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Herrenloser Koffer legt Gleis nach Polen lahm

Ein Trolley in einem Zug aus Dresden sorgte am Donnerstag für einen Polizeieinsatz und Straßensperrungen in Görlitz. Unser Reporter erlebte alles hautnah.

Wegen dieses schwarzen Hartschalenkoffers in einem Trilex (im Hintergrund) wurde der Zug außerhalb des Bahnhofes geparkt. Experten untersuchten den Trolley.
Wegen dieses schwarzen Hartschalenkoffers in einem Trilex (im Hintergrund) wurde der Zug außerhalb des Bahnhofes geparkt. Experten untersuchten den Trolley. © Nikolai Schmidt

Nach dem Jakobstunnel ist Schluss. Ab hier geht nichts mehr für Autofahrer in Richtung Goethestraße. Quer stehende Polizeiwagen sperren die Sattigstraße, Beamte weisen Fahrzeuglenkern die Richtung durch den Tunnel. Knifflig: Denn auch auf der gegenüberliegenden Seite wird es eng. Die Bahnhofstraße ist ebenfalls teilweise dicht. „Ja, für Anwohner ist das sicher keine schöne Situation“, sagt Michael Engler, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf. Aber anders geht es nun mal nicht. Denn auf dem Gleis in und aus Richtung Polen steht ein Zug, der es in sich haben könnte. „Die Zugbegleiterin hat ein herrenloses Gepäckstück gemeldet“, schildert Michael Engler. Und: „Wir müssen davon ausgehen, das darin explosive Stoffe sein könnten.“ Das Gepäck wird unter einer Sitzgruppe gefunden, vom Eigentümer fehlt jede Spur.

Ab diesem Moment setzt sich die bewährte sächsische Experten-Maschinerie für solche Fälle in Bewegung. Für die Polizei vor Ort bedeutete das zunächst: Straßen sperren. Das Ganze beginnt am Vormittag nach 10 Uhr mit der Sattigstraße. „Dann haben wir den Zug außerhalb des Bahnhofes abstellen lassen, abseits des laufenden Verkehrs“, so Michael Engler. Die Passagiere können zuvor am Bahnsteig aussteigen. Der Zug steht jetzt gegenüber der Berufsschule. Nun heißt es warten. Die Experten für solche Angelegenheiten reisen aus Dresden an. Nach etwa anderthalb Stunden parken sie ihr weißes Spezialmobil auf dem Bahngelände. Die Bundespolizisten darin machen sich für den Einsatz fertig. Mithilfe moderner mobiler Technik nehmen sie das herrenlose Etwas im Zug genauestens unter die Lupe.

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Das betroffene Schienenfahrzeug stammt von der Länderbahn, ein Trilex, der Strecke Dresden-Görlitz. „Ja, es gab Auswirkungen auf den Zugverkehr“, sagt Länderbahn-Sprecher Jörg Puchmüller. Unter anderem sei ein Zug zwischen Löbau und Görlitz komplett ausgefallen. Die Bundespolizei spricht später von 16 Minuten Verspätung und vier teilweisen Zugausfällen. Der Bahnhof bleibt während des gesamten Einsatzes über offen. Laut Jörg Puchmüller waren die Verbindungen von und nach Zittau und Cottbus nicht beeinträchtigt.

„Unser Personal ist angehalten, in Fällen von herrenlosem Gepäck immer die Polizei zu informieren“, so der Länderbahn-Sprecher. Hintergrund sei die latente Terrorgefahr im Land. In Dresden beispielsweise komme es häufiger zu vergleichbaren Einsätzen. „Natürlich ist hier nicht nur die Länderbahn betroffen“, sagt Jörg Puchmüller. Aber die Auswirkungen von Sperrungen, etwa am Hauptbahnhof in der Landeshauptstadt, hätten schon eine andere Dimension als in Görlitz.

Inzwischen haben die Bundespolizeiexperten aus der Landeshauptstadt ihre Untersuchungen abgeschlossen, sie tragen ihre Technik zurück zum Wagen. Der Einsatzleiter vor Ort aus Ludwigsdorf darf in den Zug, ein gutes Zeichen. Kurz darauf gibt es erwartungsgemäß Entwarnung: Der Koffer, ein schwarzer Trolley, ist harmlos. Sofort werden alle Straßensperrungen aufgehoben. Es ist jetzt 12.20 Uhr. Glück: Der Zug steht auf dem Gleis gen Breslau, der Verkehr auf dieser Strecke ist gestoppt. Theoretisch. Praktisch fährt der nächste Zug aber erst 13.33 Uhr nach Polen, also nach dem Einsatz.

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Inzwischen ist der Eigentümer des Hartschalenkoffers ermittelt worden, so Michael Engler. „Er muss damit rechnen, dass ihm die Kosten des Polizeieinsatzes in Rechnung gestellt werden“, sagt er. Inhaltlich bot der Trolley offenbar wenig Aufregendes: Die Bundespolizei in Dresden fand darin persönliche Gegenstände und Kleidung.

Polizei sperrte Straßen ab, wie hier die Sattigstraße.
Polizei sperrte Straßen ab, wie hier die Sattigstraße. © Nikolai Schmidt