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Heraus aus der zweiten Reihe

Dynamos Neuzugang Robert Andrich sieht bei Hertha BSC keine Perspektive – und unterliegt einem Weltmeister.

© Robert Michael

Von Daniel Klein

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Gegen Bastian Schweinsteiger hatte er dann doch keine Chance. Ein weltmeisterlicher Freistoßschlenzer gegen einen Fallrückzieher eines Hertha-Bubis – bei der Abstimmung der ARD zum Tor des Monats Dezember musste sich Robert Andrich mit dem zweiten Platz begnügen. Dabei war seine akrobatische Flugeinlage samt präzisem Abschluss zum 4:1-Endstand gegen Budissa Bautzen genauso sehenswert. Mindestens.

Es war sein letztes Pflichtspiel für Herthas U23, das Tor quasi sein Abschiedsgeschenk. Andrich steigt von der vierten in die dritte Liga auf, am Montag unterschrieb er bei Dynamo einen bis 2017 gültigen Vertrag. Für die Klubs war es ein ganz normaler Transfer, für Andrich war es eine Zäsur. Zwölf Jahre kickte er bei der Hertha, durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften, zählte zu den hoffnungsvollsten Talenten des Klubs. In der Regionalliga jedoch war erst einmal Endstation, der Sprung zu den Profis gelang ihm nicht. „Die Hertha ist mein Ausbildungsverein, dem werde ich immer dankbar sein“, erklärte der 20-Jährige gestern nach seiner ersten Trainingseinheit in Dresden. „Aber ich hatte zuletzt das Gefühl, dass es für mich dort nicht mehr weitergeht und ich den nächsten Schritt machen muss.“

Tipp vom familiären Experten

Fragt man seinen Onkel, hört sich das fast identisch an: „Bei Hertha hat er stagniert“, erzählt Frieder Andrich. „Als wir uns Weihnachten trafen, habe ich ihm deshalb empfohlen, bei einem anderen Verein einen Neuanfang zu wagen.“ Das war nicht nur ein familiärer Rat, sondern quasi ein Experten-Tipp.

Frieder Andrich stieg mit Stahl Riesa 1968 in die DDR-Oberliga auf, zählte nach seinem Wechsel zum FC Vorwärts Frankfurt/Oder zu den torgefährlichsten Spielern der höchsten Spielklasse, absolvierte zehn Europacup-Partien. 1983 beendete er seine Karriere – mit einem Spiel gegen Dynamo Dresden. „Als ich eingewechselt wurde, lagen wir 0:2 hinten“, erinnert er sich. „Ich habe das Anschlusstor geschossen und einen Elfmeter herausgeholt. Durch den Punkt kamen wir noch auf einen Europapokalplatz.“

32 Jahre später kämpft sein Neffe um einen Stammplatz in Liga drei – bei und nicht gegen Dynamo. „Mein Onkel unterstützt mich und ist stolz auf mich. Aber ich versuche jetzt erst einmal, so schnell wie möglich fit zu werden“, formuliert er bescheiden das nächste Ziel. Die Hertha-Amateure waren erst vor zwei Wochen in die Rückrunden-Vorbereitung gestartet, dem Neuzugang mangelt es deshalb noch an der Spritzigkeit. Ist die zurück, könnte er seinem neuen Arbeitgeber gleich auf mehreren Positionen helfen – im defensiven und zentralen Mittelfeld sowie im Sturm. Auf allen dreien ist Dynamo nicht gerade überbesetzt.

Bereits vergangenen Sommer hatte Sportvorstand Ralf Minge bei Andrichs Spielerberater angeklopft. Nach dem Ende der Hinrunde erneut, nun aber kräftiger, der Kreuzbandriss von Mathias Fetsch hatte die Dringlichkeit erhöht. Trotzdem einigten sich beide Vereine erst unmittelbar vor Ablauf der Transferfrist. „Es wurde gepokert, am Ende musste es dann ganz schnell gehen“, erzählt Andrich. Was man so interpretieren könnte, dass Hertha sein Eigengewächs bei laufendem Vertrag nicht ohne finanzielles Entgegenkommen der Dresdner ziehen lassen wollte. Zumindest fehlt in der offiziellen Pressemitteilung der sonst übliche Hinweis „ablösefrei“ diesmal. Man könnte es auch als Ausbildungsentschädigung deklarieren.

Egal wie Andrich bei Dynamo gelandet ist, sein Onkel hält den Verein für die richtige Wahl. „Das Umfeld ist toll, und Stefan Böger setzt auf den Nachwuchs“, meint der 66-Jährige, der als Trainer den Vorwärts-Nachfolger 1. FC Frankfurt in der Brandenburg-Liga betreut. „Beim Kopfballspiel erkenne ich Ähnlichkeiten zu mir, aber so athletisch wie Robert war ich nie“, vergleicht er. Wenn der Torriecher in der Familie bleibt, würde das reichen – für weitere Nominierungen zum Tor des Monats.

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