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Glanz und Last: Alte Herrenhäuser im Neißeland

Ob verfallen oder saniert - sie sind Zentren in den Dörfern zwischen Görlitz und Niesky. Neun Beispiele, wie es um die Gebäude steht.

Großer Augenblick im Oktober 2019: Die Kinder der Kita erobern den neuen Spielplatz, der zum Kinderschloss Waldhufen gehört. Das imposante Bauwerk (im Hintergrund) wurde in den vergangenen Jahren saniert.
Großer Augenblick im Oktober 2019: Die Kinder der Kita erobern den neuen Spielplatz, der zum Kinderschloss Waldhufen gehört. Das imposante Bauwerk (im Hintergrund) wurde in den vergangenen Jahren saniert. ©  Archiv/André Schulze

Fast jede Gemeinde rund um Niesky hat mindestens eins dieser imposanten Bauwerke zu bieten. Ob richtiges Schloss, Rittergut oder Herrenhaus - es ist nicht leicht, die oft riesigen Immobilien sinnvoll zu nutzen. Wie das gelungen ist und wo es noch ansteht, dafür hat die SZ einige Beispiele herausgesucht.

Das Rittergut Kosel sucht neuen Eigentümer

Rittergut Kosel.
Rittergut Kosel. © André Schulze

Rund 130 Jahre hat das Rittergut Kosel auf dem Buckel. Einst als Herrenhaus erbaut, wurde es in den vergangenen 20 Jahren nur noch auf Verschleiß betrieben. Eine Wohnung ist derzeit noch vermietet. Eigentümerin ist die Stadt Niesky. Sie bietet die Immobilie jetzt zum Verkauf an. Mindestgebot: 10.350 Euro. Steffi Mütze von der Liegenschaftsverwaltung macht klar, was vom neuen Eigentümer erwartet wird: "Der Kaufvertrag ist mit einer Sanierungsverpflichtung verbunden." Diese umzusetzen, dürfte allerdings nicht einfach sein. Immerhin steht das Objekt, zu dem noch Garagen, Nebengebäude und rund 7.500 Quadratmeter Land gehören, auf der Denkmalliste.

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Baubeginn im Herrenhaus Särichen steht kurz bevor

Herrenhaus Särichen.
Herrenhaus Särichen. © André Schulze

Bauplaner Holger Kliemt, der das aus dem Jahre 1615 stammende und im 18. Jahrhundert erweiterte Gebäude im November 2017 erworben hat, ist optimistisch, dass die Bauarbeiten in Kürze beginnen können. Zuletzt musste er die Denkmalschutzbehörde davon überzeugen, dass hier eine energetische Sanierung möglich ist. Dazu wurde an einer Seite des früheren Herrenhauses ein Dämmputz aufgetragen, der offenbar alle Forderungen der Denkmalschützer erfüllt. Entstehen soll ein Haus für Mehrgenerationenwohnen. Acht Wohneinheiten sind geplant, zwei davon mit interessanten Maisonette-Lösungen. Die Bauzeit veranschlagt Kliemt, der selbst aus Särichen stammt, mit einem reichlichen Jahr.

Herrenhaus Schönfelder wird Kodersdorfer Ärztehaus

Herrenhaus Schönfelder in Kodersdorf.
Herrenhaus Schönfelder in Kodersdorf. © André Schulze

Auch wenn es mit der Finanzierung im vergangenen Jahr nicht geklappt hat - das Herrenhaus Schönfelder ist in Kodersdorf weiterhin als künftiges Ärztehaus vorgesehen. Laut Bürgermeister Schöne wird das Projekt "Magisches Dreieck", zu dem der einstige Sitz des Verwaltungsverbandes als einer von drei Bestandteilen gehört, in diesem Jahr erneut zur Förderung über das Programm "Vitale Dorfkerne" eingereicht. Ziel ist, 2021 mit dem Umbau zu beginnen. Für geschätzte 2,2 Millionen Euro sollen auf den drei Etagen insgesamt knapp 950 Quadratmeter Praxis- und Bürofläche entstehen. Neben zwei Arztpraxen soll hier auch die kommunale Inklusionsgesellschaft einziehen, die den benachbarten Bauhof betreibt.

Schloss Spree soll für 395.000 Euro den Besitzer wechseln

Schloss Spree.
Schloss Spree. © André Schulze

Zahlreiche Um- und Ergänzungsbauten haben die Geschichte von Schloss Spree in den vergangenen Jahrhunderten geprägt. 1380 errichtet, wurde es 1712 durch einen Brand stark beschädigt. 1748 erlebte es seinen Wiederaufbau. Den Turm bekam das Gebäude erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit Kriegsende haben hier viele Generationen von Spreern gewohnt. Nun möchte der französische Eigentümer das repräsentative Objekt verkaufen. Allerdings müssen Interessenten eine Menge Geld mitbringen, immerhin soll das Schloss mit seinem knapp 4.500 Quadratmeter großen Grundstück die stolze Summe von 395.000 Euro kosten. Die Sanierung muss mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden.

