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Herrnhut bekommt ein neues Gesicht

13 Millionen Euro fließen bis 2018 in den Neubau der Zinzendorfschulen. Die Bauherren gehen neue, gewagte Wege.

© Katrin Filschke

Von Anja Beutler

Herrnhut. Zu den wirklich alten Städten in der Oberlausitz gehört Herrnhut nicht gerade. Dennoch spielt die Historie hier eine gewichtige Rolle: Das sieht man auch daran, dass das neue Schulhaus äußerlich ein alt anmutendes Gewand tragen wird – innen aber modern sein wird, mit Fluren und Räumen, die Kurven haben dürfen. Die Zinzendorfschulen, die einen gymnasialen und einen Oberschul-Zweig vereinen, bekommen ein Gebäude, das genau auf die Anforderungen abgestimmt ist. Zur Grundsteinlegung war auch Kultusministerium Brunhild Kurth (CDU) gekommen und feierte mit den 370 Schülern, mit Lehrern und vielen Gästen. Eine Bau-Übersicht:

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Die Fassade ist an die historische Bauweise in Herrnhut angepasst. Das verlangt auch der Bebauungsplan.
Die Fassade ist an die historische Bauweise in Herrnhut angepasst. Das verlangt auch der Bebauungsplan. © Schulstiftung
In den Grundstein ließen Schüler eine Zeitkapsel ein. Auch eine SZ ist darin, die Anika Hirschmann hineintut.
In den Grundstein ließen Schüler eine Zeitkapsel ein. Auch eine SZ ist darin, die Anika Hirschmann hineintut. © Thomas Eichler

Eine Bau-Übersicht

Besonderheiten: Energetische Bauweise sichert größere Finanzspritze

Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn Architekt Daniel Neuer erzählt, was diesen Schulneubau besonders macht. Denn das Gebäude wird in seinen Standards bei Nachhaltigkeit und Energieeffizienz das Maß des Üblichen übertreffen: „Energetisch-innovativer Neubau heißt das, und es ist das erste Projekt dieser Art in Sachsen“, erläutert Neuer. Auf diese Weise fällt auch der Fördergeldzuschuss mit knapp 7,2Millionen Euro für den insgesamt dann 13,38Millionen Euro teuren ersten Bauabschnitt größer aus als normalerweise. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass man mit alten Techniken baut und auf diese Weise Dämmstoffe einsparen kann: „Wir mauern ganz klassisch 49 Zentimeter dicke Wände und bringen einen Außen- und einen Innenputz an“, sagt Neuer. Zudem müssen alle Baustoffe bis zu den Fassadenfarben spezielle Zertifizierungen aufweisen, um sicherzustellen, dass auch sie nachhaltig hergestellt worden sind. „Das ist für die Baufirmen durchaus auch eine Herausforderung“, bestätigt Neuer. Gleiches gilt auch für die eingesetzten Baufahrzeuge: Von Bagger bis Bohrer dürfen nur solche ran, die mit der besten Norm bei Abgasen und Lärmausstoß benotet sind.

Forschung: Dresdner Wissenschafter der TU begleiten den Bau

Auch im Inneren verfolgt man ein nachhaltiges Konzept – sogar mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Technische Universität Dresden: „Wir werden keine tragenden Wände errichten, sondern tragende Säulen“, sagt Neuer. Zwischen diesen Säulen werden dann die – nicht tragenden – Wände errichtet. Das funktioniert so ähnlich wie bei einem Fachwerkhaus und ermöglicht auch später, die Raumstrukturen einfacher zu ändern. Die Innenwände selbst werden übrigens aus luftgetrockneten – aus nicht gebrannten – Lehmziegeln bestehen. Auch das ist eine gewisse Parallele zum Fachwerk. „Die TU hat diese Methode schon im Kleinen getestet, nun wird diese Technik auf 6000 Quadratmetern im Schulhaus angewandt“, sagt Neuer. Die Herrnhuter erhoffen sich dadurch nicht nur ein gutes Raumklima und mehr Schallschutz, diese Vorgehensweise spart auch Energie, weil das Brennen der Steine schlicht wegfällt.

Sparsamkeit: Energie und Wasser mit speziellen Techniken schonen

Effiziente Technik ist auch an anderen Stellen geplant: So wird die Energie, die beim Abbremsen des Fahrstuhles frei wird, wieder in den Energiekreislauf des Systems eingespeist. Auch Regenwasser für die Spülung soll beim Schulhaus genutzt werden. In sich haben es auch die Betondecken im Gebäude: In ihnen wird ein Rohrsystem verlaufen, in dem kaltes oder erwärmtes Wasser fließt. Mit einer solchen Betonkernaktivierung kann man Räume je nach Bedarf kostengünstiger wärmen oder kühlen und nutzt dabei außerdem auch die Speicherfähigkeit des Betons. Bei den Fenstern hat man sich für Kastenfenster entschieden – wie in einem Altbau üblich. Dabei ist das äußere Fenster nur normales Glas, das innere ein modernes Funktionsfenster. Und dem Denkmalschutzgedanken ist auf diese Weise ebenfalls Rechnung getragen.

Zeitplan: Das Schuljahr 2018/19 startet im neuen Schulgebäude

Der Boden für das neue Schulhaus ist bereits geebnet: Die 98 Bohrpfähle für das Gebäude, das sich mit einer Verbindung über die Christian-David-Straße erstrecken wird, sind in der Erde. Nach den Tiefbau- und Erdarbeiten geht es nun an den Keller, der sich allerdings nicht unter der gesamten Schulfläche erstrecken wird. Im weiteren Verlauf des Jahres wird das Schulhaus diesseits und jenseits der Christian-David-Straße rasch in die Höhe wachsen. „Weihnachten soll das Dach drauf sein“, benennt Daniel Neuer das Ziel. Ehrgeizig ist auch der Einzugstermin: „Wir wollen das Schuljahr 2018/19 im neuen Schulhaus beginnen, also im Sommer 2018 umziehen“, sagt Katrin Filschke. Bis dahin lernen die Schüler im Altbau, der direkt am Neubau steht.

Zukunft: Heizung und Sporthalle sind Fortsetzungsprojekte

Die Schule will Geothermie und Sonnenkraft für die Wärmegewinnung nutzen. Laut Daniel Neuer ist das Teil eines zweiten Bauabschnittes. Auch Erneuerung und Bau von Turnhalle und Aula sind geplant.

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