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Bautzen

Nach Brandanschlag: Ermittler werten Spuren aus

Zu den abgebrannten Fahrzeuge der Bautzener Firma Hentschke-Bau gingen bei der Polizei mehrere Hinweise ein. Derweil wächst die Sorge der Mitarbeiter.

In der Nacht zum 5. November brannten in Bautzen mehrere Fahrzeuge der Baufirma Hentschke.
In der Nacht zum 5. November brannten in Bautzen mehrere Fahrzeuge der Baufirma Hentschke. © lausitznews.de

Bautzen. Die Serie von Brandanschlägen gegen die Bautzener Baufirma Hentschke Bau beschäftigt noch immer die Ermittler. Zuletzt hatte das Landeskriminalamt (LKA) 30.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgelobt. Daraufhin bekamen die Ermittler mehrere Informationen. Wie die Görlitzer Staatsanwaltschaft jetzt mitteilt, war aber noch kein Hinweis dabei, der den Durchbruch bei den Ermittlungen brachte.

Nicht nur den Hinweisen gehen die Ermittler jetzt nach. Auf dem großen Firmengelände von Hentschke Bau an der Zeppelinstraße in Bautzen hatten die Polizisten nach dem Brandanschlag auch etliche Spuren gesichert. Noch sind nicht alle ausgewertet. Die Ermittler gleichen die Spuren mit ihrer Datenbank ab und hoffen auf Treffer. Auch wenn sie im Laufe der Ermittlungen auf eine tatverdächtige Person stoßen sollten, können sie die DNA damit vergleichen. Nach wie vor gehe man davon aus, dass es sich beim Brandanschlag um eine politisch linksextremistisch motivierte Straftat handelt. Bewiesen sei das aber noch nicht.

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Die Firma Hentschke Bau war in den vergangenen Monaten mehrfach Opfer von Brandanschlägen geworden. Bereits im August brannte in Zwickau ein Bagger aus. Vier weitere Bagger und ein Radlader wurden nach Angaben der Zwickauer Staatsanwaltschaft beschädigt. 

Ein mulmiges Gefühl

In der Nacht zum 5. November stecken Unbekannte auf dem Hentschke Bau-Firmengelände an der Zeppelinstraße einen Bagger und einen Sattelschlepper in Brand. In derselben Nacht wurden auf dem Gelände einer Hentschke-Partnerfirma in Rodewisch zwei Lastwagen-Kipper und ein Kleintransporter angezündet. Mitte November brannte in Dresden ein VW-Caddy der Baufirma.

Am Donnerstagabend meldete sich der Betriebsrat des Unternehmens erstmals zu Wort. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind in Sorge. Viele berichten von einem mulmigen Gefühl“, erklärte Mirko Wappler, Chef des Betriebsrats der Baufirma. Gerade wenn Transportfahrzeuge angezündet werden, sei das sehr gefährlich für das Personal, betont Wappler. Es könne zum Beispiel sein, dass einer der Mitarbeiter im Fahrzeug übernachtet. Die Täter würden mit ihrer Handlung in Kauf nehmen, dass dieser Mensch verletzt wird, so der Chef des Betriebsrates.

„Manche stellen ihre Fahrzeuge nur noch an belebten Orten ab oder achten schon im Vorfeld darauf, dass ein Feuer bei einem möglichen Brandanschlag nicht auf andere Fahrzeuge oder Gebäude übergreifen kann“, schilderte Mirko Wappler die Situation. Die Sorge der Mitarbeiter, selbst Opfer zu werden, wachse.

„Wir sind der falsche Adressat“

Die Mitarbeiter des Unternehmens befürchten nicht nur weitere Anschläge, sie fühlen sich auch zu Unrecht angegriffen. Nach den Brandanschlägen in Bautzen und Rodewisch war ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Darin begründeten die mutmaßlichen Täter ihren Angriff mit dem Neubau eines Gefängnisses in Zwickau. „Beide Firmen haben Aufträge zum Bau der neuen JVA in Zwickau-Marienthal angenommen und ziehen dort fleißig die neuen Knastmauern hoch“, hießt es in dem Text, der auf der Internet-Plattform Indymedia veröffentlicht wurde.

Gegen Gefängnisse könne man friedlich demonstrieren, sagt Pressesprecher Falk Al-Omary im Namen der Mitarbeiter. „Wir bauen. Wir bestimmen nicht, was gebaut wird. Wir sind der falsche Adressat“.

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