Schloss Niederspree dient wieder dem Naturschutz

Schloss Niederspree.
Schloss Niederspree. © André Schulze

Zurück zu den Wurzeln, zumindest zu den jüngeren. So sieht die Zukunft von Schloss Niederspree aus. Denn der Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft möchte daraus ein Naturschutzzentrum machen. Diese Funktion erfüllte das Objekt schon einmal direkt nach der politischen Wende. Zuvor hatte es zeitweise als Frauengefängnis, Forstschule, Pilotenunterkunft und Stasi-Quartier gedient. Die Überwachungsbehörde der DDR war es auch, die in den 1980er-Jahren die letzte Sanierung veranlasste. Geführt werden soll das Schloss künftig wie ein Landschulheim - gedacht für Schulklassen, die hier übernachten und Veranstaltungen durchführen wollen.

In Jänkendorf residieren die Kinder im Schloss

Schloss Jänkendorf.
Schloss Jänkendorf. © André Schulze

Schloss Jänkendorf ist in den vergangenen Jahren zu einem echten Schmuckstück gereift. Und weil hier die Jüngsten der Gemeinde das Sagen haben, nennt sich das Objekt auch Kinderschloss. Früher war in dem einstigen Herrenhaus eine Grundschule untergebracht. 2013 entschied der Waldhufener Gemeinderat, das historische Gemäuer künftig als Kindereinrichtung zu nutzen. In drei Bauabschnitten wurden dafür mehr als 4,1 Millionen Euro investiert. Erst im Herbst 2019 durften sich die kleinen Schloss-Nutzer das letzte Mal freuen: Da wurde im Außengelände der Spielplatz eingeweiht.

Schloss Kreba ist Ausbildungsort für die Jugend

Schloss Kreba.
Schloss Kreba. © André Schulze

Noch heute ist Schloss Kreba zentraler Anlaufpunkt im Ort. Zwar wohnt hier schon längst keine Herrschaft mehr, vielmehr gehen jetzt die Dorfbewohner ein und aus. Aus dem Schloss ist das Haus der deutsch-polnischen Vereine geworden. Hier wird die Zusammenarbeit mit den Partnern aus Wymiarki und Niegoslawice gepflegt. Außerdem ist hier die Brüder-Grimm-Grundschule untergebracht. Zusammen mit dem Hort nimmt sie den Großteil der Platzkapazitäten in Beschlag.

Bremenhain: Herrenhaus hui, Rittergut pfui

Herrenhaus Bremenhain.
Herrenhaus Bremenhain. © André Schulze

Das einstige herrschaftliche Anwesen in Bremenhain ist zweigeteilt. Herrenhaus und Rittergut befinden sich jeweils in Privatbesitz. Doch während das gut sanierte Herrenhaus seit dem Tod der früheren Bewohner 2018 leer steht und trotzdem noch einen äußerst respektablen Eindruck macht, sieht es um die anliegenden Flächen und Gebäude des Rittergutes viel bescheidener aus. Ortsvorsteher Achim Wergien hofft, dass die Ruinen des früheren Turmhauses und mehrerer Ställe bald verschwinden. Deshalb soll es demnächst ein Gespräch mit dem Denkmalschutz geben. Sollte sich der benachbarte Rothenburger Flugplatz tatsächlich zum Zentrum des Flugzeugrecyclings entwickeln, sieht Wergien auch neue Verwendungsmöglichkeiten für das Herrenhaus: vielleicht dann als Verwaltungssitz.

Schloss Gebelzig dient der jungen Generation

Schloss Gebelzig.
Schloss Gebelzig. © André Schulze

In voller Schönheit steht das 1838 erbaute Schloss in Gebelzig da, mit dem das 1371 erstmals erwähnte Rittergut damals ergänzt wurde. Schon mit seiner Entstehung wurde das Schloss von den Gutsbesitzern als Schulgebäude konzipiert. Und diese Funktion erfüllt es noch heute. Neben der Grundschule Hohendubrau ist auch der Hort hier untergebracht. Ergänzt wird die Nutzung durch die Kita "Abenteuerschloss". Mit seinem gut sanierten Äußeren ist das Gebäude Mittelpunkt des neu gestalteten ehemaligen Gutshofensembles.

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