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Herrscht im Tourismus jetzt bald Einigkeit?

Warum Zittaus Oberbürgermeister überraschend in Großschönau auftaucht, mancher von Erpressung spricht und die Gemeinderäte ein Rad zurückdrehen.

Waltersdorf gehört zu den Touristenmagneten im Zittauer Gebirge - und nun auch wieder zur TGG.
Waltersdorf gehört zu den Touristenmagneten im Zittauer Gebirge - und nun auch wieder zur TGG. © Foto: Matthias Weber

Zittaus Oberbürgermeister hat etwas gutzumachen bei den Großschönauern. Und Thomas Zenker (Zkm) nutzt dafür seine letzte Chance in letzter Minute: Völlig überraschend taucht er am Montagabend mit einer dicken Aktenmappe unterm Arm im großen Saal des Großschönauer Gemeindeamts auf, wo Bürgermeister Frank Peuker (SPD) gerade die Mai-Gemeinderatssitzung eröffnet. 

Es ist ein lange und heiß diskutiertes Thema, das diesmal auf der Tagesordnung der Großschönauer Gemeinderäte steht und von Thomas Zenker Rechenschaft fordert. Nicht in seiner Funktion als Zittauer Oberbürgermeister, sondern in der als Vorsitzender der Touristischen Gebietsgemeinschaft (TGG) Zittauer Gebirge. Das ist jenes von den Mitgliedsgemeinden finanziertes Konstrukt, das sich um die touristische Vermarktung des Zittauer Gebirges kümmern soll. Aber kümmert sich die TGG auch wirklich so, wie man das erwarten müsste?

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Seit Jahren wird diese Frage in den Zittauer Gebirgsgemeinden heftig diskutiert. Es gibt viel Kritik über mangelnde Zusammenarbeit, veraltete Ansichten, fehlende Visionen, zu viel Behäbigkeit, zu wenig Ideenreichtum und zu wenig Offenheit für Neues. Die Großschönauer beklagten mangelnde Kommunikation und fehlende Außenwirkung und sahen sich für ihr Geld nicht angemessen vertreten. 2013 beschlossen die Gemeinderäte deshalb, sich den jährlichen Mitgliedsbeitrag von rund 9.000 Euro zu sparen und aus der Gemeinschaft auszutreten.  

Schlecht gefahren ist die Gemeinde damit nicht. In der Zeit, in der Großschönau die Vermarktung in die eigenen Hände genommen hat, unter anderem mit der selbst entwickelten Marke "Textildorf" und der Zertifizierung des Ortsteils Waltersdorf als Staatlich anerkannter Erholungsort, sind  die Übernachtungszahlen sogar deutlich gestiegen - von 139.000 im Austrittsjahr 2013 auf mehr als 162.000 im vorigen Jahr. 

Jetzt zeigt sich aber, dass Großschönau ohne die TGG-Mitgliedschaft auch Nachteile erwachsen. So setzt beispielsweise ein wichtiges Förderprogramm, mit dem Großschönau unter anderen den Bau der Aussichtsplattform auf der Lausche finanzieren will, eine Mitgliedschaft in einer Touristischen Gebietsgemeinschaft voraus. Nicht zuletzt hatten Vertreter des Sächsischen Wirtschaftsministeriums der Gemeinde den Wiedereintritt als "wünschenswert" nahegelegt, wenn es um die Entscheidung geht, ob Waltersdorf auch künftig den Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort" tragen will. Mancher im Gemeinderat spricht da schon von Erpressung.

Aber eigentlich wollen ja auch die Großschönauer nicht zu denen gehören, die nur ihr eigenen Süppchen kochen. Dieses Jeder-macht-seins ist ohnehin der größte Kritikpunkt, wenn es um die touristische Vermarktung des Zittauer Gebirges geht. Waltersdorfs Ortsvorsteherin Karin Szalai bringt das Problem auf den Punkt: "Seit 20 Jahren reden wir davon, dass wir endlich zusammenfinden müssen. Wir reden und reden. Es wird wirklich Zeit, dass wir das endlich auch mal tun."

Thomas Zenker hätte das genauso sagen wollen. Aber zuerst mal muss der TGG-Vorsitzende den Großschönauern erklären, warum er sie wochenlang auf Antworten hat warten lassen. Schon Mitte März hatte sich Bürgermeister Frank Peuker (SPD) mit der Frage an den Vorstand der TGG gewandt, ob sich denn inzwischen etwas geändert habe an den Kritikpunkten, die Großschönau 2013 zum Austritt bewegt hatten. Er habe das Schreiben schon fertig gehabt, entschuldigt sich Zenker, aber es sei ihm zu oberflächlich erschienen. Deshalb sei er an diesem Abend gleich gekommen. 

Er erklärt den Gemeinderäten, wie sich die TGG gerade in der Neuausrichtung befindet, dass gerade neue Produkte entwickelt werden wie beispielsweise eine Art Top-Ten-Card, die die Besucher zu allen Highlights führen soll. Die TGG, sagt Zenker, müsse sich jetzt aber auch verstärkt auch um das Innenmarketing kümmern. Die Tourismusbranche steht vor großen Herausforderungen: In vielen Betrieben steht ein Generationenwechsel an, es gibt einen großen Investitionsstau und einen noch größeren Personalmangel im Hotel- und Gastgewerbe der Region. "Wir können es uns nicht leisten, nebeneinander herzuarbeiten", sagt Thomas Zenker. "Ich fände es sehr, sehr gut, wenn wir künftig wieder besser zusammenarbeiten."

Die Großschönauer Gemeinderäte fänden das am Ende auch. Bis auf zwei Enthaltungen stimmten alle für den Wiedereintritt in die TGG - in der Hoffnung, dass endlich mal  Einigkeit herrscht im Tourismus.

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