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Ein Pirnaer kämpft für die Riesenantenne

Wolfgang Lill erklärt, warum er den Mast in Wilsdruff für erhaltenswert hält und was Wettermann Jörg Kachelmann dort tun würde.

Wolfgang Lill aus Pirna unterstützt die Wilsdruffer im Kampf um ihr Wahrzeichen, die Riesenantenne auf der Birkenhainer Höhe.
Wolfgang Lill aus Pirna unterstützt die Wilsdruffer im Kampf um ihr Wahrzeichen, die Riesenantenne auf der Birkenhainer Höhe. © Karl-Ludwig Oberthuer

Längst sind es nicht nur Wilsdruffer, die sich für den Erhalt der Wilsdruffer Riesenantenne einsetzen. Unterstützung kommt auch aus Dresden und vielen anderen Städten und Gemeinden, vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg. 

Auch Wolfgang Lill (69) aus Pirna setzt sich dafür ein, dass der Sender erhalten bleibt. Der Maschinenbau-Ingenieur kämpft an der Seite vom Förderverein Wilsdruff und dem Technikverein Funkturm Wilsdruff für den Erhalt des Senders. Sächsische.de  wollte von ihm wissen, was einen Pirnaer antreibt, sich für das Technische Denkmal auf der anderen Seite des Landkreises einzusetzen.

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Herr Lill, Sie arbeiten als freiberuflicher Baustoffhändler in Pirna. Warum kämpfen Sie für den Erhalt des Senders in Wilsdruff?

Die einen sammeln Münzen, die anderen Briefmarken. Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für Rundfunkgeschichte. Seit 2003 arbeite ich als ehrenamtlicher Redakteur des Internet-Portals radiomuseum.org mit - es ist die weltweit größte Plattform, die sich mit Radio- und Fernsehgeschichte befasst. Der Sender in Wilsdruff ist für die Entwicklung des Rundfunks in der DDR wichtig gewesen. Deshalb hat er auch mein Interesse geweckt. Er ist nicht nur ein Technisches Denkmal, sondern auch eine ganz besondere Anlage. Die Bauart auf der Birkenhainer Höhe ist die letzte Anlage ihrer Art in Deutschland. Sind wir wirklich so arm, dass wir ein solches einzigartiges Denkmal, viele Wilsdruffer sprechen sogar von ihrem Wahrzeichen, nicht erhalten können? Ich sage Nein. Deshalb setze ich mich für den Erhalt ein.

Die Media Broadcast als Besitzerin der Antenne führt an, dass die Unterhaltung zu teuer ist und der 2013 stillgelegte Mast nicht genutzt werden kann. Zweifeln Sie an dieser Darstellung?

Ja. Zunächst zu den Kosten. Die Media Broadcast hatte angegeben, dass die jährliche Unterhaltung der Anlage mehr als 100.000 Euro kosten würde. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mich intensiv mit anderen, ähnlichen Anlagen befasst und stehe dazu auch mit Experten in Kontakt. Deshalb kenne ich die Kosten anderer vergleichbarer Sendeanlagen. Die bewegen sich zwischen 27.000 und 35.000 Euro im Jahr. Ich habe den Verdacht, dass die Media Broadcast ihre Kosten hochgerechnet hat, um den von ihr geplanten Abriss besser begründen zu können. Und der wird richtig teuer. Denn nicht nur der Mast soll abgerissen werden, auch der Erdkollektor soll raus . Er erstreckt sich auf einer Fläche von rund 3.800 Quadratmetern und befindet sich 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Der Boden gilt als kontaminiert und muss ausgetauscht werden.

Fakt ist aber auch, dass das Unternehmen nur Kosten und keine Einnahmen hat, denn der Sender wurde am 6. Mai 2013 außer Betrieb genommen.

