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Herr Kahl, erkennen Sie gestohlene Diamanten?

„Bares für Rares“-Star Fabian Kahl spricht über den Kunstdiebstahl von Dresden und seinen Besuch im Schloss Promnitz.

Bei Diamanten müssen Experten mit Lupe ganz genau hingucken, um den Wert zu ermitteln. Auch Fabian Kahl (nicht im Bild) kennt sich damit aus.
Bei Diamanten müssen Experten mit Lupe ganz genau hingucken, um den Wert zu ermitteln. Auch Fabian Kahl (nicht im Bild) kennt sich damit aus. © wikimedia.org / Delphinebraas /

Riesa. Auf dem Weihnachtsmarkt am Wochenende im Schloss Promnitz können Besucher wertvolle Erbstücke oder andere Antiquitäten schätzen lassen. Am Sonntag ab 10 Uhr kommt dafür„Bares für Rares“-Star Fabian Kahl nach Promnitz. Gemeinsam mit seinem Vater Holger und seinem Bruder Tobias will er Expertisen abgeben. 

Nach dem Kunstraub im Grünen Gewölbe ist der 28-Jährige ein gefragter Mann. Die SZ sprach mit dem sympathischen Wahl-Leipziger.

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Herr Kahl, rechnen Sie damit, dass am Wochenende jemand mit den Brillanten aus dem Grünen Gewölbe bei Ihrer Benefizaktion im Schloss Promnitz auftaucht?

Also wissen kann man es ja nie. Aber wenn, dann stellen wir in Promnitz die Diebe. Das wäre doch in Ordnung.

Kennen Sie die Schätze aus dem Grünen Gewölbe so genau, dass Sie sie sofort wiedererkennen würden?

Nein, ich kenne nicht jeden einzelnen Schatz. Aber man sieht schon – gerade jetzt, wo es so frisch ist – ob es etwas königliches oder kaiserliches ist. Also, ob es extra angefertigt wurde für den Kurfürsten August den Starken oder ob es eben nicht der Fall ist. Ich glaube, diese Qualität sieht man auf jeden Fall. 

Ich weiß nicht, um welche Sachen es sich genau handelt. Es soll sich ja um etwa hundert Einzelstücke handeln. Aber wenn so etwas Hochkarätiges auf den Markt kommt, forscht man natürlich nach. Und da kommt man ganz schnell drauf, dass es aus dem Grünen Gewölbe stammt.

Ganz in Familie am heimatlichen Schloss Brandenstein: Fabian Kahl (l.) mit seinen Eltern Kerstin und Holger sowie Bruder Tobias.
Ganz in Familie am heimatlichen Schloss Brandenstein: Fabian Kahl (l.) mit seinen Eltern Kerstin und Holger sowie Bruder Tobias. © privat

Vorausgesetzt, dass die gestohlenen Schätze so erhalten bleiben. Wie zum Beispiel dieser polnische Orden von August dem Starken, der aus lauter Brillanten angefertigt wurde.

Nun ja, es macht für mich eigentlich nicht viel Sinn, dass die Diebe eingebrochen haben, um diese Sachen auseinanderzunehmen. Jedes einzelne Stück ist ja viel mehr wert, weil es aus dem Privatbesitz August des Starken kommt und natürlich auch Teil der Ausstellung im Grünen Gewölbe war. Das macht ja eigentlich den Wert aus. Dieser Schatz ist eine einmalige Sache. Von daher wäre es totaler Schwachsinn, die Einstücke zu zerstören und die Brillanten einzeln zu verkaufen. Dafür muss man nicht ins Grüne Gewölbe einbrechen. Auf der anderen Seite sind diese bekannten Kostbarkeiten schwer zu verkaufen. Also meiner Meinung nach war der Kunstraub ein Auftragsdiebstahl.

