merken
PLUS Löbau

Herrnhuter Sterne mit Noten und Flaggen

Die Gymnasiasten basteln in einem Projekt ganz spezielle Sterne für das neue Schulgebäude. Alles erlaubt ist dabei nicht - aber sie nutzen einen alten Geheimtipp.

Lilly (rechts) und Anna (2. von rechts) bemalen und gestalten mit ihren Mitschülern die Zacken der Sterne, die dann in Klassenräumen und Schulflur hängen werden.
Lilly (rechts) und Anna (2. von rechts) bemalen und gestalten mit ihren Mitschülern die Zacken der Sterne, die dann in Klassenräumen und Schulflur hängen werden. © Rafael Sampedro

Anna und Lilly sind auf Zack bei den Zacken: Die beiden Mädchen aus der Klasse 6.2 des Herrnhuter Zinzendorf-Gymnasiums haben mit Engelsgeduld das Papier mit Farbe verziert, aus dem dann die Zacken für einen ganz besonderen Herrnhuter Stern entstehen sollen: "Für mich war das etwas ganz Neues", sagt Anna, die sich schon freut, wenn dann endlich die Stern-Unikate in den Klassenzimmern und auf dem Flur des Schulbaus hängen. Denn das neue Schulhaus hat bereits extra Vorrichtungen eingebaut, an denen Herrnhuter Sterne angebracht werden können.

Insgesamt 36 Sterne basteln die Herrnhuter Schüler an den drei Projekttagen - von der fünften bis zur zwölften Klasse. Fünf der Sterne werden aussehen wie die klassischen Herrnhuter, 31 hingegen ganz individuelle Motive haben: Selbstgemalte Noten zeigen die Zacken des Sterns für das Musikzimmer. Über dem Geographie-Unterricht könnte demnächst ein Stern mit Länderumrissen oder Flaggen prangen, in Mathe einer mit Gleichungen, Dreiecken oder Zahlen. "Was genau darauf zu sehen sein wird, entscheiden die Kinder selbst", erklärt Beatrix Israel, die in der Entdeckerwelt-Werkstatt der Sternemanufaktur arbeitet. Manchmal denken die Schüler dabei ganz schön clever um die Ecke: In der Herrnhuter Schule tragen die Klassenzimmer alle Namen von Herrnhuter Siedlungen weltweit. Der Raum, der nach einer Gründung in Großbritannien, nach dem Ort Fulneck benannt wurde, erhält einen Stern mit roten, weißen und blauen Zacken. "Das sind die Farben der Flaggen von Großbritannien, wo Fulneck liegt, und von Tschechien, denn die Gründer der Siedlung kamen aus Böhmen", erklärt Frau Israel.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Ein Herrnhuter Stern aus Herrnhuter Kleisterpapier - wie das geht und was dahinter steckt, lernen die Schüler bei dem dreitägigen Projekt.
Ein Herrnhuter Stern aus Herrnhuter Kleisterpapier - wie das geht und was dahinter steckt, lernen die Schüler bei dem dreitägigen Projekt. © Rafael Sampedro

Verbindungen zu ziehen zwischen dem Heute und dem Gestern, aber auch ganz schnöde zum Lehrplan, das ist der Kern des dreitägigen Projektes. Genau dies überzeugt auch den Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH, Oskar Scholz. "Wir haben da keine Berührungsängste, weil die Sterne nicht die klassischen Farben haben - der Hintergrund ist entscheidend", sagt er. Und, ganz nebenbei, entsprang ja der Stern ursprünglich dem Mathematik-Unterricht an einer Herrnhuter Schule in Niesky. Deshalb habe er gegen die Kreativität der Schüler nichts einzuwenden, die gab es ja schon vor hundert Jahren, sagt Scholz.

Das Projekt als bloßes Sternebasteln abzutun, wäre ohnehin zu kurz gegriffen, denn es geht um mehr: Bei Führungen durch den Herrnhuter Forst lernen die Klassen, wie aus Holz Papier wird und am Ende das Herrnhuter Kleisterpapier daraus entsteht. Viele kennen es von Einbänden alter Bücher. Dieses Herrnhuter Buntpapier hat eine lange Tradition und auch im Unitätsarchiv gibt es kleine Schächtelchen und Döschen, die mit Herrnhuter Papier beklebt, zum Verkauf angeboten werden. Wie genau man früher dieses Papier hergestellt hat, lernen die Schüler nun auch bei Beatrix Israel und ihren Kolleginnen in der Entdeckerwerkstatt.

Mit Herrnhuter Kleisterpapier hat sich auch das Völkerkundemuseum schon beschäftigt, das ebenfalls an dem großen Schulprojekt beteiligt ist. Hier aber tauchen die Schüler in die Welt der Missionsgeschichte ein - und damit auch in die des Herrnhuter Sterns. Gästepfarrerin Erdmuthe Frank nimmt die Schüler zudem mit auf eine Stadttour - und damit ebenfalls auf Geschichtsreise. "Tradition und Moderne zusammenzubringen und dabei Kultur und auch eine Botschaft zu vermitteln, das ist unser Anliegen", sagt Oskar Scholz. Und dann fügt der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH hinzu: "Am Ende bleibt es ein Herrnhuter Stern."

Mehr Lokales unter:

Löbau

Zittau

Mehr zum Thema Löbau