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Wird das Kamenzer Forstfest verschoben?

Wie die Stadt auf das Verbot von Großveranstaltungen reagiert - und welche Alternativen OB Dantz jetzt sieht.

Das Kamenzer Forstfest ist das größte Schulfest Sachsens. Etwa 1.500 Schülerinnen und Schüler nehmen an den blütenreichen Umzügen teil. Ob und wann dieses Jahr gefeiert wird, ist zurzeit offen.
Das Kamenzer Forstfest ist das größte Schulfest Sachsens. Etwa 1.500 Schülerinnen und Schüler nehmen an den blütenreichen Umzügen teil. Ob und wann dieses Jahr gefeiert wird, ist zurzeit offen. © Archivfoto: Matthias Schumann

Kamenz. Die Erklärung der Bundesregierung  zu weiteren Maßnahmen in der Coronakrise am Mittwoch wurde mit Spannung  erwartet. Sie brachte Klarheiten für die nächsten Monate. Großveranstaltungen sind demnach bis Ende August nicht erlaubt.

Nun fragen sich viele Kamenzer, ob davon auch das diesjährige Forstfest betroffen ist. Der geplanter Termin dafür - 21. bis 27. August - liegt kurz vor den eventuellen Lockerungen. In den sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. Viele Menschen machen Vorschläge, andere hoffen auf Verschiebungen oder Ausnahmeregelungen. Die SZ sprach dazu mit dem Oberbürgermeister der Stadt Kamenz.

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Herr Dantz, wie war ihre erste Reaktion am Mittwochabend, als Ihnen bewusst wurde: Die Regelung betrifft auch das Kamenzer Forstfest?

Jeder Kamenzer mit Herz bereitet sich schon jetzt gedanklich auf das Forstfest vor. Und dabei kommen auch die schönen Erinnerungen an das Vorjahr hoch. Da ist so eine Botschaft, wie sie uns aus Berlin verkündet wurde, natürlich ein Schock. Das zur emotionalen Seite.

Rational betrachtet, bin ich aber sicherlich nicht der Einzige, der sich bereits in den letzten Wochen leise gefragt hat: Kann es sein, dass vielleicht sogar das Forstfest in Gefahr ist? Dieses Schulfest bedarf langer Vorbereitungen. Ich hatte beispielsweise erste Anfragen eines Gärtners. Er wollte wissen, ob er die Astern ansäen soll. Denn dafür war es an der Zeit. Ich habe ihm mit bestem Wissen und Gewissen  gesagt, dass er dies tun soll. Wir haben auch darüber geredet, wie man gemeinsam mit einem eventuellen Verlust umgehen könnte.

Das heißt, es besteht Hoffnung?

Das heißt, dass wir viele Dinge differenziert betrachten müssen und werden.  Das Prinzip Hoffnung schwingt immer mit. Wir feiern das älteste Schulfest Sachsens zum 175. Mal in der heutigen Form. Die Kamenzer wissen genau, was  sie zu tun haben, sind mit Organisation und Umsetzung bestens vertraut. Wir können auch noch später gut reagieren. Erst einmal heißt es abwarten, wie sich die Corona-Lage weiter entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass sich in den kommenden Monaten einiges tun wird. 

Wäre es möglich,  eine Terminverschiebung ins Auge zu fassen? Immerhin soll das Forstfest nur sieben Tage vor Aufhebung der strengen Maßnahmen gefeiert werden. 

Das kommt darauf an, ob wir im entscheidenden Moment die Traute haben, vom historischen Datum des Bartolomäustag, dem 24. August, abzuweichen oder nicht. Natürlich wäre es in meinen Augen auch möglich, das Forstfest  einmalig zu verschieben - in die erste oder zweite Septemberwoche beispielsweise. In diesem Jahr sind so viele Dinge anders als sonst. Und ich denke, nicht nur wir Kamenzer hätten 1.000 Gründe,  nach der Krise ausgiebig miteinander zu feiern.

Viele Organisatoren umliegender Stadtfeste oder Konzerte haben die gleichen Probleme. Es ist für uns alle bitter, auf etwas Liebgewonnenes verzichten zu müssen. Die Sehnsucht  der Menschen nach Begegnung ist da und wird wachsen. Das sollte man nicht unterschätzen. 

Sollte es wirklich zu einer terminlichen Verschiebung kommen, könnte es allerdings sein, dass die Schausteller bereits andere Verbindlichkeiten haben. Dann müsste im Notfall über einen etwas anderen Festplatz nachgedacht werden - vielleicht ohne Karussells, aber mit  einfachen Spielen, Adlerschießen, Musik, Essen und Trinken regionaler Anbieter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da ein Gastwirt kneifen würde.

Ist es eine Option, dass nur die Festumzüge stattfinden?

Ja, auch darüber kann man durchaus nachdenken.  Aber zu all diesen Fragen müssen natürlich der Stadtrat und das Forstfestkommitee in den nächsten Wochen zusammenkommen und beraten.  Vieles ist möglich, wenn man eine Tradition bewahren möchte. Am Beispiel des Osterreitens wurde dies sichtbar. Man ließ sich wunderbare Alternativen einfallen, sang zusammen und trug die frohe Botschaft auch so weiter.

Dass sogar der Freistaat Sachsen unser Forstfest gerade aktuell als Immaterielles Kulturerbe vorschlägt,  setzt meiner Ansicht nach ein hoffnungsvolles Zeichen. Wir leben unsere Traditionen. Aber selbst ein so historisches Fest hat immer noch einen Improvisationsspielraum in der Krise. Umso mehr freuen wir uns dann auf das Forstfest 2021.

Das Forstfest 2020 ist also noch nicht endgültig vom Tisch?

Das würde ich zu diesem Zeitpunkt nie behaupten! Aber im Grunde genommen gibt es drei Optionen: Entweder, es lockern sich die Auflagen bis dahin und wir können es  wie bisher angehen  - wenn auch etwas später von der Planung als sonst. Oder wir müssen das Forstfest terminlich verschieben, was gewisse Einschränkungen auf dem Festplatz und logistisches Umdenken mit sich bringt. Oder es tritt der dritte Umstand ein: Auch über den 31. August hat Corona uns fest im Griff, so dass das Fest  abgesagt werden muss. Davon gehe ich momentan nicht aus.

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