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Herrnhuts bunte Welt

Zum vierten Mal öffnen sich in der Stadt Türen, hinter die man sonst nicht schauen kann. Neue Stationen sind dabei.

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© SZ Thomas Eichler

Von Anja Beutler

Lila und blau? Der kleine Stern, den der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH da in der Hand hält, sieht so gar nicht nach Original aus. Und doch ist er eines. Ein sehr individuelles Original sogar. Und an diesem Sonnabend – beim Tag der offenen Türen in ganz Herrnhut – werden sicherlich noch viele solcher Sterne durch Kinderhände entstehen. Denn da können die jüngsten Besucher in der Oderwitzer Straße gegen einen Obolus einen solchen Stern selbst basteln, einfach in die Kiste mit den roten, gelben, weißen, auch grünen oder lila Zacken greifen und kombinieren. Ein neuer Trend bei der sonst doch sehr auf Tradition bedachten Sterne GmbH? Oskar Scholz lächelt. Nein, so sei es nicht. Aber es sei ein buntes Zeichen der Zeit, eben etwas Individuelles. „Die Grundbotschaft des Sterns bleibt ja bestehen, egal welche Farben es sind“, sagt er. Außerdem hat es auch schon in den 20er-Jahren schon einmal blaue Sternzacken gegeben – so neu sind die Farben im Grunde nicht.

Dennoch will die Herrnhuter Sterne GmbH mit diesem kleinen Event Besucher neugierig machen auf Herrnhut und all das, was sich hier hinter Türen versteckt. Zum vierten Mal öffnen nun am zweiten Maiwochenende viele Häuser, in die man sonst nicht so ohne Weiteres hinein kann. Die Zinzendorf-Gymnasiasten helfen zum Beispiel nicht nur beim Sternebasteln, sondern führen auch durch ihr Schulhaus. Die Brüdergemeine öffnet im Vogtshof den Saal, in dem just am kommenden Mittwoch dann die Losungen für 2018 gezogen werden. Doch es geht nicht nur ums Anschauen – es geht um Erklärungen, um Fragen, die die Besucher mitbringen, betont Erdmute Franck, die für die Brüder-Unität den Tag der offenen Tür organisiert. „Ursprünglich ging es darum, dass wir uns als Brüdergemeine den Menschen präsentieren, einen Einblick geben wollen“, sagt sie. Vielen in Sachsen, aber auch in der Umgebung sei die Kirche, die nicht nur Herrnhut bis heute prägt, etwas Unbekanntes.

Aber, wie das in Herrnhut so ist, kann man das eine nicht vom anderen trennen, sagt Erdmute Franck und schmunzelt. Und so kommen immer mehr Institutionen, Vereine oder eben Museen hinzu. In diesem Jahr sind beispielsweise die Kreismusikschule und die Herrnhuter Feuerwehr das erste Mal mit dabei. Auch die katholische Gemeinde macht nun offiziell mit. „Nicht nur Türen auf – Mund auf, Herz auf heißt das Motto“, sagt sie. Allein um Events soll es bei dieser Einladung auch in Zukunft nicht gehen, betont auch Oskar Scholz. Ihm sei wichtig, jedem in einer Familie etwas zu bieten – und darum, Dinge wieder spannend und geheimnisvoll zu machen.