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In Herrnhuts Kirchensaal rollt's

Der Kirchensaal wird saniert - und einen Nachmittag für Inlineskater freigegeben. Ohnehin gibt es bei der Sanierung viele außergewöhnliche Aktionen.

Das gab es noch nie: Vier Stunden lang stand der Kirchensaal in Herrnhut allen offen, die gern Rollen unter den Füßen haben.
Das gab es noch nie: Vier Stunden lang stand der Kirchensaal in Herrnhut allen offen, die gern Rollen unter den Füßen haben. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

450 Quadratmeter glatte, ebene und auch noch überdachte Betonfläche. Ein Paradies für alle, die gern Rollen unter den Füßen haben. So wie die Inlineskater, Rollschuhläufer oder Skateboardfans, die am Sonnabend die einzigartige Chance genutzt haben, in Herrnhuts Gotteshaus ihre Runden zu drehen: Skaten mit Gott sozusagen. Dort, wo sonst die weißen Kirchenbänke stehen, wo Singekreis und Gottesdienste gehalten werden, rollte es vier Stunden lang - von 13 bis 17 Uhr bunt durcheinander.

Dass in Herrnhuts Allerheiligstem - der Kirchensaal ist der zentrale Ort der Gemeinde und zudem auch architektonisch das Vorbild für Herrnhuter Kirchensäle in aller Welt - vor allem Jugendliche so richtig Spaß haben konnten, freut Angelika Doliv enorm. Sie steht dem Verein Freunde und Förderer des Herrnhuter Kirchensaals vor und ist mit der Sanierung des Hauses seit Langem befasst. "Ich weiß gar nicht mehr genau, von wem die Idee gekommen ist, aber es ist gut, dass wir etwas nur für die Jugend machen konnten", sagt sie.

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Gemeinde zeigt Muskeln und spart Geld

Einfallsreich sind Architekt Daniel Neuer, Gemeinde und Förderverein aber generell bei der Sanierung. So richtig aus sich rauskommen konnten auch die Erwachsenen schon mehrfach - beim Schaufeln, Schachten oder Fußbodendielen entfernen. Aus allem, was machbar ist, kreieren die Herrnhuter eine Gemeinschaftsaufgabe. Nach dem Ausbau der Orgel - durch die Firma Eule - rissen Freiwillige vor allem aus der Gemeinde und auch Bewohner der Herrnhuter Diakonie den alten Dielenfußboden heraus. Später galt es Sand zu schaufeln, Schutt abzutransportieren und Schachtarbeiten zu erledigen. "Das war zum Teil harte körperliche Arbeit", zollte Frau Doliv Respekt.

Die weißen Holzbänke, die da an der Außenwand stehen, füllen inzwischen wieder den ganzen Saal.
Die weißen Holzbänke, die da an der Außenwand stehen, füllen inzwischen wieder den ganzen Saal. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Egal, ob Slalom üben oder einfach geradeaus rollen: Große und kleine Skatefans hatten viel Spaß bei der außergewöhnlichen Aktion.
Egal, ob Slalom üben oder einfach geradeaus rollen: Große und kleine Skatefans hatten viel Spaß bei der außergewöhnlichen Aktion. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Der neue Betonboden eignet sich hervorragend zum Rollen und in passendes Licht gerückt war die Aktion auch.
Der neue Betonboden eignet sich hervorragend zum Rollen und in passendes Licht gerückt war die Aktion auch. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Doch es hat sich gelohnt: 70.000 Euro habe man dadurch an Baukosten schon einsparen können. Das mag bei geplanten Baukosten von rund 1,5 Millionen Euro sowie weiteren 600.000 Euro für die Sanierung der Orgel nicht viel klingen. Aber für das Großprojekt sind die Herrnhuter auch stark auf Spenden angewiesen. Spenden kann man übrigens auch für den neuen Fußboden: Für 40 Euro kann man Pate für einen Quadratmeter neuen Fußboden werden.

Gottesdienste auf Beton

Der Betonfußboden wird übrigens eine Weile sichtbar erhalten bleiben. Der neue Holzbelag wird nämlich erst im kommenden Frühjahr aufgebracht. Nach dem Skaten haben die Herrnhuter deshalb die Kirchensaalbänke hineingetragen und aufgestellt. Denn ab sofort werden Singekreis und Gottesdienste wieder in der Kirchensaal-Baustelle stattfinden. Knapp drei Monate war das jetzt nicht möglich. Viel zu tun gibt es im Saal aber dennoch. Mitte März werden im Saal Gerüste aufgestellt: "Putz, Dämmung und Fenster sind dann als Nächstes an der Reihe", zählt Angelika Doliv auf. Und natürlich wird die Rüstung auch gebraucht für den neuen Anbau der neuen Schwesternempore, die nach dem Brand des Kirchensaals in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zerstört und nicht wieder angebaut worden war.

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