränkungen des Angebotes und der Öffnungszeiten. Nach der Klausurtagung der Stadträte im April sicherte Großröhrsdorf dann aber doch weitere 5000 Euro zu.

„Damit konnten wir erstmal vermeiden, dass wir einen Tag zusätzlich schließen“, so Leiter Clemens Reimann. Das Jugendhaus hofft nun, von der angekündigten Neustrukturierung der Sozialräume im Landkreis Bautzen zu profitieren. (Die SZ berichtete.) „Wir hoffen, dass wir ein solches Sozialraum-Team für die präventive Jugendarbeit werden können.“ Das ständige Bangen um Gelder wäre erstmal vom Tisch: Der Landkreis würde dauerhaft für drei Jahre Fördergelder zahlen. Entsprechende Konzepte werden beim Kinderschutzbund nun erarbeitet.

Nachwuchs wird gesucht

Die jugendlichen Besucher Paul und Tina erarbeiten sich gerade eine ausgeflippte Optik für die Wand. Diese wurde zuvor gründlich geweißt, damit die Kunst wirken kann. Auf jetzt farbigem Untergrund kleben Künstlerin und Jugendliche ihre Kunstwerke durcheinander auf, die zuvor auf Papier entstanden. Nach dem Ferienworkshop wird das Jugendhaus wieder um etwas reicher, das die Jugendlichen allein gestaltet haben. Seit jeher dürfen sie bei der Gestaltung ihres Freizeittreffs mitreden.

Ab kommendem Schuljahr werden sich Katja Richter und Clemens Reimann verstärkt um Nachwuchs bemühen müssen. „Viele unserer Stammbesucher haben jetzt die Schule abgeschlossen und werden die Stadt für Lehre oder Schule verlassen“, sagt Katja Richter. Das Team wird direkt in Schulen gehen, um sich, das Jugendhaus und die Angebote vorzustellen. Denn nur, wenn die jungen Leute zahlreich kommen, ist der offene Treff in Großröhrsdorf dauerhaft zu halten.