Das stimmt. Deshalb habe ich zusammen mit dem Technikverein Wilsdruff und dem Förderverein Funkturm Wilsdruff Vorschläge erarbeitet, wie eine Weiternutzung aussehen könnte. Es würde sich anbieten, den Turm für die Betreibung des G-5-Netzes umzurüsten. Das hätte mehrere Vorteile. Zum einen müsste der Turm nicht abgerissen werden. Das würde Kosten sparen. Zum anderen könnte die Suche nach einem Standort für einen neuen Mast beendet werden. Wie ich erfahren habe, wurde bisher noch keine Fläche gefunden, um einen neuen Turm in Nähe der Autobahn zu errichten, weder zur Pacht noch zum Kauf. Der Bau eines solchen Turms ist nicht billig, es ist mit einer Investition in Höhe von drei Millionen Euro zu rechnen. Denn die Fläche muss erschlossen werden, es muss ein Weg dorthin angelegt und Leitungen dorthin verlegt werden. Angesichts der Kosten, die die Corona-Krise verursachen wird, wäre diese Investitionen nur schwer zu rechtfertigen. Was mir völlig unverständlich ist, dass der frühere Mittelwellensender Burg bei Magdeburg als G-5-Mast genutzt werden, der Wilsdruffer Mast kann nach Aussagen der Media Broadcast dagegen nicht dafür verwendet werden.

Können Sie sich vorstellen, dass der Mast für Richtfunk genutzt werden kann?

Nein. Da es sich um einen Stahlmast handelt und es an der Stelle sehr windig ist, kommt eine Nutzung für den Richtfunk nur bedingt infrage. Aber dafür hat die Telekom Mitte der 90er-Jahre einen Stahlbetonmast errichtet, der kann ja bestimmt noch 50 Jahre weitergenutzt werden. 

Stattdessen hat aber der bekannte Wetterfachmann Jörg Kachelmann angeboten, dort eine Wetterstation unterzubringen. Diese könnte ins Antennenhaus einziehen, auf der Mastspitze könnte eine Blitzmessanlage installiert werden.

Was wollen Sie tun, um die Media Broadcast von ihrem Vorhaben abzubringen?

Ich würde mich gern mit den Verantwortlichen unterhalten und ihnen meine Vorschläge erläutern. Ich hatte beide Geschäftsführer angeschrieben und erläutert, welche Möglichkeiten es gibt. Die Media Broadcast reagierte bisher auf keines meiner Schreiben.

Stehen Ihnen die Denkmalschützer zur Seite?

Ich habe schon sehr zeitig versucht, Hilfe von den obersten Denkmalschützern im Freistaat zu bekommen. Es war nicht leicht, den Kontakt dorthin aufzubauen. Denn mit der Regierungsneubildung wanderte der Denkmalschutz vom Innen- zum Regionalentwicklungsministerium. Inzwischen konnte ich mit dem Verantwortlichen sprechen und ihm meine Befürchtungen mitteilen, dass das Denkmalflächenobjekt in seiner Gesamtheit gefährdet ist. Für mich ist inzwischen klar geworden: Nur der Staat kann noch helfen, die Vernichtung des Denkmales in seiner Gesamtheit abzuwenden. Fällt der Mast, dann ist das Denkmal uninteressant.

Herr Lill, letzte Frage: Welchen Radiosender hören Sie am liebsten?

Die tschechischen Sender. Mit denen halte ich meine Tschechisch-Kenntnisse frisch. Die Sprache unserer Nachbarn habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt, aufbauend auf der russischen Sprache, die ich in der Schule gelernt habe. Russisch und Tschechisch sind miteinander verwandt, deshalb fiel es mir leicht, auch Tschechisch zu lernen. Die Sprache hilft mir auch in meiner Tätigkeit als Baustoffhändler, da einige meiner Partner in Böhmen tätig sind. Mir ist es dank der Sprachkenntnisse auch gelungen, fast alle großen Radiosendeanlagen in Tschechien zu besuchen. Meine Erlebnisse habe ich auf unseren Internetseiten veröffentlicht. In Wilsdruff ist es mir bisher noch nicht möglich gewesen, den Sender, beziehungsweise das, was noch übrig ist, aus nächster Nähe anzuschauen. Das würde ich gern nachholen. Der Eigentümer könnte ja mal einen Tag der offenen Tür für interessierte Besucher veranstalten.

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