Es gibt Experten, die befürchten, dass die Kunstschätze tatsächlich zerstört werden, und die alten Brillanten einen modernen Schliff erhalten könnten. Kann man erkennen, ob ein Brillant nachgeschliffen wurde?

Nein. Er sieht dann aus, wie jeder andere Brillant auch. Den erkennt man danach nicht wieder. Keine Chance.

Viele Sachsen kennen Sie ja aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“. Wenn es um Glitzerzeug geht, bieten Sie meistens mit und schauen sich Gold und Edelsteine ganz genau an. Wie gut kennen Sie sich damit aus?

Ich mag Schmuck sehr gerne, aber es ist nicht mein Hauptgebiet. Ich handele mit allen Antiquitäten, bei denen ich denke, dass es ein gutes Geschäft sein könnte und es auch Interessenten gibt. Aber Schmuck liegt mir sehr am Herzen. 

Doch bevor ich bei „Bares für Rares“ eingestiegen bin, wusste ich kaum etwas darüber. Dort habe ich Wolfgang Pauritsch (Das ist der Kunsthändler, der bei „Bares für Rares“ meistens in der Mitte der Experten steht, Anm. d. Red.) oft die Schulter geschaut. Wir haben uns angefreundet und er hat mir vieles erklärt. Und so kam für mich ein neues Fachgebiet hinzu, nämlich der Schmuckhandel.

Womit handeln Sie normalerweise?

Eher Porzellan. Aber Schmuck, Münzen und alten Uhren kaufe ich auch gern. Eigentlich alles, was man auf Möbel stellen kann.

Aber gesetzt den Fall, jemand bringt am Sonntag Diebesgut nach Promnitz mit – es muss ja nicht die Beute aus dem Grünen Gewölbe sein – kann man gestohlene Dinge erkennen?

Naja, man könnte in einer Liste über gestohlene Kunstwerke nachschauen. Aber diese Liste ist viele, viele Seiten lang. Kein Kunsthändler macht sich die Arbeit und schaut in dieser Liste nach, ob der angebotene Gegenstand vielleicht mal irgendwo gestohlen wurde. Das ist halt schwierig. 

Das Einzige, was ich als Händler machen kann, ist, mich mit einer Quittung abzusichern. Und wenn dann mal irgendwann rauskommt, dass ein Kunstobjekt gestohlen wurde, habe ich die Adresse und kann sie der Polizei weitergeben.

Das setzt voraus, dass die Personalien stimmen. Müssen Leute, die am Sonntag nach Promnitz kommen, um Erbstücke schätzen zu lassen und vielleicht an Sie verkaufen zu wollen, ihren Personalausweis mitbringen?

Nein, das müssen sie nur ab einem Wert von 10.000 Euro machen. Ansonsten nicht.

Machen Sie solche Benefizaktionen für die Restaurierung alter Schlösser, wie in Promnitz, häufig?

Ja, das mache ich auch. Und natürlich jeden Sonntag bei uns zuhause auf Schloss Brandenstein. Ob die Leute ihre Dinge verkaufen wollen oder nicht, spielt erst mal keine Rolle. Wir sagen den Leuten, was sie da besitzen, was es wert sein könnte und was wir dafür bezahlen würden.

Wie groß ist der Anhänger, den Sie dann am Sonntag mitbringen?

Ich habe ein großes Auto, also einen Transporter. Das passt.

Viele Leute werden allein wegen Ihnen am Sonntag zum Weihnachtsmarkt ins Schloss Promnitz kommen. Müssen sie Eintritt zahlen, der dann für die Restaurierung des Schlosses gespendet wird?

Nein, Eintritt nehmen wir keinen. Aber für jede Expertise wird eine Spende erbeten. Und dieses Geld wird am Ende gesammelt und dem Verein auf Schloss Promnitz zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus geht es bei dieser Aktion auch darum, das Schloss wieder ins Gedächtnis der Leute zurückzuholen.

Gespräch: Jörg Richter

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