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Herr Professor DJ

Am Vormittag fordert der Wissenschaftler in Dresden seine Studenten. Am Abend lässt er sie tanzen. Und hofft auf gute Noten.

© momentphoto.de/bonss

Von Kai-Uwe Reinhold

Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps, so lautet ein Sprichwort, das auch für Andreas Hilbert gilt. Der 48-Jährige arbeitet seit 2004 als Wirtschaftsinformatiker an der TU Dresden. Seine Studenten kennen ihn als resoluten Professor, der Störenfriede auch schon einmal aus der Vorlesung wirft. Im Dienst folgt er dem konservativen Dresscode, den seine Stellung verlangt. „Schlips und Kragen gehören dazu. Schließlich habe ich als Wirtschaftsprofessor eine Vorbildfunktion“, sagt Hilbert.

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Doch sind die 90 Minuten der Vorlesung vorbei und das Büro im Schumann-Bau geschlossen, dann wählt der Professor eine andere Rolle mit weniger Etikette. Mit dem Motorrad düst er durch die Stadt. Auch wenn in die Sommerschwüle hinein Gewitter angesagt sind. „Für den Fahrtwind lohnt sich das“, sagt er. Und ist er nicht mit seinem Gefährt unterwegs, steht er hinter den Turntables. Der Prof als DJ – auch das gehört zu seiner anderen Rolle.

Die kennen seine Studenten gut. Vor allem jene, die in den letzten beiden Jahren zur Nikolausparty ins Dresdner Arteum pilgerten. Dort brachte Andreas Hilbert unter dem Pseudonym „DJ Sunglasses alias A.H.“ die partywillige Studentenschaft zum Tanzen. Am Donnerstag nun tauscht er das nächste Mal Rednerpult und Mikrofon gegen DJ-Pult und Kopfhörer. Dieses Mal legt er im Kraftwerk Mitte zur ersten Dresdner Professorennacht auf.

Studenten bewerten ihren Professor

Unter dem Motto „Mein Prof ist ein DJ“ stehen neben Hilbert vier weitere Dresdner Professoren hinter den Plattentellern. Dabei sind ein Biometrie-Experte, ein Professor für Luftfahrt, ein Kommunikationswissenschaftler und ein Konstruktionstechniker. Die Veranstaltung tourt bereits durch andere deutsche Städte wie Potsdam, Hamburg und Konstanz. Die Studenten sollen dabei nicht nur tanzen, sondern auch ihre Professoren bewerten. Noten gibt es nicht, dafür viel Applaus. Legt Andreas Hilbert sonst in seinen Vorlesungen viel Wert auf Ruhe, entscheidet nun die Lautstärke.

Den goldenen Notenschlüssel für den besten DJ hätte Andreas Hilbert gern in seinem Büro stehen. „Letztlich geht es aber um etwas ganz anderes“, sagt er. Jenseits des strengen Universitätsalltags zählt für ihn der Spaß, den Studenten einmal auf andere Weise zu begegnen. Das ist ihm wichtig. Verlangt er doch sonst von seinen Studenten Disziplin und Fleiß. „In meinen Vorlesungen sollen die Studenten schließlich etwas lernen“, sagt er.

Privat hört er gern und oft Musik. Ob beim Kochen, im Arbeitszimmer oder während der Motorradfahrt: Stets läuft das Radio, eine CD oder eine digitale Playlist. Laut muss es sein und richtig krachen. Hilbert mag Rock und Punk. „Zum Leidwesen meiner Frau“, sagt er. Seine musikalischen Vorlieben bringt er zur Professorennacht mit. Scooter, Green Day und Die Toten Hosen will er auflegen. Schlips und Kragen tauscht er dann gegen Jeans und T-Shirt – das passende Outfit für seine Rolle fern der Universität. Den Geschmack von Schnaps weiß er schließlich auch zu schätzen.

Die Professorennacht am 19. Juni im Kraftwerk Mitte:

www.professorennacht.de