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Vom Fehlstart zur Camping-Nation

Mit den ersten Lockerungen erhält auch die Herberge Bahra erste Anfragen. Doch gefragt ist etwas anderes. Chronik eines schnellen Falls und langsamen Aufstiegs.

Die Bahraer Idylle hat schon Gäste aus Kanada angelockt. Auf die wird gewartet, doch dafür kommen jetzt andere.
Die Bahraer Idylle hat schon Gäste aus Kanada angelockt. Auf die wird gewartet, doch dafür kommen jetzt andere. © privat

Gerade war die Durststrecke Winter irgendwie überstanden und alle Kassen leer. Nur der Ausblick auf eine gute Saison ist zu dieser Zeit Motivation und Antrieb für Uwe Kleebaum und seine Mitarbeiter in der Herberge Bahra. "Dann kam aus heiterem Himmel, was und wofür keiner auch nur ansatzweise einen Plan hatte." Die coronabedingte Schließung aller Beherbergungsstätten bedeutete auch für Kleebaum den Entzug der geschäftlichen Grundlage.

Mit dem Wissen, sämtliche Einnahmequellen sind über Nacht weggebrochen, musste Kleebaum erst einmal umzugehen erlernen. "Nach fast 30 Jahren Selbständigkeit hat man so einige Höhen und Tiefen erlebt, aber immer gab es Möglichkeiten, Ausblicke, Hoffnung", sagt er. Doch das war nicht einfach nur ein Tief, es wurde zum Loch.

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Hilfen und Hoffnungen

Auf dem Gelände der Herberge entsteht ein neues Funktionsgebäude, die Arbeiten wurden von einem Tag auf den anderen abgebrochen. Kleebaum musste die Baufirmen nach Hause schicken, weil er jede Reserve für die laufenden Betriebskosten brauchte. Ein neuer Zuweg, das Befestigen eines Parkplatzes, Verlegen einer Elektrotrasse, Anschließen der Klärgrube des Campingplatzes an die vollbiologische Anlage der Herberge: Mit dem Ostergeschäft und den ersten Gruppen und Klassen wäre dies alles stemmbar gewesen, sagt Kleebaum. Er hat immer erwirtschaftet und wieder investiert und dafür regionale Firmen beauftragt, aus Überzeugung und weil es funktionierte. Aber Ostern 2020 fand zumindest touristisch nicht statt. Dann kam wieder Hoffnung auf. Erst durften sächsische Schulklassen in Sachsen wieder reisen, doch drei Wochen später wurden sie wieder abgesagt.

Stattdessen dürfen Dienstreisende, Erntehelfer und medizinisches Personal beherbergt werden. Doch die verirren sich nicht in die idyllische Gegend um die Herberge Bahra. Bis auf einen Monteur, der seit Anfang Mai da ist. Eine Person bei 41 Betten in zehn Zimmern. "Egal, es ist ein Anfang, es ist ein Hoffnungsschimmer."

So romantisch kann der Sonnenuntergang in Bahra sein.
So romantisch kann der Sonnenuntergang in Bahra sein. © privat

Das unkomplizierte Kurzarbeitergeld hilft, sagt Kleebaum. Damit hatte er eine Sorge weniger. "Die Mitarbeiter waren verständnisvoll und wirklich treu und loyal, weil diese Situation ja vollkommen unverschuldet entstanden war." Trotz allem verband das Gefühl, gemeinsam schaffen wir das, egal wie lange und in welchem Ausmaß. "Toll, wenn man solch duften Arbeitskräfte hat."

Mit der schnellen Ausschüttung der Soforthilfe II sind zumindest für zwei, drei Monate sämtliche Betriebskosten gedeckelt. Für sämtlich abgesagte Klassenfahrten gibt es Stornogelder. "Es dauerte zwar sehr lange, aber erste Gelder als Kompensation des zu erwartenden Geschäfts sind eingetroffen", sagt Kleebaum.

Camping voll, Herberge leer

Mitte Mai wurden die ersten Lockerungen in Sachsen erlassen. Die Menschen, wochen- und monatelang isoliert, wollen raus aus ihren vier Wänden. Am besten geht das, wo man der Natur am nächsten ist: beim Camping. "Unser kleiner Naturcampingplatz wurde regelrecht überrannt." Oft muss die Herberge machen, was sie sich lange nicht vorstellen konnte: Ablehnen, weil die Kapazität nicht ausreicht. Draußen sind Abstandsregeln kein Problem und trotzdem hat man das Gefühl von Freiheit. Deutschland auf dem Weg zur Campingnation. "Wir haben das Empfinden, ganz Deutschland gesundet gerade etwas durch dieses Verhalten." 

Der Virus macht erfinderisch: Ein Fenster als Schutz am Empfang.
Der Virus macht erfinderisch: Ein Fenster als Schutz am Empfang. © privat

Dafür ist die Herberge leer. Noch. Uwe Kleebaum und seine Mannschaft schöpfen wieder Kraft und Zuversicht. "Wenn uns die Krise eins gezeigt hat, dann dass man diese ungeahnte Herausforderung nur gemeinsam bewältigen kann." Diese positiven Momente möglichst lange in sich zu behalten, das ist jetzt Kleebaums Wunsch. "Nur wir bestimmen, wie es mit unserer Gesellschaft weitergeht, gesundheitlich, ideologisch, ökologisch, wirtschaftlich, zwischenmenschlich." Ein paar Tage in Bahra können  in jeder Hinsicht dazu beitragen.   

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