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Herberge seit 100 Jahren

Das legendäre Zirkelsteinhaus feiert Jubiläum. Im Gästebuch stehen berühmte Namen.

Von Peter Salzmann

Aufmerksamen Wächtern gleich thronen Zirkelstein und Kaiserkrone über Reinhardtsdorf-Schöna. Am Rande des Gebirgsdorfes, unweit zur tschechischen Grenze und den Zschirnstein im Blick, steht das legendäre Zirkelsteinhaus. Einst Domizil der Naturfreunde, in DDR-Zeiten Jugendherberge „Hans Dankner“ und nunmehr „Zirkelstein Resort“ – hat das Gebäude Geschichte geschrieben als Rucksackhaus. Denn von hier aus unternehmen seit 100 Jahren Wanderer und Bergsteiger ihre Touren in das Elbsandsteingebirge.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Das Zirkelsteinresort bekommt dank eines Förderprojekts das Dach saniert: Sascha Martin hat sich zwei Jahre lang mit Anträgen herumgeschlagen, bis der Zuschuss gewährt wurde. Foto: Katja Frohberg
Das Zirkelsteinresort bekommt dank eines Förderprojekts das Dach saniert: Sascha Martin hat sich zwei Jahre lang mit Anträgen herumgeschlagen, bis der Zuschuss gewährt wurde. Foto: Katja Frohberg

11 000 Übernachtungen im Jahr

Resort-Geschäftsführer Sascha Martin sieht sich mit seinem Team als Partner der Naturfreunde, die haben 1914 das Haus eröffnet. Initiator des Baus war Hans Frank, Gründervater der sächsischen Naturfreunde und bis 1933 Mitglied der Leitung des mitgliederstarken Touristenvereins.

Martin freut sich, dass 2013 über 11 000 Übernachtungen zu Buche stehen, darunter Gäste als allen Bundesländern, auch aus Holland und Tschechien.

Erfreulich ist, so betont der 34-Jährige, dass davon 50 Prozent Kinder und Jugendliche sind. 62 Betten in 13 Zimmern stehen im Festgebäude zur Verfügung, in 18 Bungalows – bis 2004 komplett neu gebaut – weitere 72 Schlafplätze. „Im Bündnis mit der Sportgemeinschaft Reinhardtsdorf und dem VfL Pirna-Copitz bieten wir Kinder- und Jugendreisen, Familienurlaub und Firmenseminare an“, sagt der Resort-Geschäftsführer und erzählt, dass auch schon die Nachwuchsfußballer von Dynamo Dresden, von Kickers Offenbach und dem 1. FC Nürnberg „unsere Gastfreundschaft genießen konnten“.

Das Gästebuch gibt Aufschluss: „Das Schatzsuchen war total toll“, schrieben Schüler des Pirnaer Herder-Gymnasiums. Stammgäste aus Bayern versicherten: „Unsere Kinder planen schon den nächsten Aufenthalt in Familie.“ Voll des Lobes sind auch die „Wandervögel“ aus Bautzen, Görlitz und Zittau, die Mädchen und Jungen der Kita „Pusteblume“, 15 Brüder aus Sachsen, Bayern und der Eifel. Die „Chemnitz-Clique“ bedankt sich für die Ausflugstipps. Natürlich und rustikal, charmant und gemütlich, stilvoll und modern das sind die Stichworte, mit denen sich das „Zirkelsteinhaus“ mit Bungalowdorf und Gästehaus „Kaiserkrone“ in unseren Tagen präsentiert. Abenteuerspielplatz, Beachvolleyballanlage, Fußballfeld, Kegelbahn, Tischtennisplatten und Basketballkörbe stehen zur Verfügung – eine Sauna auch.

Sascha Martin will die Tradition und den urwüchsigen Charakter erhalten und die Sanierung fortsetzen. So soll der Löschteich zum Badepool umgebaut werden. Doch vor allem: „Wir wollen Heimatverbundenheit vermitteln.“

Das „Zirkelsteinhaus“ hatte schon immer prominente Gäste. Hier verkehrten Hans Frank, der Bruder des Schriftstellers Leonhard Frank, der Naturfreundeaktivist Siegfried Bartosch aus Köln und der Ostrauer Reiseschriftsteller und Völkerkundler Erich Wustmann. Auch Kurt Schlosser, 1944 von den Faschisten ermordet, als antifaschistischer Widerstandskämpfer in die Geschichte eingegangen und Namensgeber eines populären Bergsteigerchors, ging im Rucksackhaus ein und aus, nachdem er am Bau aktiv beteiligt war.

Bis 1990 trug der Komplex den Namen Jugendherberge „Hans Dankner“. Als aktiver Bergsteiger und Vorstandsmitglied der „Naturfreunde-Opposition Vereinigte Kletterabteilung Sachsen“ hatte sich der gelernte Gärtner im Nationalsozialismus am antifaschistischen Widerstandskampf beteiligt, er ging in die Tschechoslowakai, um den Transport antifaschistischer Literatur nach Deutschland zu organisieren. 1939 wurde Hans Dankner in Prag festgenommen, zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Ein letztes Lebenszeichen von ihm gab es im Februar 1944.