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Herrenhaus Kauppa vor ungewisser Zukunft

Sechs Sozialwohnungen gibt es in der alten Villa. Die müsste dringend saniert werden. Die Gemeinde steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Das ehemalige Herrenhaus auf dem Kauppaer Rittergut ist idyllisch gelegen und äußerlich hübsch anzusehen. Aber der Sanierungsrückstau macht Großdubraus Bürgermeister Lutz Mörbe Sorgen.
Das ehemalige Herrenhaus auf dem Kauppaer Rittergut ist idyllisch gelegen und äußerlich hübsch anzusehen. Aber der Sanierungsrückstau macht Großdubraus Bürgermeister Lutz Mörbe Sorgen. © SZ/Uwe Soeder

Großdubrau. Die Eingangstür gleicht mit ihrem Rundbogen eher einem Portal. Hölzerne Fensterläden halten die Sonne ab. Gleich neben dem Haus fließt träge die Spree. Über eine kleine Brücke gelangt man in den Garten.

Das ehemalige Herrenhaus auf dem Kauppaer Rittergut kann bei Träumern schnell Begehrlichkeiten wecken. Darüber täuschen auch die im Innenhof abgestellten Autofragmente und die verfallende Schönheit des ehemaligen Mühl- und Torhauses vis á vis nicht hinweg. Während sich das Herrenhaus im Eigentum der Gemeinde befindet, teilen sich in die restlichen Gebäude des weitläufigen Areals zahlreiche private Besitzer.

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Das sächsische Landesamt für Denkmalpflege stuft das Rittergut in seiner Gesamtheit als "baugeschichtlich, ortsgeschichtlich und ortsbildprägend von Bedeutung" ein. Dennoch ist der Verfall der historischen Bausubstanz augenscheinlich. Das Herrenhaus bildet hierbei die Ausnahme - wenigstens auf den ersten Blick.

Lage und Aussehen des Herrenhauses laden zum Träumen ein. Zum Wohnen ist der Standard aber nicht mehr zeitgemäß.
Lage und Aussehen des Herrenhauses laden zum Träumen ein. Zum Wohnen ist der Standard aber nicht mehr zeitgemäß. © SZ/Uwe Soeder

Großdubraus Bürgermeister Lutz Mörbe (parteilos) winkt ab: "Wir haben hier deutlichen Sanierungsstau", sagt er und führt um das Gebäude herum. Hinten wird gerade die Fassade frisch gestrichen. "Das können wir uns noch leisten. Aber das Gebäude ist zum letzten Mal vor 25 Jahren saniert worden. Es entspricht einfach nicht mehr dem Standard, der heute gesucht wird."

Hier liegt das Problem: "Künftig wird es schwer, die Immobilie als Vermieter kostendeckend zu betreiben", sagt Mörbe. Eine Wohnung im Erdgeschoss sei derzeit wegen Feuchtigkeit nicht bewohnbar. Darüber hinaus gehen erste Schätzungen davon aus, dass die Modernisierung von jeder der sechs Wohneinheiten etwa 25.000 Euro kosten wird. Ein Austausch der alten Ölheizung, bessere Wärmedämmung – all das müsste die Gemeinde finanzieren. "Keine Frage, es ist ein wunderschönes Gebäude, das ich gern im Portfolio halten würde. Aber wir müssen auf die Pfenn'ge gucken", sagt Mörbe.

Keine vorschnellen Entscheidungen

Ob die Gemeinde die Immobilie auch in Zukunft weiter bewirtschaftet, muss nun der Gemeinderat entscheiden. In der Sitzung Ende Mai gab es dazu eine erste Beratung. Das Ergebnis: Nicht vorschnell handeln!

"Wir wollen uns das Gebäude bei einer Vor-Ort-Begehung in der Tiefe anschauen und dann entscheiden, was wir tun: verkaufen oder behalten", so Mörbe. Bei der Entscheidung der Räte werden aber nicht nur die notwendigen Investitionen eine Rolle spielen. "Wir haben als Gemeinde ja auch eine soziale Aufgabe. Und die besteht darin, Wohnraum für eine weniger finanzkräftige Bevölkerungsschicht vorzuhalten." 

25 bis 30 solcher Sozialwohnungen vermietet Großdubrau aktuell, schätzt Mörbe. Auch die sechs Einheiten im ehemaligen Herrenhaus Kauppa zählen dazu. Ihr Verlust würde schmerzen. "Aber wenn wir jetzt sanieren und den Mietpreis um – sagen wir mal – einen Euro pro Quadratmeter anheben müssten, was wäre dann?", fragt der Bürgermeister und deutet ins Dachgeschoss. Dort, erzählt er, stehe schon länger eine Wohnung leer. Zuletzt hätten dort Leute gewohnt, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Haus gebaut haben und deshalb nach kurzer Mietdauer wieder ausgezogen sind. Die Fluktuation sei hoch. 

Zufahrt zum Grundstück wird saniert

Ganz untätig bleibt die Gemeindeverwaltung bis zur Entscheidung des Gemeinderates aber nicht. Die Brücke in den Innenhof, die einzige offizielle Zufahrt zum Herrenhaus, wird demnächst saniert. Auch das, so Mörbe, sei Aufgabe der Gemeinde, da es sich hierbei um eine gewidmete Straße handle. Kostenpunkt: etwa 100.000 Euro, finanziert zu 65 Prozent aus Fördermitteln.

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